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„Aus zwei Fingern kann man nicht schießen“

Das Warschauer Ghetto und der Aufstand – Teil II

Nachdem die Deutschen 300.000 Menschen deportiert und ermordet haben, verbleiben im Ghetto noch rund 60.000 Menschen. Die Überlebenden glauben nicht mehr daran, dass es eine Überlebenschance für sie gibt und beginnen energisch, einen Aufstand gegen die Nazis vorzubereiten. Im April 1943 ist es soweit. Die Widerstandskämpfer_innen liefern den Deutschen, die das Ghetto endgültig räumen wollen, einen erbitterten Kampf. 

Am 28. September 1942 ordnet Friedrich-Wilhelm Krüger, Höherer SS- und Polizeiführer im Generalgouvernement, die Bildung eines Restghettos an. Seit dem 22. Juni sind rund 300.000 Ghettobewohner_innen deportiert oder noch im Ghetto ermordet worden. Am Leben bleiben 60.000 Menschen: 35.000 als Arbeitskräfte registriert, der Rest illegal und versteckt.

Das Ghetto besteht nun aus mehreren voneinander abgetrennten Teilen. Im nördlichen Bereich des ehemaligen Ghettogeländes befindet sich das „Zentrale Ghetto“. Ganz im Süden bilden wenige Blocks die Reste des „Kleinen Ghettos“. Daneben existieren noch der Bereich der Fabriken von Schulz und Többens sowie das Gelände der Bürstenmacher. Die Bereiche sind von Mauern, Zäunen und Stacheldraht umgeben und dürfen nicht verlassen werden.

Das Ghetto hat den Charakter eines Arbeitslagers angenommen. Das ist auch der Grund, warum es nicht komplett liquidiert wurde, wie Heinrich Himmler es ursprünglich geplant hatte. Der Rüstungsinspekteur der Wehrmacht für das Generalgouvernement, Max Schindler, und Dr. Max Frauenhofer, Chef der „Hauptabteilung Arbeit“, beharrten jedoch darauf, dass die jüdischen Arbeitskräfte nicht verzichtbar seien. „Die sofortige Entfernung der Juden würde eine spürbare Verringerung des Kriegspotentials zur Folge haben“, schreibt Schindler in einem Bericht an das Oberkommando der Wehrmacht. Die Arbeiter_in­nen im Ghetto hatten allerdings nicht nur Bedeutung für die Kriegsproduktion, deutsche Industrielle und örtliche SS-Offiziere verdienten gut an ihrer Arbeit.

Die Hoffnung, sich durch eine Arbeitsstelle retten zu können, hat sich für einen großen Teil der Bewohner_innen als vergeblich herausgestellt und die Bedenken gegen aktiven, bewaffneten Widerstand sind hinfällig geworden. Zu Beginn der Deportationen haben sich noch die Vertreter_innen der Position, bewaffnete Aktionen würden Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen und jegliche Überlebenschancen zunichte machen, durchgesetzt. Im Herbst 1942 leben die Bemühungen, aktiv Widerstand zu leisten wieder auf. 

Reorganisation

Die stark dezimierten Untergrundgruppierungen beginnen fieberhaft, sich zu reorganisieren. Ende September/Anfang Oktober 1942 wird der Żydowski Komitet Narodowy (ŻKN, „Jüdisches Nationalkomitee“) gegründet. Dem Nationalkomitee gehören die PPR, die Linke Poale Zion sowie die Rechte Poale Zion, die Allgemeinen Zionisten sowie die linken zionistischen Jugendorganisationen an. Der Bund will sich – wie schon beim Antifaschistischen Block – nicht anschließen. Erst nach langwierigen Verhandlungen wird eine Lösung gefunden: Am 20. Oktober wird eine Koordinierungskomission (ŻKK) gegründet, welche die Zusammenarbeit zwischen Nationalkomitee und Bund abstimmt.

Die Koordinierungskommission verfügt über ein Bürgerkomitee, das Finanzmittel für die Verteidigung sowie den Bau von Bunkern auftreiben und die Idee des bewaffneten Kampfes unter der Bevölkerung des Ghettos verbreiten soll. Die bewaffnete Formation der Koordinierungskommission ist die Żydowska Organizacja Bojowa (ŻOB, „Jüdische Kampforganisation“).

