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Des weißen Königs neue Kleider

Im Netzwerk des "White Rex"-Gründers Denis Niktin

Unter dem Motto „Wort und Tat“ organisierte die „Partei National Orientierter Schweizer“ (PNOS) am 13. Februar 2016 in der Nähe von Zürich ein Selbstverteidigungsseminar. Angeleitet wurden die Neonazis aus der Schweiz und Deutschland von Denis Nikitin (Денис Никитинí), dem Gründer und Inhaber der russischen Marke „White Rex“.

Angeblich hätten „die Vorfälle in Köln“— gemeint sind wohl die sexuellen Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht— die Partei dazu veranlasst, ein solches  Seminar durchzuführen. In dem später veröffentlichten Video von der Veranstaltung sind jedoch keine Frauen zu sehen. Vielmehr werden immer wieder Männer gezeigt, die Angriffstechniken auf am Boden liegende Partner trainieren.

Netzwerker der europäischen Rechten

Ähnlich unglaubwürdig erscheint der Versuch der PNOS, "White Rex" als „unpolitische
Organisation“ darzustellen, deren Ziel es sei, „einen gesunden Lebensstil zu fördern“. Und zwar nicht nur, weil die Marke Kleidungsstücke mit eindeutig rechten Motiven und sogar ein Fanshirt für die russische Neonazi-Band "You Must Murder" vertreibt. Denis Nikitin ist seit vielen jahren als Netzwerker in der europäischen Rechten bekannt. Er unterhält Kontakte zu "Blood & Honour"-Strukturen in Frankreich, der "CasaPound"-Bewegung in Italien, zu britischen Nationalisten sowie zu Hammerskins und anderen Neonazis in Deutschland und Osteuropa. Gemeinsam mit diesen Partnern organisierte er in den vergangenen jahren etliche Kampfsport-Turniere in ganz Europa, bei denen sich nur „weiße Brüder“ untereinander messen durften. So etwa die „Tana delle Tigri“-Veranstaltungen in Rom oder die „Day of Glory“-Wettkämpfe bei Lyon. Im Rahmen dieser Veranstaltungen traten immer wieder RechtsRock-Bands auf. So etwa "ZetaZeroAlfa" aus Rom oder "Kategorie C" aus Bremen.

Auch in dieser Hinsicht setzt "White Rex" auf Kontinuität: Schon 2011 hatte Nikitin ein RechtsRock-Konzert mit den deutschen Bands "Moshpit" und "Brainwash" in Moskau organisiert. Die guten Verbindungen von Nikitin zur neonazistischen Szene in Deutschland bestehen noch immer und haben sich zuletzt im Oktober 2015 gezeigt. Da hielter beim „Kampf der Nibelungen“ in Dortmund die Begrüßungsrede. Dieses Kampfsport-Event findet mittlerweile regelmäßig statt und wird maßgeblich von den "Hammerskins" in (Süd-)Westdeutschland organisiert (siehe LOTTA#61).

Förderer der (weißen) Jugend

In Russland richtete Nikitin unter dem Motto „Der Geist des Kriegers“ eine ganze Serie eigener MMA-Turniere aus. Dabei fanden in verschiedenen Städten Ausscheidungsrunden statt, in denen sich junge SportlerInnen für die Endrunde in Moskau qualifizieren konnten. Für die Wettkämpfe unter der Schirmherrschaft von "White Rex" mietete er Nachtclubs und inszenierte eine Show mit Djs, Lichttechnik und einer professionellen Filmcrew. Auf diese Weise versuchte er, die russische jugend für den Sport zu begeistern und der Dominanz kaukasischer Kämpfer etwas entgegenzusetzen. Zumindest mit Erstgenanntemwar er erfolgreich. Seine Veranstaltungen zogen bisweilen mehr als 1.000 BesucherInnen an und machten ihnen ein attraktives rechtes Identifikationsangebot. Im Interview mit einem Sportjournalisten erklärte Nikitin, dass „Der Geist des Kriegers“ ursprünglich als Teil einer Werbe-Kampagne ins Leben gerufen wurde.

