K: Beisicht und die „Kettenhunde“ des Innenministers

Köln – Markus Beisicht sieht sich wieder einmal verfolgt. Diesmal von Neonazis, die seiner „Logik“ zufolge von NRW-Innenminister Ingo Wolf als dessen „Kettenhunde“ gegen „pro NRW“ eingesetzt werden.

Anlass für Beisichts eigenwilliges Gedankenkonstrukt ist zum einen ein Zwischenfall, der offenbar schon eine Woche zurückliegt. Dabei habe es den ersten tätlichen Angriff zweier Skinheads während eines „pro NRW“-Infostands in der Kölner Innenstadt gegeben, heißt es bei der selbst ernannten „Bürgerbewegung“.

„Pro NRW“ veröffentlichte zu dem Geschehen zwei Fotos und lieferte gleich eine Bilderklärung mit: Auf den Fotos sei „gut zu sehen, wie die zwei Skinheads sich zuerst drohend in Position bringen, bevor sie gemeinsam auf den Kölner Landtagskandidaten Martin Schöppe losgehen und brutal auf ihn einschlagen“.

So könnte es gewesen sein. So muss es aber – berücksichtigt man die Neigung von „pro NRW“ zur hemmungslosen Übertreibung – nicht zwingend gewesen sein. Dokumentiert wird durch die Fotos jedenfalls lediglich eine Rangelei zwischen einem der Skinheads und Schöppe.

Zweiter Anlass für Beisichts „Kettenhunde“-Theorie sind einige Kommentare in den Diskussionsspalten des neonazistischen Internetportals „Altermedia“. Dort hieß es in diesen Tagen mit Blick auf „pro NRW“ und „pro Köln“ unter anderem: „Diese Hundesohne von Pro-Köln sollte man sich mal zur Brust nehmen“ und: „Diese Volksverräter gehören endlich in den Mülleimer der Geschichte. Überall wo sich ,Politikfähige’ zeigen müssen sie bis aufs Blut bekämpft werden, als deutscher Nationalsozialist kann man dem Zionismus nicht die Hand reichen.“

„Das alles“, meint Beisicht nun, werde „unter den Augen des sogenannten Verfassungsschutzes“ geschrieben, „der solche antisemitischen Haßseiten ungestört zur Gewalt gegen gesetzestreue Patrioten aufrufen lässt“. Wie schwierig es ist, gegen im Ausland gehostete Neonaziseiten vorzugehen, interessiert Beisicht in diesem Zusammenhang nicht. Ihm geht es um etwas anderes. Direkt anschließend fragt der „pro“-Vorsitzende jedenfalls: „Herr Innenminister Wolf, wann beenden Sie endlich dieses unwürdige Schauspiel?“ Zwar lebt der „Altermedia“-Betreiber in Mecklenburg-Vorpommern und nicht in NRW und der Innenminister heißt dort Caffier und nicht Wolf, aber auch das rührt Beisicht nicht. Wolf solle endlich seine „VS-gesteuerten Kettenhunde“ zurückpfeifen, fordert er stattdessen.

Apropos VS und apropos Antisemitismus: In seinem Jahresbericht 1995 attestierte das Bundesamt für Verfassungsschutz der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“ neben ihrer „Ausländerfeindlichkeit“, ihrer „völkisch-kollektivistischen Grundhaltung“ und der von ihr betriebenen „Relativierung der NS-Verbrechen“ auch eine „antisemitische Agitation“. NRW-Landesvorsitzender jener DLVH war zu diesem Zeitpunkt Markus Beisicht. Das ist lange her. Aber wann genau Beisicht erkannt hat oder erkannt haben will oder erkannt zu haben behauptet, dass eine Rechte, wie er sie sich vorstellt, tunlichst auf Antisemitismus verzichten sollte, das wüsste man schon gerne. (ts)

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