Nebenbei: „Thorsten Crämer“ und wie schwierig es ist, heutzutage gutes Personal zu finden

Vielleicht sei Thorsten Crämer in seiner Dreifachfunktion als Stadtrats-Spitzenkandidat in Schwelm, Kreistags-Spitzenkandidat im Ennepe-Ruhr-Kreis und Wahlkampfleiter des NPD-Kreisverbands Ennepe-Ruhr/Wuppertal überfordert gewesen und dies sei die Ursache des verpatzten Kommunalwahlantritts seiner Partei in Schwelm gewesen, wurde am Mittwoch an dieser Stelle vermutet (/nrwrex/2009/07/en-npd-pleite-schwelm). So falsch war die Vermutung möglicherweise nicht, folgt man der Diskussion in einem bundesweit gelesenen Forum der extremen Rechten.

Dort um eine Stellungnahme zu der Pleite in Schwelm gebeten, jammert ein „Thorsten Crämer“ – und der gesamte Duktus lässt darauf schließen, dass es sich tatsächlich um den Schwelmer NPD-Funktionär handelt – über seine Arbeitsbelastung: Sein Kreisverband sei immerhin zuständig für eine Großstadt und einen Landkreis mit neun, zum Teil auch nicht kleinen Gemeinden, bei der Bundestagswahl darüber hinaus für die Betreuung der Wahlkreise Oberbergischer Kreis und Remscheid-Solingen-Wuppertal II. Thorsten Crämer weiter: Für die komplette Organisation der Wahlantritte zeichne er „weitestgehend allein verantwortlich, da – wie bei so vielen anderen Verbänden dieser Partei – alle anderen hierfür kompetenten beruflich und zum Teil zusätzlich auch familiär so eingebunden sind, daß sie die dafür notwendige Zeit nicht haben“.

Und glaubt man Thorsten Crämer weiter, dann kam, was kommen musste. Während der Wahlkampfleiter des Mammut-Kreisverbands Ennepe-Ruhr/Wuppertal dieser Schilderung zufolge persönlich damit beschäftigt war, die NPD in Wuppertal, Witten und anderswo in allerletzter Minute doch noch auf die Stimmzettel zu bringen, wurde jener Parteikamerad, der selbiges in Schwelm übernehmen sollte, durch eine, so Thorsten Crämer, „ganz profane Autopanne“ gestoppt. Immerhin beruhigt uns der Autor: „Um Verschwörungstheoretikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: Der VS hat nicht an dem Auto manipuliert und es ist auch nicht von der CIA aus schwarzen Hubschraubern mit Richtstrahlen lahmgelegt worden.“ Es sei „nur jene Art von Scheiße, die immer wieder passiert, wenn man zu wenig Personal hat, zu wenig Führerscheine, zu wenig Autos, und, und, und.“

Ganz ohne Schuld ist Thorsten Crämer laut seiner Selbstauskunft freilich nicht am Schwelmer Dilemma: Er müsse „zugeben“, räumt er reuig ein, dass er in dieser Situation „telefonisch für den liegengebliebenen Kameraden nicht erreichbar war“. Ob er etwa nicht über einen Funkfernsprecher, wie in NPD-Kreisen zuweilen das Handy genannt wird, verfügt, mit Hilfe dessen die Panne vielleicht noch auszubügeln gewesen wäre, verschweigt uns der „Wahlkampfleiter“. Und er verrät auch nicht, warum ein eventuell vorhandenes Drahtlosfernsprechgerät ggflls. just im entscheidenden Augenblick nicht auf Empfang gestellt war.

Statt dessen lässt er durchblicken, was er von jenen Partei-„Kameraden“ hält, die er in das anstrengende Geschäft der Wahlvorbereitung ganz bewusst gar nicht erst einbezogen hat: „All jene, die hierfür Zeit im Übermaß besitzen, sind in aller regel zwar kompetent genug, am Kiosk eine Flasche kühles Nass einzukaufen, nicht aber einen Wahlvorschlag korrekt auszufüllen.“ Nur müsste jener Wahlvorschlag, so wäre hinzuzufügen, auch noch korrekt abgegeben werden. (rr)

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