Artikel von Britta Kremers

6. September 2014, Bonn: Umzugshelfer des "Zwischentags" bei der Arbeit. Ganz rechts: Tony Xaver-Fiedler ("pro NRW"-Parteivorstand)
Der „Zwischentag 2014“ versagt in NRW

Eigentlich hatte sich Felix Menzel (Chemnitz), Gründer und Chefredakteur des „neurechten“ Online-Magazins „Blaue Narzisse“, den Vor- und Ablauf seines diesjährigen rechtsintellektuellen Messekongresses und Vernetzungstreffens „Zwischentag“ am 6. September – in seinen Augen ein „Aushängeschild einer intellektuellen, non-konformen und konservativen Gegenöffentlichkeit“ – völlig anders vorgestellt. Nachdem der „Zwischentag“ 2012 und 2013 mit um die 700 TeilnehmerInnen in Berlin stattgefunden hatte – wenn auch nicht störungsfrei –, plante man nun eine allmähliche Ausdehnung auf das gesamte Bundesgebiet. Doch der erste Versuch außerhalb Berlins wurde zur Schnitzeljagd und zum Misserfolg. Letzte Zuflucht: ein Burschenhaus.

C18 – Combat 18 – ist auf Marko Gottschalks Brust tätowiert. Der Sänger der Dortmunder Band Oidoxie hat mit seiner Nähe zu Blood & Honour und Combat 18 nie groß hinterm Berg gehalten. Ebenso wenig mit seinen bundesweiten und internationalen Kontakten. Als Ende August 2012 die Polizei bei ihm klingelte, um im Rahmen des Verbots des Nationalen Widerstands Dortmund eine Hausdurchsuchung durchzuführen, war die Wohnung leer. Einen Tag später traf ihn die Polizei abflugbereit in der Wohnung seiner Eltern an. Gottschalk hatte sich entschlossen, nach Schweden auszuwandern.

Der Bombenanschlag am 9. Juni 2004 in der Keupstraße – mindestens 22 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt – hätte die ErmittlerInnen schon unmittelbar nach der Tat auf die Spur Rechtsterrorismus stoßen müssen. Die 1999 vom Combat 18-Sympathisanten David Copeland in London verübten Nagelbombenanschläge wirken wie Vorbilder für die Kölner Tat. Das war auch der britischen Kriminalpolizei aufgefallen, die ein umfangreiches Dossier an das BKA und die Kölner Polizei schickte.

Als sie die von einem Kunden hinterlassene Christstollendose öffnete, wurde am 19. Januar 2001 die Tochter des Besitzers eines kleinen Kölner Lebensmittelgeschäfts durch eine Explosion schwer verletzt. Die Polizei ermittelte im unmittelbaren Umfeld der Familie und stellte dann bereits nach fünf Monaten die Ermittlungen ein, fünf Jahre später wurden alle Asservate vernichtet. Ein Bezug zum NSU konnte erst durch dessen „Bekenner-DVD“ hergestellt werden. Ob alleine das NSU-Trio für diese Tat verantwortlich war, erscheint zweifelhaft.

Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) verpasst den Einzug in den Bundestag nur knapp

4,7 Prozent: „Die Alternative für Deutschland“ (AfD) verpasst den Einzug in den Bundestag nur knapp und zieht mit der FDP gleich. Und das, obwohl die meisten Mainstream-Medien ihr die Unterstützung entzogen haben.

In Westfalen soll ein „Kompetenzzentrum Rechtsextremismus“ entstehen

Beratung für Opfer rechter Gewalt und Aussteigerhilfe für Neonazis sollen in Dortmund zukünftig von demselben Träger angeboten werden. Ein Verein mit dem vorläufigen Arbeitstitel „Kompetenzzentrum Rechtsextremismus Westfalen“, dessen Zuständigkeitsbereich von Bochum bis Bielefeld reicht, will sich im April gründen. Hinter dem Verein stehen die Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie der Stadt Dortmund sowie die PolitikwissenschaftlerInnen Claudia Luzar und Dr. Dierk Borstel.