Nebenbei: Republikanischer Abgang mit Wählerbeschimpfung

Wählerbeschimpfungen, so erfährt es eigentlich auch der Kleinstadtpolitiker in seinem Grundkurs Kommunalpolitik, sind verboten. Es macht sich überhaupt nicht gut, den blöden, unwissenden, verstockten Stimmbürger für das eigene Scheitern oder das Nichterreichen hochgesteckter Ziele verantwortlich zu machen. Danken wird einem das aus Prinzip undankbare Volk ein solches Fehlverhalten jedenfalls nicht.

Alfred Spicher, Fraktionsvorsitzender und Fraktionsgeschäftsführer der „Republikaner“ im Rat der 46.000-Einwohner-Stadt Alsdorf (Kreis Aachen) in Personalunion, hat diese Grundregel vergessen. Man kann es ihm aber auch eigentlich nicht verdenken. Stolze 8,2 Prozent hatte seine Partei bei der Kommunalwahl 2004 geholt. Diesmal waren es noch klägliche 4,5 Prozent. Futsch war eines der bisher drei Ratsmandate.

Das war nicht die einzige Katastrophe, die Spicher zur Kenntnis nehmen musste: Die Linken erhielten zwei Sitze – „mit dem ersten Türken“, wie er nicht vergisst zu erwähnen. Und überhaupt: „Schaut man sich manchen ,Gewählten’ an, kann man nur den Kopf schütteln.“ 

Warum es so kam, wie es nicht kommen durfte, verrät Spicher den „verehrten Alsdorfern“, wie er seine Mitbürger trotz ihres Versagens immer noch anredet, in seiner „Bürger Info“ nicht: „Es lohnt nicht eine Wahlanalyse zu ziehen. Der Wähler hat so gewählt und hat sich das verdient was in nächster Zeit auf ihn zukommt. Warnungen hat es genug gegeben, sie wurden nicht wahrgenommen.“ Und einmal so richtig in Fahrt attestiert er seinen Alsdorfern noch, „Anstand, Ehrlichkeit und notwendige Kompetenz“ seien bei den meisten offensichtlich nicht gefragt.

„Macht doch euren Dreck alleene”, sagte der letzte König der Sachsen 1918, als er den Thron räumen musste. Ähnlich wird Spicher gedacht haben. Er ließ nun wissen, er habe das Ratsmandat nicht angenommen. (rr)

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