GM: Antisemitische Schläger

Gummersbach – Als im vorigen Sommer im Gummersbacher Stadtteil Rospe ein 17-jähriger Jugendlicher von mehreren jungen Männern brutal zusammengeschlagen und -getreten worden war, schaffte es der Fall auch in überregionale Zeitungen. In dieser Woche ist – deutlich weniger beachtet – ein erstes Urteil ergangen. Das Schöffengericht Gummersbach verurteilte zwei 24 und 23 Jahre alte Brüder zu drei Jahren und vier Monaten bzw. zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis. Bestätigt haben sich die Vermutungen zum Tatmotiv: Antisemitismus.

„Rechtsradikal motiviert“ gewesen sei die Tat, befand das Gericht einem Bericht des Kölner Stadtanzeigers zufolge (http://www.rhein-berg-online.ksta.de/html/artikel/1252857530047.shtml). Wegen seiner jüdischen Abstammung hätten die beiden Brüder den damals 17-Jährigen an jenem 19. Juli 2008 am Rande einer Geburtstagsparty bei einem Sportplatz in Rospe erst verprügelt und dann einen Abhang hinuntergeworfen. Allein schon der Umstand, dass das Opfer jüdischen Glaubens ist, sei den rechtsradikal eingestellten Angeklagten Anlass genug für ihre Tat gewesen, zitiert der Stadtanzeiger den Vorsitzenden Richter Ulrich Neef. Das Gericht ging mit seinem Urteil noch ein bzw. zwei Monate über den Antrag des Staatsanwalts hinaus.

Die Tat sei „auf das Schärfte zu missbilligen“ und auch „durch den hohen Alkoholkonsum der beiden Angeklagten zum Tatzeitpunkt nicht zu entschuldigen“, erklärte Neef. Der Alkohol habe vielmehr bei den beiden Tätern, die von ihm wie auch von der Staatsanwaltschaft nicht als „Aktivisten“, sondern als „Mitläufer der rechten Szene“ eingeschätzt wurden, „das freigelegt, was bei ihnen vorhanden ist und ihrer Einstellung entspricht“. Einer der Täter hatte das Opfer als „Judensau“ tituliert, der andere den Arm zum Hitlergruß gehoben und dies mit den Worten kommentiert: „Hebt die rechte Hand, und ihr wisst, wer ihr seid!“

Noch nicht bekannt ist, ob die beiden Verurteilten Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

Schlagzeilen hatte der Fall vor einem Jahr nicht nur wegen des vermuteten antisemitischen Hintergrunds gemacht, sondern auch wegen des zögerlichen Vorgehens der Polizei. Der Vater des Opfers, ein Kreistagsmitglied der CDU, hatte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen beteiligte Polizeibeamte eingelegt: Die Polizei habe trotz mehrerer Anrufe eine Stunde gebraucht, bis eine Streifenwagenbesatzung an dem Sportplatz eingetroffen sei. Schließlich hätten die Beamten auch noch zunächst seinen Sohn befragt, ob und wie er die Täter möglicherweise provoziert habe. „Die Beamten haben zum Teil sehr unsensibel gehandelt“, musste später der Leiter der Polizei im Oberbergischen Kreis, Thomas Sanders, einräumen. (ts)

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