DO: Konkurrenz zum „Antikriegstag“

Dortmund – Während Dortmunds Rechts-„Autonome“ versuchen, ihren von Polizeipräsident Hans Schulze verbotenen Aufmarsch zum „Nationalen Antikriegstag“ vor Gericht doch noch durchzusetzen, wurde bekannt, dass sie am ersten Samstag im September Konkurrenz aus dem eigenen Lager erhalten.

Die „Freien Kräfte Neuruppin“ rufen für den 5. September zu einer Demonstration unter dem Motto „Nie wieder Krieg und gegen Imperialismus!“ in der brandenburgischen Kreisstadt auf. Damit stören sie die Kreise der Dortmunder Neonazis, die ihren eigenen „Antikriegstag“ zum bundesweit exklusiven Event der extremen Rechten machen wollen. Nicht genug damit: Sie bedienen sich in ihrem Aufruf auch noch wortwörtlich beim Ex-Vormann der Dortmunder Neonazis. Ihren Aufruf beenden sie mit einem Zitat von Siegfried Borchardt von einem der ersten „Antikriegstags“-Aufmärsche in Dortmund: „Nie wieder Krieg nach unserem Sieg!“

Mit Dortmund messen lassen kann sich die Aktion in Neuruppin nicht. Vor zwei Jahren kamen dort zu einer maßgeblich vom „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ (KDS) organisierten Demo um die 50 Teilnehmer. Diesmal wurden bei der Anmeldung, die bereits vor Wochen erfolgte, 150 Teilnehmer angekündigt.

Dennoch ist die Empörung groß bei NRW-Neonazis. „Gibt es einen Grund, eine Demo am selben Tag mit identischem Motto anzumelden, wo doch schon eine große Demonstration (letztes Jahr knapp 1.400 Teilnehmer) in Dortmund stattfindet? Und kommt bitte nicht mit ,Wir in Mitteldeutschland haben kein Geld’. Auf jedem Rechtsrock/Hatecore Konzert geben die Leute doppelt so viel aus“, meint einer von ihnen in einem einschlägigen Internet-Forum. Und ein anderer schreibt knapp: „Nicht wundern, wenn man mich niemals in Brandenburg auf einer Demo sehen wird.“

Die Neuruppiner Veranstalter verteidigen ihr Vorgehen. Ihre Demonstration sei „lediglich als Alternative für die in Mitteldeutschland wohnhaften Aktivisten, welche aus den verschiedensten Gründen den Weg nach Dortmund nicht auf sich nehmen können“, gedacht. Die Dortmunder „Kameraden“ seien vor der Anmeldung außerdem informiert worden: „Wenn allerdings keinerlei Reaktion zurück kommt um diesbezüglich Absprachen zu führen, ist es wohl fehl am Platz den Kameraden in Mitteldeutschland Vorwürfe zu machen.“ Die Wogen der Empörung bei westdeutschen Neonazis dürfte eine solche Erklärung aber wohl nicht glätten können. (ts)