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100 Jahre Faschismus

Eine Einleitung in den Schwerpunkt

Auch wenn seine ideologischen Bezugspunkte zum Teil weiter zurückliegen, in gewisser Weise ist das 1919 das Geburtsjahr des Faschismus. In italienischen Mailand gründeten sich im März 1919 die faschistischen Milizen, die in den folgenden Jahren Vorbild vieler Rechter in ganz Europa werden sollten. Auch in Deutschland befanden sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs die politischen Verhältnisse im Umbruch. Die Furcht vor „sozialistischen Experimenten“ trieb nicht nur die Großkapitalisten, Besitzenden und kaisertreuen Militärs um.

Schon im November 1918 schloss der SPD-Politiker Friedrich Ebert ein Bündnis mit der Führung der Obersten Heeresleitung ein, um eine soziale Revolution zu verhindern. Bei der Niederschlagung revolutionärer ArbeiterInnen wurden dann nationalistische Freikorps eingesetzt, deren Protagonisten sich wenig später vielfach in den Reihen der NS-Bewegung wiederfanden.

Auch in Italien gingen die faschistischen Milizen mit großer Brutalität gegen die sozialistische ArbeiterInnenbewegung vor. Dies führte dazu, dass viele, vor allem marxistische Theoretiker_innen, im Faschismus vor allem ein Instrument zur Machterhaltung der herrschenden Klassen sahen. Dabei gerieten die Eigendynamiken dieser neuen politischen Bewegungen zum Teil aus dem Blick.

Als analytische Kategorie gewann der Faschismusbegriff zuletzt in der Auseinandersetzung mit extrem rechten Erscheinungsformen wie der Identitären Bewegung und der AfD wieder an Bedeutung. Dies nehmen wir zum Anlass uns in diesem Schwerpunkt mit Geschichte und Theorien des Faschismus zu befassen.

Günter Born und Johannes Hartwig geben einen Überblick über die unterschiedlichen Perspektiven der Faschismustheorien von ihren Anfängen bis heute.

Mit den faschistischen Milizen in Italien - den „Squadren“- und ihrer gewalttätigen Praxis beschäftigt sich Jens Renner.

Am Beispiel des Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten zeigt Anke Hoffstadt die enge Verbindung der Soldatenverbände mit der extremen Rechten - eine Beziehung, die 100 Jahre alt ist.

In der radikalen Linken wurde der Begriff des Faschismus zum Teil inflationär und recht beliebig verwendet. Mathias Wörsching setzt sich mit der Geschichte des Faschismusbegriffs zwischen Analyse- und Kampfbegriff auseinander.

Zum Abschluss liefert Fabian Kunow einen Diskussionsbeitrag zur Frage, ob und wenn ja weloche autoritären und rechten Erscheinungen sich heute mit Hilfe von Faschismustheorien fassen lassen.

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