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Neue Klassenpolitik

Vor dem Hintergrund des Wahlerfolgs von Trump in den USA sowie dem auch unter Erwerbslosen oder Arbeiter_innen wachsenden Zuspruch für Parteien wie die AfD entwickelte sich eine Debatte über Klasse, soziale Ungleichheit und die Versäumnisse der Linken in der Vergangenheit.

Die Beiträge in dem vorliegenden Sammelband sparen zwar nicht mit Kritik an linker Praxis, aber sie tappen, im Gegensatz zu anderen Diskutant_innen, nicht in die Falle, die Verantwortung für die desolate Lage einseitig den Identitätspolitiken zuzuschreiben und ihr Heil im Nationalstaat zu suchen. Vielmehr geht es ihnen darum, eine neue Klassenpolitik zu formulieren, die sich sowohl gegen die rechte Erzählung der nationalistischen Beantwortung der sozialen Frage als auch gegen das „Märchen vom diskriminierungsfreien Kapitalismus“ (Sebastian Friedrich) zu stellen. Gefordert wird eine Klassenpolitik, die Interessen und Kämpfe der Lohnabhängigen nicht gegen diejenigen von Frauen und gesellschaftlichen Minderheiten ausspielt, sondern diese als miteinander verknüpft betrachtet.

Der umsichtig konzipierte Band besteht aus Beiträgen, die seit Mai 2017 in analyse & kritik erschienen. Ergänzt wurden sie durch weitere gut ausgewählte Texte, die auch die internationale Dimension der Debatte vertiefen. An der Debatte, die einer wichtigen Verständigung über die Voraussetzungen linker Politik dient, beteiligen sich linke Aktivist_innen und Wissenschaftler_innen. Praktische Vorschläge oder Reflexionen existierender Praxen neuer Klassenpolitik bieten aber nur wenige Texte. Hier könnte künftig die Debatte fortgeführt werden.

Sebastian Friedrich/Redaktion analyse & kritik (Hg.):
Neue Klassenpolitik. Linke Strategien gegen Rechtsruck und Neoliberalismus
Bertz + Fischer, Berlin 2018
222 Seiten, 14 Euro

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