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Zwischen Neoliberalismus und völkischem ›Antikapitalismus‹

AfD und „Neue Rechte“ versuchen seit einiger Zeit, die soziale Frage zu besetzen. In dem Sammelband blicken 18 Autor_innen hinter Konstruktionen wie jene von der AfD als „Partei der kleinen Leute“ und untersuchen die sozial- und wirtschaftspolitischen Konzepte der Rechten.

Das Buch besteht aus drei Teilen. Zunächst wird die Ideengeschichte dargestellt, indem auf ihre Ursprünge bei Autoren der „Konservativen Revolution“ eingegangen wird. Dieser Rückblick ist erhellend, denn es zeigt sich, wie wichtig der Bezug auf diese Traditionslinien auch heute noch ist. Der darauffolgende Blick auf gegenwärtige Entwürfe macht deutlich, dass diese im Spannungsfeld zwischen Neoliberalismus und völkisch (sowie oftmals antisemitisch) konnotiertem „Antikapitalismus“ verortet werden müssen. Ob Marx-Rezeption der „Neuen Rechten“, „antikapitalistische“ Rhetorik der Zeitschrift Compact oder die Positionierungskämpfe in der AfD — die Anführungszeichen sind verdient, denn übergreifend wird herausgestellt, dass keine Überwindung der kapitalistischen Produktionsweise angestrebt wird. Im dritten Teil werden einzelne Themenbereiche analysiert, beispielsweise Rentenpolitik oder befristete Beschäftigung, aber auch Versuche extrem rechter Organisationen, eigene Gewerkschaften zu organisieren.
Den Band zeichnet eine strukturierte Herangehensweise und Materialfülle aus. Einige Beiträge sind eher für wissenschaftlich Arbeitende von Interesse, die thematische Breite macht das Buch aber für alle Antifaschist_innen lesenswert und rechtfertigt den Preis voll und ganz.

Andrea Becker, Simon Eberhardt, Helmut Kellershohn (Hg.):
Zwischen Neoliberalismus und  völkischem Kapitalismus. Sozial- und wirtschaftspolitische Konzepte und Debatten innerhalb der AfD und der Neuen Rechten
Unrast-Verlag, Münster 2019
216 Seiten, 24 Euro

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