Neben der ŻOB existiert eine weitere Kampforganisation, der Żydowski Związek Wojskowy (ŻZW, „Jüdischer Militärverband“), der von den rechten zionistischen Organisationen im Ghetto getragen wird. Die Spitze des ŻZW bilden der Oberst der Polnischen Armee, Dawid Apfelbaum, der Student Paweł Frenkel und der Journalist Leon Rodal. Politisch steht der Militärverband den sogenannten Revisionisten, rechten Zionisten, nahe. Gespräche über eine Zusammenarbeit beider Kampforganisationen verlaufen ergebnislos.

Aktionen

Die Jüdische Kampforganisation konzentriert sich zunächst auf die Bekämpfung von Verräter_innen, und Kollaborateur_innen. Dabei geraten vor allem Mitglieder der jüdischen Polizei ins Visier. Noch bevor die Deportationen vorüber waren, führte Izrael Kanał einen Anschlag auf den Chef des Ordnungsdienstes, Jósef Szeryński, aus. Szeryński überlebte verwundet. Am 29. Oktober 1942 vollstreckt Eliasz Różański das Todesurteil der Jüdischen Kampforganisation über den Stellvertreter Szeryńskis, den Rechtsanwalt Jakub Lejkin. Lejkin wurde vorgeworfen, die Deutschen tatkräftig bei den Deportationen unterstützt zu haben. Die Jüdische Kampforganisation verklebt einen Tag nach dem erfolgreichen Attentat eine Erklärung, in der sie den Beschluss bekannt gibt, „die Leitung, Offiziere und Funktionäre des jüdischen Ordnungsdienstes in Warschau in den Anklagezustand zu versetzen“ und kündigt an, dass  „weitere Vergeltungsmaßnahmen unnachsichtig durchgeführt werden“. Zu den in den Anklagezustand versetzten Personen zählen neben den Ordnungsdienstlern die Mitglieder des Judenrats, die Leiter der Werkstätten, der sogenannten „shops“, sowie die Leiter und Funktionäre des Werkschutzes.

Wie angekündigt, fährt die Kampforganisation mit der Liquidierung von Verrätern fort. Insgesamt werden mindestens 30 Todesurteile vollstreckt.

Der Historiker Reuben Ainsztein sieht in diesem Vorgehen eine Grundlage des späteren Erfolgs des Aufstands im Ghetto. Denn so verliert der Judenrat bis zum Jahresende die Autorität an die ŻOB.

„Waffen in einem schlechten Zustand“

So gut es der Jüdischen Kampforganisation gelingt, die Macht im Ghetto zu übernehmen, so schwierig ist es für sie, an Waffen zu gelangen. Die ŻOB bemüht sich um diese bei der Armia Krajowa (AK, „Heimatarmee“), die der polnischen Exilregierung untersteht und über größere Waffenvorräte verfügt. Die Ergebnisse sind mager. Im Dezember erhält die Kampforganisation lediglich zehn Pistolen und einen knappen Vorrat an Munition. In einem Bericht des Referats für jüdische Angelegenheiten an die polnische Exilregierung bemängelt der Autor, dass „sich die Waffen in einem schlechten Zustand befanden und nur teilweise von Nutzen sein konnten“. Nachdem die ŻOB weiter auf Waffenlieferungen drängt, schickt die AK im Februar 1943 weitere Pistolen. Es sind lediglich 49 Stück, und nur 36 sind überhaupt zu gebrauchen. Munition schickt die AK erst gar nicht. „Die Zuteilung von Waffen ohne Munition macht den Eindruck einer zynischen Verhöhnung über unser Schicksal und bestätigt die Annahme, daß das antisemitische Gift […] weiter in den Kreisen wirkt, die Polen regieren“, beschwert sich Mordechaj Anielewicz, Kommandant der ŻOB, in einem Schreiben an die AK. Neben Antisemitismus gibt es für die Exilregierung und die AK aber auch weitere Gründe, die Kämpfer_in­nen im Ghetto nicht zu unterstützen. Die Heimatarmee soll sich so lange ruhig verhalten, bis die Deutschen den russischen Truppen unterliegen und die Front sich zurück bewegt. In diesem Moment soll die AK zuschlagen, die fliehenden deutschen Truppen aufreiben und die polnischen Städte befreien, noch bevor die Rote Armee ankommt. Doch noch ist es nicht so weit und ein Aufstand im Ghetto, der womöglich auf die ganze Stadt übergreift, passt der Heimatarmee nicht ins Konzept. Auch Antikommunismus spielt eine Rolle. Die Verweigerung von Unterstützung „sollte die massenweise Verteilung von Waffen eindämmen, die in die Hände wilder Banden kommunistischen Charakters gelangen konnten“, so ein Vertreter der Exilregierung auf einer Sitzung des Rates zur Unterstützung der Juden im August 1943.

