NRW: NPD-"Berufskandidat" Reitz

Düsseldorf – Der NPD-Landesvorsitzende Claus Cremer lobt des Öfteren die gute Zusammenarbeit seiner Partei mit „Freien Kräften“, jenen Neonazis, die der NPD nicht angehören. Bei der Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl war von einer solchen Kooperationsbereitschaft allerdings wenig zu spüren.

Der jetzt veröffentlichten Liste zufolge kandidiert mit Axel Reitz lediglich ein „Freier“ auf dem NPD-Ticket. Und das erst auf dem wenig „prominenten“ Platz 11. Glaubt man den „Freien Nationalisten Siegen“, die nach dem Wahlparteitag der NPD im Juni einen ausführlichen Bericht zum Thema veröffentlichten, gelangte Reitz sogar nur deshalb auf die Liste, weil ein eigentlich für den elften Platz vorgesehener NPD-Funktionär zu seinen Gunsten verzichtete. Der Landesvorstand habe sich bei der Diskussion über seine Kandidatur „sehr bedeckt“ gehalten und keine Empfehlung für Reitz ausgesprochen, klagten die Siegener Neonazis seinerzeit.

Immerhin: Reitz hat dennoch Freunde in der NPD. Beim NPD-Kreisverband Siegen unter anderem, für den er bei der Landtagswahl im kommenden Mai in einem der beiden Siegen-Wittgensteiner Wahlkreise antritt. Vor allem aber bei der NPD im Rhein-Erft-Kreis, deren Landratskandidat er werden sollte, was aber daran scheiterte, dass die Zahl der Unterstützungsunterschriften nicht ausreichte.

Nichtsdestotrotz meldet die Rhein-Erft-NPD jetzt in strammem Ton: „Axel Reitz bleibt unser Frontmann!“ Reitz tritt im Bundestagswahlkreis 92 Erftkreis I als Direktbewerber zur Bundestagswahl an. Seine Kandidatur sei „diesmal ohne jede Komplikation vom Wahlamt bestätigt“ worden, freut sich die regionale NPD. Überraschend war das freilich nicht, musste die NPD für die Bundestagswahl – anders als für die Kommunalwahl - doch keine Unterstützungsunterschriften sammeln.

Der NPD-Kreisverband Düren, der auch den Rhein-Erft-Kreis betreut, ist selbst nach NPD-Maßstäben auf einem radikalen Kurs, und so begrüßt dessen Vorsitzender Ingo Haller die Kandidatur des unter anderem wegen Volksverhetzung zu einer Haftstrafe ohne Bewährung vorbestraften bekennenden Neo-Nationalsozialisten aus Pulheim mit den Worten: „Gerade eine so große Region wie der Erfkreis hat unter Überfremdung, Arbeitslosigkeit und Sozialabbau zu leiden, dort nützt kein billiger Populismus wie ,Pro NRW’ ihn zu den Wahlen betreibt, dort müssen Leute an die richtigen Stellen, die ohne wenn und aber deutsch denken und deutsch handeln und wer könnte da besser das Ohr der Unzufriedenen und Enttäuschten erreichen wie Axel.“

Und weil man so glücklich ist, einen Kandidaten gefunden zu haben, der „den klaren unveränderlichen Willen der NPD“ symbolisiere, „das System der BRD nicht zu reformieren sondern zu überwinden, um einen wahrhaftigen Volksstaat zum Wohle von Heimat, Volk und Vaterland aufzubauen“, wurde Reitz neben seinen Funktionen als Kreistags-, Landtags- und Bundestagskandidat nun auch noch zum „Wahlkampfleiter“ der NPD Rhein-Erft bestimmt.

Zeit genug dafür hat er. Einst antwortete er auf die Frage nach seinem Job: „Berufsdemonstrant“. Inzwischen gibt er – um ein Mindestmaß an Seriosität bemüht – als Beruf „Journalist“ an. NPD-„Berufskandidat“ dürfte im Augenblick passender sein. (ts)