SI: Neonazis sehen sich im „Krieg“

Siegen – Offener Rechtsbruch und Gewalt wird auf der Homepage der „Freien Nationalisten Siegerland“ gerechtfertigt.

Die Vorgehensweise ist bei Neonazi-Kameradschaften und insbesondere „Autonomen Nationalisten“ üblich. Wenn etwas veröffentlicht werden soll, was strafrechtlich bedenklich oder zumindest dazu angetan ist, dass Staatsanwaltschaften und Polizei genauer hinschauen könnten, tritt zumeist nicht die Gruppe selbst als Autor auf. Statt dessen wird ein Text aus – angeblich – anderer Quelle wahlweise „zitiert“ oder „dokumentiert“. So hält es auch die Neonazi-Truppe „Freie Nationalisten Siegerland“ mit einem am Montag auf ihrer Internetseite veröffentlichen Text, der von einem „Schreiber aus dem Umfeld nationaler Kräfte des Siegerlandes“ stammen soll.

Jener „Schreiber“ sieht nach dem verhinderten Neonazi-Aufmarsch vom 13. Februar in Dresden sich und seinesgleichen in einer „Notwehr“-Situation, die den Rechtsbruch legitimiert. Dass die Demonstration verhindert wurde – nach der „Logik“ des Autors durch ein Zusammenspiel von Politik, Polizeiführung und „Linksfaschisten“, unterstützt durch eine „linke Hetz-Presse“ –, sei „einer Kampfansage an alle nationalen Kräfte in Europa gleichzusetzen“.

„Sehr genau überlegen“ solle man künftig, ob man bei Demonstrationen mit der Polizei kooperiere, ob man Demonstrationen überhaupt noch anmelde und Auflagen einhalte. Warum solle man sich nach Dresden noch an Pflichten halten, fragt der Autor.

Es folgt rechts-„autonomes“ Verbal-Gedröhn: „Wenn das System glaubt, mit rechtswidrigem Verhalten die Freiheit der politischen Opposition einzuschnüren, kann es nicht erwarten, dass sich der daraus resultierende Widerstand rechtskonform verhalten wird. WARUM AUCH?“

Zwar behauptet der Autor: „Niemand im rechten Spektrum ruft zur Gewalt auf.“ Doch genau auf deren Legitimation läuft es hinaus, wenn er zugleich unter Berufung auf ein herbeifantasiertes Notwehrrecht schreibt: „Wer mit dem Rücken zur Wand steht, handelt oft mit der letzten Instanz, die ihm bleibt: ER GREIFT AN, irrational und blind vor Wut.“

„Uns“, so meint der Autor, werde „ein ,Krieg’ aufgezwungen, ein Kampf verordnet, es bleiben in dieser Situation einfach keine Alternativen mehr“. Diese Entwicklung sei auch nicht mehr zu stoppen: „Die Kugel ist ins Rollen geraten und niemand weiß, wo ihre Fahrt enden wird.“ (ts)

  • siehe auch:

/nrwrex/2010/03/un-auch-neonazis-aus-unna-ben-sich-kriegsrhetorik