Ersthaft um Hilfe bemüht zeigt sich die militärische Organisation der PPR, die Gwardia Ludowa (GL, Volksgarde). Die erste Pistole, welche die ŻOB erreichte und mit der der Anschlag auf den Ordnungsdienstleiter Jósef Szeryński im August 1942 durchgeführt wurde, stammt von der Volksgarde. Zu diesem Zeitpunkt besaß die Warschauer Volksgarde zwei Pistolen. Die Ausstattung steigt nur langsam: Ende Dezember 1942 verfügt die Volksgarde in Warschau über 13 Pistolen und 17 Handgranaten, Mitte Januar 1943 sind es 24 Pistolen und 18 Handgranaten. Trotzdem liefert sie weiterhin Waffen in das Ghetto. 

Januaraufstand

Während sich die jüdischen Widerstandskämpfer_innen auf den Aufstand gegen die endgültige Liquidierung des Ghettos vorbereiten, ist Heinrich Himmler immer verärgerter darüber, dass sich die Auflösung weiter hinauszögert. Nachdem er das Ghetto am 14. Oktober 1942 besucht hatte, ordnete er an, die Auslagerung der Produktion in die Konzentrationslager zu beschleunigen. Das Generalgouvernement sollte bis Ende 1942 bis auf Lager in Warschau, Krakau, Częstochowa, Radomund und Lublin „judenfrei“ sein. Doch die Verlegung der Werkstätten zieht sich in den nächsten Monaten weiter hin. Am 9. Januar fährt Himmler erneut durch das Ghetto. Kurz darauf schreibt er in einem vertraulichen Brief an Friedrich-Wilhelm Krüger, dass 24.000 der insgesamt 40.000 Arbeiter keineswegs Rüstungsarbeiter seien sondern Schneider und Kürschner. Die Fabrikbesitzer würden den wahren Charakter der Arbeit verschleiern, um aus den billigen Arbeitskräften Gewinn zu ziehen. Krüger soll das Ghetto bis zum 15. Januar auflösen. 8.000 Juden sollen nach Treblinka deportiert, 16.000 sollen mitsamt Maschinen in Arbeitslager bei Lublin verlegt werden.

Daraufhin wird der SS- und Polizeiführer des Distrikts Warschau, Dr. Frank Sammern-Frankenegg, von Krüger mit der Auflösung des Warschauer Ghettos betraut. Sammern-Frankenegg ist sich der Existenz von jüdischen Widerstandsgruppen bewusst, deshalb setzt er alles daran, das Ghetto zu überraschen. Das gelingt so gut, dass selbst die deutschen Wachen verblüfft sind, als am Morgen des 18. Januar die Truppen Sammern-Frankeneggs in das Ghetto eindringen. Die Kräfte bestehen aus 200 Deutschen, 800 Letten und Litauern sowie Angehörigen der polnischen Polizei und sind mit Maschinengewehren bewaffnet. Unterstützt werden sie durch Panzerfahrzeuge und Feldgeschütze. Die Deutschen schlagen ihr Hauptquartier im Zentralghetto auf und fordern die Betriebsführer dazu auf, ihre Arbeiter auf dem Umschlagplatz zu schicken. Auch die Jüdische Kampforganisation ist überrascht. Eigentlich hatte sie für den 22. Januar – ein halbes Jahr nach dem Beginn der Deportationen im Sommer 1942 – einen bewaffneten Aufstand geplant. Die rund 50 Kampfgruppen der ŻOB sind so unvorbereitet auf diesen Überfall, dass viele es nicht schaffen, rechtzeitig ihre Waffen aus den Verstecken zu holen. So stehen nur fünf Gruppen direkt zum Kampf bereit.
Die ersten Verluste nehmen  Sammern-Frankeneggs Truppen hin, als Emilia Landau im südlichen Teil des Zentralghettos eine Handgranate auf die Nazis wirft und so mehrere von ihnen tötet. Landau kommt bei diesem Angriff auch selbst ums Leben. Die jüdischen Kämpfer_innen versuchen sich erst im offenen Kampf, mehrmals schaffen sie es, die Deutschen in die Flucht zu schlagen. Mit ihrer spärlichen Bewaffnung sind sie aber hoffnungslos unterlegen und müssen viele Verluste hinnehmen. Die Kämpfer_innen ändern deswegen schnell ihre Taktik und führen einen Partisanenkampf. Meist warten sie in Häusern darauf, dass die deutschen Truppen diese in der Absicht, Jüd_innen herauszuholen, betreten. Dann greifen sie an – aus Mangel an Schusswaffen oft nur mit Molotowcocktails, Brecheisen und Granaten. Auch die unbewaffneten Bewohner_innen des Ghettos wehren sich. Oft müssen die Deutschen die Häuser unter Beschuss nehmen und stürmen, um der Jüd_innen habhaft zu werden.

