EN: NPD-Crämer gegen „NS-Hollywood-Clowns“

Schwelm – Vor fünf Jahren stand er kurz vor dem Ausschluss aus der NPD. Jetzt kann sich Thorsten Crämer, Kreistagsmitglied im Ennepe-Ruhr-Kreis aus Schwelm und Vorstandsmitglied des Kreisverbandes Ennepe-Ruhr/Wuppertal, wieder deutlich heimischer in seiner Partei fühlen.

Crämer gilt als Anhänger des „sächsischen Wegs“ innerhalb der Partei, der sich um eine „modernisierte“ und weniger vergangenheitsfixierte Außendarstellung der NPD bemüht. Vertreter dieses Parteiflügels rund um den sächsischen Landes- und Fraktionsvorsitzenden Holger Apfel gehören seit dem Parteitag im Frühjahr 2009 nicht mehr dem Bundesvorstand der NPD unter Udo Voigt an. Sie hatten zuletzt aber wieder an Einfluss gewonnen. Insbesondere die Empfehlungen einer „Strategiekommission“, die im vorigen Monat auf Einladung von Voigt tagte, konnten sie als Bestätigung ihres Kurses werten.

In der Folge mehrten sich die antiislamischen Töne der NPD, während ihr traditioneller Antisemitismus in der öffentlichen Wahrnehmung etwas zurücktrat. Zugleich hatte die Kommission empfohlen, den Namenszusatz „Die Nationalen“ durch „Die soziale Heimatpartei“ zu ersetzen – ein Label, das die rechtspopulistische österreichische FPÖ geprägt hatte.

In NRW waren beide Modifizierungen der Parteistrategie vom NPD-Landesverband umgehend übernommen worden, wie sich zuletzt auch bei der Präsentation der Plakate zur Landtagswahl (/nrwrex/2010/02/nrw-npd-wahlkampf-kontra-pro-nrw) oder bei der Gestaltung von Flugblättern gezeigt hatte, die im Märkischen Kreis verteilt wurden.

Crämer sieht aber auch einen Wandel in einem anderen Bereich: im Umgang der Partei mit einem Teil der „parteifreien“ Neonazis. Namentlich nennt er nur Christian Worch. Gemeint sein dürfte aber ebenfalls Axel Reitz, der bei der Landtagswahl zwar nicht auf der NPD-Liste steht, aber in einem der beiden Wahlkreise in Siegen-Wittgenstein als Direktkandidat auf den Stimmzetteln steht.

„In meiner Bewertung dieser Fragen weiß ich mich etwa mit den sächsischen Kameraden absolut einer Meinung und im LV NRW gibt es inhaltlich deutliche Schritte in die richtige Richtung, die [...] gleichzeitig impliziert, daß man sich von diversen Verrückten und krankhaften Selbstdarstellern, Kostümfetischisten und Sektierern fernhält“, schrieb Crämer dieser Tage in den Diskussionsspalten einer extrem rechten Internetplattform.

Zu Reitz war auch Timo Pradel, der Landesorganisationsleiter der NRW-NPD, öffentlich auf Distanz gegangen (/nrwrex/2010/01/nrw-npd-pradel-mag-axel-reitz-nicht-mehr). Pradel hatte betont, für die Nominierung von Direktkandidaten seien „ausschließlich die Kreisverbände verantwortlich, in diesem Fall der Kreisverband Siegen-Wittgenstein, und nicht der Landesverband“.

Vor fünf Jahren wäre Crämer beinahe ausgeschlossen worden, weil er Reitz’ damalige politische Heimat, den „Kampfbund Deutscher Sozialisten“ (KDS), als „Kasperletruppe“ bezeichnet hatte, der er „jede ernsthafte Politikfähigkeit“ abspreche. Beim KDS handele es sich um einen jener Zirkel, die „allenfalls Tummelplätze für Irre oder Agenten aller Art darstellen“, hatte er erklärt.

Der damalige Landesvorsitzende Stephan Haase forderte daraufhin Crämer auf, sich und der Partei durch seinen Austritt ein Ausschlussverfahren zu ersparen. Die Einleitung eines Ausschlussverfahrens lehnte der Landesvorstand – anders als von Haase gewünscht – jedoch ab.

Seine Meinung, dass eine Zusammenarbeit „mit gewissen Herrschaften“ nicht in Frage komme, habe sich seither nicht verändert, ließ Crämer nun wissen. Über „Typen, die es offenkundig darauf anlegen, uns alle in Verruf zu bringen, indem Sie den Medien und Geheimdiensten den NS-Hollywood-Clown liefern“, werde er jederzeit wieder auch öffentlich seine Meinung sagen.

Dies sei aber „nicht generell gegen die freien Nationalisten gerichtet“, auch wenn man über deren Methoden unterschiedlicher Meinung sein könne, betont Crämer. Für die „Autonomen Nationalisten“ aus Dortmund hat er beispielsweise ein Lob parat. Sie hätten „mit uns im Kommunalwahlkampf bei unserem Infostand in Witten in freundschaftlicher und seriöser Weise zusammengearbeitet“. (ts)