UN/WAF/HAM: „Unsere Jahrestage“

Ahlen/Hamm/Unna – Zum Jahrestag der Pogromnacht des Jahres 1938 provozierten Neonazis auch in Ahlen, Hamm und Unna.

Wie die Kreispolizeibehörde Warendorf am Abend mitteilte, meldeten sich am Montag gegen 18.30 Uhr, eine halbe Stunde vor Beginn einer Gedenkveranstaltung, mehrere besorgte Bürger über Notruf bei der Polizei. Sie berichteten, dass in der Ahlener Innenstadt etwa 20 Personen, die der rechten Szene zuzuordnen seien, marschieren würden. Sie hätten Fackeln dabei, würden Feuerwerkskörper zünden und rechtsradikale Parolen rufen. Als die ersten Polizeibeamten in der Innenstadt eingetroffen seien, stiegen die Neonazis gerade in einen Zug in Richtung Hamm ein, berichtete die Polizei.

Offensichtlich seien die Neonazis mit dem Zug aus dem Ruhrgebiet angereist, meldete die Ahlener Zeitung. Und in der Tat berichten Neonazis aus Unna, die schon in den letzten Tagen durch ihre antisemitischen Tiraden aufgefallen waren (/nrwrex/2009/11/dowafun-eine-art-b-rgerrevolte) auf ihrer Homepage über diese Aktion: 30 bis 35 „junge Menschen“ seien „eingehüllt in roten Rauch“ durch Ahlen gezogen und hätten dabei „motiviert ihre Parolen in die Abendstunden“ gebrüllt.

Glaubt man den Neonazis aus Unna, störten sie auf der Rückfahrt bei einem Zwischenstopp in Hamm auch noch eine dort in einer Kirche stattfindende Gedenkveranstaltung, um dann, „antizionistische, antiimperialistische, nationalistische und Lieder zum Gedenken an die ruhmreichen Ahnen“ singend, wieder zum Hammer Bahnhof zu ziehen.

Angeblich „durch Mund zu Mund-Propaganda“ habe man später erfahren, „dass in Unna sämtliche Gedenkkränze am Judendenkmal auf dem Unnaer Verkehrsring verstreut seien“, heißt es – scheinbar unschuldig – auf der Homepage des „Freien Netzes Unna“.

Das Resümee der Neonazis aus Unna nach ihren Aktionen in Ahlen und Hamm: Der 9. November sei ein „Jahrestag heldenhafter Leistungen unserer schon längst systematisch dämonisierten Ahnen“. Und: „Unsere Jahrestage werden auf unsere Weise gewürdigt!“ (ts)