Am 22. Januar zieht Sammern-Frankenegg seine Truppen zurück. Rund 5.000 Bewohner_innen sind nach Treblinka deportiert worden, 1.000 wurden auf dem Gelände des Ghettos ermordet. Die Verluste der ŻOB sind hoch, rund „vier Fünftel der Kampforganisation“ kommt „ums Leben“, berichtet Marek Edelman. Doch zum ersten Mal „bricht der Nimbus vom unantastbaren, allmächtigen Deutschen zusammen“. Für Edelman ist nicht die Zahl der getöteten Deutschen wichtig, „wichtig ist der Moment des psychischen Durchbruchs. Wichtig ist, daß die Deutschen angesichts eines zwar schwachen, aber für sie überraschenden Widerstands, gezwungen waren, ihre Aktion abzubrechen.“

Die Jüdische Kampforganisation zieht aus den Erfahrungen ihre Schlüsse und strukturiert die Kampfgruppen neu. Sie werden auf vier Gebiete verteilt: zwei Gruppen im Zentralghetto, eine auf dem Gebiet der Bürstenmacher und eine auf dem Gelände der Fabriken von Schulz und Többens, dem „produktiven Ghetto“. Die Gruppen werden kaserniert. Sie sollen nicht noch einmal überrascht werden und ihre Waffen nicht zur Hand haben. 

Vorbereitung

Nach den Kämpfen vom 18. bis zum 22. Januar führt die ŻOB ihre Vorbereitungen für einen Aufstand gegen die Deutschen fort. Die Kampforganisation füllt ihre Reihen wieder auf und rekrutiert neue Kämpfer_innen. Unter den Häusern werden die Keller zu Bunkern ausgebaut, in denen sich die Bewohner_innen über einen längeren Zeitraum verschanzen können. Oft verfügen die Bunker über Durchbrüche zu benachbarten Kellern und Zugänge zur Kanalisation. So entsteht ein unterirdisches Geflecht, durch dass man sich bewegen kann, ohne auf die Straße gehen zu müssen.
Die Bemühungen um weitere Waffen werden ebenso fortgeführt. Die Käufe finanziert die ŻOB vermehrt, indem sie Geld von den Ghettobewohner_innen eintreibt: „Man mußte einfach reiche Juden finden, die ihr Geld behalten hatten, weil sie meinten, daß sie sich so in Sicherheit bringen konnten“, erinnert sich Pnina Grynszpan-Frymer. „Wir baten sie erst im Guten, aber manchmal half das nicht, dann haben wir ihnen das Geld mit Gewalt abgenommen.“

Die Kampforganisation baut die Herstellung von eigenen Waffen – vor allem Molotowcocktails und Brandbomben – aus. Wie umfangreich diese Produktion war, zeigt sich 1964, als Bauarbeiter auf dem Gebiet des ehemaligen Ghettos in einem Keller 100.000 mit Sprengstoff gefüllte Glasröhrchen entdecken. Es sind Zünder für Molotowcocktails. 

