Nebenbei: Oberhausens NPD macht auf christlich

Oberhausen – Die Vorweihnachtszeit lässt zuweilen auch „Nationaldemokraten“ besinnlich werden: Ihr Oberhausener Kreisverband macht sogar auf christlich.

Der NPD-Kreisvorsitzende Wolfgang Duda beklagte bei einer „vorweihnachtliche Feierstunde“ der NPD Oberhausen „das rasche Tempo mit dem Europa von seinen Wurzeln Abschied nimmt“ bzw. diese verleugnet und meint damit ausdrücklich den christlichen Glauben. Duda missfallen Gerichtsurteile, mit denen „christliche Kreuze zum wiederholten Male aus den Klassenzimmern christlicher Schulen verbannt“ würden.

Er fragt sich, ob angesichts einer solchen Kreuzesfeindschaft „die skandinavischen Länder, Griechenland und Großbritannien oder die Schweiz ihre Nationalflaggen demnächst ändern“ müssten und ob „die Bezeichnung ,Deutsches Rotes Kreuz’ noch angemessen“ sei. Solche Bekenntnisse zu einem Kreuz ganz ohne Haken sind für NPD-Verhältnisse eher ungewöhnlich.

Jürgen Rieger, der unlängst verstorbene stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD, würde wahrscheinlich im Grab rotieren, müsste er Dudas Erweckungsrhetorik mit anhören. Der Hamburger Rechtsanwalt war zeitlebens nicht müde geworden, das Christentum als „hier nicht bodenständige“ und „orientalische Religion“ zu charakterisieren, die „in vielen Punkten zahlreiche uns Deutschen wesensfremde Auffassungen“ vertrete. Statt dessen hatte er mit der von ihm 20 Jahre lang geführten „Artgemeinschaft“ einen neuheidnischen, „artgemäßen Glauben“ samt Überlegenheit der „germanischen Rasse“ propagiert.

Die Christianisierung der Oberhausener NPD hat freilich auch Grenzen. So fiel die Entscheidung bei der Frage, wem man denn vorweihnachtliche Grüße senden solle, ausgerechnet auf Erich Priebke: ein Kriegsverbrecher, der in Italien zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, die er in einem Hausarrest verbüßt. Und „ein Teil des beachtlichen Sammelergebnisses“ bei der Feierstunde ist für die „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene“ (HNG) bestimmt: ein Verein, der straffällig gewordene Neonazis auch während ihrer Haftzeit bei der (braunen) Stange halten will.

Mit dem Gruß an Priebke und der Spende an die HNG wäre sicher auch Rieger zufrieden gewesen. (rr)

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