RE: Neonazis wollen Bundeswehr gegen Israel

Recklinghausen – Dass die geistigen Nachfahren der Nazis Antisemiten sind wie ihre politischen Ahnherren Hitler, Himmler & Co.: eine Aussage, die alles andere als überraschend ist und nicht mehr betont werden muss. Überraschen kann hingegen manchmal, welche (Gewalt-)Fantasien solchem Neonazi-„Denken“ entspringen.

Die Neonazis aus dem Raum Recklinghausen, miteinander verbunden im „Nationalen Widerstand Recklinghausen“, reden nicht lange herum, wenn es um die Beschreibung des eigenen politischen Standorts geht. Während manche Neonazis vom „nationalen Sozialismus“ sprechen, um das Wort Nationalsozialismus in der öffentlichen Selbstdarstellung zu vermeiden, und ein Bundesvorstandsmitglied der NPD gar zu den Formulierungen „nationalsoziale Politik“ und „nationalsoziale Kreise“ greift, wenn er Neonationalsozialismus und Neonationalsozialisten meint, kommt der „Nationale Widerstand Recklinghausen“ frank und frei zur Sache: „Wir bekennen uns zu einem modernen Nationalsozialismus“, heißt es unumwunden auf seiner Homepage.

Auch in Sachen Antisemitismus reden die „Kameraden“ aus der Region nicht lange herum, wie bereits Mitte Oktober zu beobachten war, als sie „spontan“ gegen den Besuch des israelischen Botschafters im Kreis Recklinghausen demonstrierten.

Am Sonntag nun kamen die „Nationalen Widerständler“ auf eine neue Idee. Sie verteilten Flugblätter mit der Überschrift „Im Kampf um Palästina“. Dabei beschränkten sie sich nicht auf allgemeine Parolen wie „Freiheit für Palästina“ oder „Solidarität mit Palästina“. Sie machten vielmehr deutlich, wer den „Kampf um Palästina“ gewinnen soll: die Bundeswehr. „Die Bundeswehrtruppen aus Afghanistan müssen mit sofortiger Wirkung abgezogen werden und nach Palästina geschickt werden, um ein unterdrücktes Volk zu befreien“, heißt es auf dem Flugblatt, von dem nach Angaben der Neonazis mehrere hundert Stück verteilt worden sein sollen.

Logisch ist das zwar nicht, wenn sie die Armee des von ihnen gehassten Staates gedanklich zum Instrument ihrer antisemitischen Obsessionen machen – aber wer fragt angesichts solcher Obsessionen schon nach einer Logik. (rr)