Der Aprilaufstand

Am 16. Februar 1943 wendet sich Himmler erneut an Krüger: „Aus Sicherheitsgründen ordne ich an, daß das Warschauer Ghetto nach der Errichtung des Konzentrationslagers zerstört wird.“ Das Ghetto soll „von der Erdoberfläche verschwinde[n] und die Millionenstadt Warschau, die ständig ein Herd der Zersetzung und Diversion ist, verkleinert“ werden. Krüger greift wieder auf Sammern-Frankenegg zurück, stellt ihm aber kurz vor Beginn der Aktion den SS-Brigadeführer Jürgen Stroop, der bereits Erfahrungen in der „Partisanenbekämpfung“ gesammelt hatte, zur Seite. Die Auflösung des Ghettos soll am 19. April beginnen und nach drei Tagen abgeschlossen sein.

Diesmal sind die Kämpfer_innen im Ghetto vorbereitet. Sie kennen sogar den Termin, an dem die Deutschen mit der „Aussiedlung“ beginnen wollen. Am Abend des 18. April wird die Ghettomauer umstellt. Am nächsten Morgen um 5 Uhr betreten die deutschen Truppen das Ghetto. Als sie das Zentralghetto erreichen, eröffnen die Widerstandskämpfer_innen das Feuer und werfen Granaten. Die Nazis fliehen in Panik und lassen Verwundete und Tote zurück. Sammern-Frankenegg schickt motorisierte SS-Truppen zur Verstärkung, nach zweistündigem Kampf ziehen sich auch diese zurück. An anderer Stelle im Zentralghetto verläuft der Einmarsch der Deutschen ähnlich ab. Sie werden beschossen und mit Granaten und Molotowcocktails angegriffen. Ein mitgeführter Panzer fängt Feuer und explodiert. Die deutschen Truppen zerstreuen sich zunächst. Als sie versuchen, ein zweites Mal vorzudringen, wird der Panzer, hinter dem sie sich sammeln, von einer selbstgebauten Bombe in Brand gesetzt. Auch hier müssen sich die Deutschen zurückziehen. Nach dem desaströsen  Beginn der Aktion Sammern-Frankeneggs übernimmt Stroop noch am selben Tag das Kommando.
Stroop führt die Angriffe mittags fort, trifft aber immer wieder auf den erbitterten Widerstand der jüdischen Kämpfer_innen. Bereits am 20. April ruft er die Wehrmachtsartillerie und die Luftwaffe zur Hilfe. Die Deutschen beginnen, die Häuser systematisch niederzubrennen. Zunächst auf dem Bürstenmachergelände, schließlich auf dem gesamten Ghettogelände. Generalgouverneur Hans Frank ist beunruhigt, in einem Rapport schreibt er: „Seit dem heutigen Tag haben wir es mit einem gut organisierten Aufstand im Ghetto zu tun, den man jetzt schon mit dem Einsatz von Geschützen bekämpfen muss.“

Am 25. April beginnen die Deutschen mit Luftangriffen auf das Ghetto. Brandbomben werden abgeworfen. Die Lage der Verteidiger_innen des Ghettos verschlechtert sich dramatisch. Sie gehen zusammen mit der Zivilbevölkerung in die Bunker und versuchen, diese zu verteidigen. Am 27. April finden die letzten größeren Kämpfe statt. Im „produktiven Ghetto“ greifen Kämpfer_innen SS-Männer an, die Jüd_innen zum Umschlagplatz bringen wollen, und befreien so hunderte Jüd_innen. Rund um den Muranowskiplatz kommt es zu Gefechten zwischen dem ŻZW und den Deutschen.
Ende April sind die Vorräte der Kämpfer_innen verbraucht. Es fehlt ihnen an Munition, Nahrung und Trinkwasser. Die Mitglieder der Jüdischen Kampforganisation beginnen in dieser Lage, eine Flucht aus dem Ghetto zu organisieren. Der ŻOB-Kommandobunker in der Miła-Straße 18 wird am  7. Mai von den Deutschen entdeckt und am Tag darauf angegriffen. Die Mitglieder der Kampforganisation, darunter der Kommandat Anielewicz, begehen Suizid, bevor die Nazis in den Bunker eindringen. In diesen Tagen gelingt mehreren Gruppen der  ŻOB und des ŻZW die Flucht aus dem Ghetto.
Am 16. Mai lässt Stroop die Große Synagoge im Ghetto sprengen und erklärt die „Großaktion“ für beendet. Vereinzelte Kämpfe finden allerdings bis zum Juni statt.

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