Nebenbei: Rechenkünstler und Politikwissenschaftler

„Pro NRW“ und die Grundrechenarten: Zwei Welten begegnen sich.

Wahrscheinlich sind die Grundrechenarten nie eine besondere Stärke der drei Männer gewesen, die bei „pro Köln“ bzw. „pro NRW“ Regie führen. Anders wäre nur schwer zu erklären, dass vor wenigen Wochen aus den maximal 300 Teilnehmern ihres „Antiislamisierungskongresses“ in den „pro“-Verlautbarungen plötzlich satte 1000 wurden oder dass die von den Rechtspopulisten genannten Teilnehmerzahlen ihrer „Mahnwachen“ und Kleinstkundgebungen meist um das Doppelte bis Dreifache übertrieben erscheinen. Auch dass im vorigen Monat 200 Gäste und Delegierte zum Landesparteitag in Gelsenkirchen gekommen sein sollen, kann man getrost bezweifeln. 113 soll die präzise Zahl gewesen sein.

Mathematische Schwächen begleiten die Beisichts, Rouhs’ und Wieners in der „pro“-Führung schon seit vielen Jahren. Markus Wiener, Generalsekretär von „pro NRW“, stellvertretender Vorsitzender von „pro Köln“ und „wissenschaftlicher Mitarbeiter“ ihrer Fraktion, toppt aber nun alle bisherigen zahlentechnischen Fehlleistungen, indem er sich nicht nur um ein Dutzend, 100 oder 700, sondern gleich um eine Million verhaut.

Bei der Kommunalwahl am 30. August könnten „rund 3,5 Millionen Bürger Nordrhein-Westfalens ihr Kreuz bei Pro machen“, jubelt er heute auf der Homepage der extrem rechten Populistentruppe. Das ist in doppelter Hinsicht falsch. Addiert man zum einen die Einwohnerzahlen jener Kreise und Städte, in denen „pro“ antreten will, kommt man auf lediglich etwa 3,25 Millionen. Das ist selbstredend – obwohl es immerhin um 250.000 angebliche Stimmbürger geht - eine für Wienersche Verhältnisse nur marginale Abweichung. Wichtiger ist: Nicht jeder Einwohner ist auch wahlberechtigt. Berücksichtigt man also nur die Wahlberechtigten, bleiben von den „rund 3,5 Millionen Bürgern“, die laut Wiener ihr Kreuz bei „pro“ machen könnten, nur noch etwa 2,5 Millionen Wahlberechtigte, die tatsächlich dieses zweifelhafte Vergnügen haben.

Aber solch feine Unterschiede müssen auch einem „Politikwissenschaftler M.A.“, als der Wiener auf der „pro Köln“-Homepage vorgestellt wird, nicht unbedingt geläufig sein. (rr)

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