D: Björn Clemens und die „auschwitzfixierte Buß- und Schuldreligion“

Düsseldorf/Dresden – Lange war es um Björn Clemens still gewesen. Vor dem für den heutigen Samstag geplanten Neonazi-Aufmarsch in Dresden, war nun von dem Düsseldorfer Rechtsanwalt und ehemaligen stellvertretenden Bundesvorsitzenden der „Republikaner“ wieder einmal etwas öffentlich zu vernehmen.

Anlass für Clemens’ Wortmeldung war ein Beitrag, den die „neu-rechte“ Zeitschrift „Sezession“ auf ihrer Internetseite veröffentlich hatte. Darin hatte der Autor Martin Lichtmesz die „alt-rechte“ Konkurrenz unter anderem der NPD und der „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO), die zu der Neonazi-Demonstration aufgerufen hatte, massiv kritisiert: „Hätten die Vertreter der Rechtsgruppierungen wie etwa der ,Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland’ auch nur einen Funken Anstand, einen Funken Respekt, einen Funken Verständnis dafür, was ein Opfergedenken tatsächlich bedeutet, sie würden auf ihren Marsch freiwilig verzichten.“ Lichtmesz beklagte eine „Instrumentalisierung der Opfer des Bombenkriegs durch NPD & Co“. Dabei war offenbar aktuell seine größte Sorge, dass auf eine solche „Instrumentalisierung“ eine Reaktion erfolgt, dass die Neonazis in Dresden auf Widerspruch stoßen würden – in seinem Jargon: dass „ein Massenansturm von linksextremistischem und gutmenschlichem Gegenpöbel provoziert wird“.

Clemens, stellvertretender Bundesvorsitzender der JLO und vor zwei Jahren trotz seiner begrenzten rhetorischen Fähigkeiten einer der Hauptredner bei der Kundgebung, konterte. Er wandte sich gegen eine „staatlich verordnete Gedenkkultur“, die von Lichtmesz als „Alternativkonzept“ zu den JLO-Demonstrationen empfohlen werde. Eine solche Gedenkkultur gebe es seit langem, so Clemens: „Sie äußert sich in Kultstätten, wie im Berliner Holocaustmahnmal, sie hat Feiertage wie den 27.1., den 8.5. und den 1.9. und sie hat Prediger, nicht nur in zentralen Räten, die Jahr für Jahr, Tag für Tag uns Deutschen versuchen eine auschwitzfixierte Buß- und Schuldreligion aufzuzwingen.“

In einer früheren Fassung von Clemens Antwort auf den Beitrag der „Sezession“ hatte es über die „Systemgedenkkultur“ geheißen: „Man kann sie beobachten am 27.1. am 8.5. am 1.9 oder wann immer sich Gelegenheit gibt, auf dem Bauch herumzurutschen. Das ging nur, weil die konservativen SystemSackgäßlinge z.B. von der CDU immer mit dabei waren oder sogar vorne wegmarschierten.“

Lichtmesz’ Kritik nannte er in dieser älteren Version seiner Antwort „anscheinskohnservative Klugscheißereien“. In der neueren Fassung drückt er sich gewählter aus. Er rechnet den „Sezessions“-Autor den „rückwärtsgewandten Konservativen“ zu. Zu denen fällt ihm ein: „Sollen sie ruhig ihren vornehmen Hintern hinter dem warmen Ofen halten und vom guten alten Kaiser Wilhelm träumen. Die Wiederaufrichtung Deutschlands geschieht an anderer Stelle.“

In Dresden am 13. Februar 2010 aber offenbar nicht, wie der Tag nahe gelegt hat. (ts)