Doch Marketing-Strategie und Überzeugung gehen bei ihm Hand in Hand. In seiner Unternehmensphilosophie heißt es: „Unter dem Druck der Propaganda fremder Werte haben die weißen Völker Europas ihren innovativen Entdeckergeist, den Geist des Kämpfers, den Geist des Kriegers eingebüßt! Eine der Hauptaufgaben von "White Rex" besteht darin, diesen Geist wiederzuerwecken.“ Das erklärte Ziel der MMA Wettkämpfe ist „die Verankerung des Sports im gesunden Teil unserer europäischen Jugend zu fördern und den Geist des Kriegers in unserem Volke zu erziehen!“. Zu diesem Zweck bekamen auch bekannte Neonazi-Kader wie Maxim Martsinkevich ein Forum auf Nikitins Veranstaltungen. Martsinkevich, der zwischen 2007 und 2010 eine dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen des Aufrufs zu Rassenhass und ethnischer Gewalt absitzen musste, war Ehrengast bei mehreren Veranstaltungen und durfte seine Hetze sogar bei der Endausscheidung von „Der Geist des Kriegers“ am 8. Dezember 2012 in Moskau verbreiten.

Soldaten für den Rassenkrieg

Bei der "White Rex"-Amateurserie waren seit dem ersten Wettkampf im Sommer 2011 in Voronezh mehrere hundert SportlerInnen in den Ring gestiegen. Es passt ins Bild, dass Nikitin sie in Veranstaltungsberichten als seine „Soldaten“ bezeichnet. Die besten von ihnen hat erin das "White Rex" Profiteam aufgenommen, mit dem er seine Marke in der internationalen Kampfsportwelt zu etablieren versucht. Auch diese Bemühungen scheinen von Erfolg gekrönt zu sein. Sein Schützling Vladimir Nikitin ist derzeitiger Leichtgewichts-Champion beim italienischen Slam FC. Und die Thaiboxerin Anastasia Yankova, die mit dem Slogan „Kraft durch Schönheit“ für „White Rex" Werbung machte und ihre ersten MMA-Kämpfe beim „Geist des Kriegers“ absolvierte,hat mittlerweile einen Vertrag bei Bellator, der weltweit zweitgrößten MMA-Organisation nach der milliardenschweren UFC. Am 16. April kämpft sie zum ersten Mal bei einer Bellator-Gala in Turin.
Unterdessen liegt die „Geist des Kriegers“-Serie in Russland auf Eis.

Nikitin scheint sich auf das Erschließen neuer Märkte konzentrieren zu wollen. Er baut seine Kontakte in der europäischen Rechten aus, hat unter dem Titel „Birth of a Nation“ ein MMA-Profievent ins Leben gerufen und wirbt nun auch mit russischen Kraftsportlern sowie einer eigenen Wandergruppe namens "Vandals". Auch sein Vertrieb beschränkt sich nicht mehr nur auf Kampfsportausrüstung und Bekleidung. Mittlerweile vertreibter auch Äxte und sogar ein iPhone-Case.

Der weiße König

In der europäischen Rechten hat der Geschäftsmann mittlerweile einen Kultstatus
eingenommen. Nikitin wird zu Debatten und Seminaren auf dem ganzen Kontinent eingeladen. Dank seiner guten Kontakte durfte er als einer der wenigen Ausländer in der Geschichte beim traditionellen Calcio Storico („historischer Fussball“) in Florenz auflaufen. Dabei handelt es sich um eine ruppige Ballsportveranstaltung, bei dem je eine Auswahl der vier mittelalterlichen Stadtteile von Florenz vor tausenden von ZuschauerInnen gegeneinander antreten.
Inzwischen versuchen Neonazis aus ganz Europa Niktin nachzueifern. So hat nicht nur die französische Bekleidungsmarke "Pride France" ein eigenes MMATeam auf die Beine gestellt, sondern auch das Dresdner Label "Greifvogel Wear". Beide Unternehmen vertreiben ihre Produkte über offen neonazistische Bekleidungs-
und Musikversände. Die von ihnen gesponserten Kämpfer treten wiederum bei den von "White Rex" mitorganisierten Veranstaltungen gegeneinander an. Der politisch-kulturelle Ansatz von White Rex ist in den letzten jahren definitiv zum Exportmodell geworden.

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