HAM/RE: „Parteifreie“ Neonazis rüffeln NPD

 Hamm/Recklinghausen – Am Tag nach der Landtagswahl gehen einige „parteifreie“ Neonazis mit der Landes-NPD ins Gericht.

Der eigentliche Grund für das schlechte Abschneiden der NPD sei darin zu suchen, dass ein flächendeckender Wahlkampf der Partei gar nicht stattgefunden habe, meint die „Kameradschaft Hamm“. Dort, wo arbeitsfähige Kreisverbände existieren würden und/oder die Kooperation zwischen NPD und „parteifreien Nationalisten“ funktioniert habe, seien zumindest Ergebnisse von über einem Prozent erzielt worden. Als Beispiele werden Dortmund, Unna, Bochum und Hamm genannt.

„Wenn allerdings in einer Millionenstadt wie Köln (0,3 %) oder in vielen anderen Regionen kein vernünftiger Wahlkampf gemacht wird, kann die Partei auch nicht erwarten, daß die Wähler die NPD als ernstzunehmende politische Kraft erkennen“, fahren die Hammer Neonazis fort. Wenn es der Partei in NRW „so offensichtlich an Menschen, Material und Organisation mangelt, dann können selbst vergleichsweise bescheidene Ziele wie die vom Landesvorsitzenden Claus Cremer anvisierten zwei Prozent nicht erreicht werden“.

Die Kandidatur von „pro NRW“ halten die Neonazis aus Hamm nicht für die wesentliche Ursache der NPD-Verluste: „Wir denken, daß sich das ProNRW-Wählerpotential nicht maßgeblich aus ehemaligen NPD-Wählern zusammensetzt, sondern daß wohl eher frustrierte REP- und CDU-Wähler der ,Bürgerbewegung’ als reine Protestpartei ihre Stimme gaben.“

„Parteifreie“ Neonazis aus dem Kreis Recklinghausen betonen zwar, dass „pro NRW“ für „Nationale Sozialisten“ nicht wählbar sei. Gleichwohl sei „pro“ der „heimliche Wahlsieger“. Die selbst ernannte „Bürgerbewegung“ habe „das geschafft, was der NPD-Landesvorsitzende Claus Cremer seit Jahren als unmöglich darstellt. Mit einem starken Schwerpunktwahlkampf weit über 1 % einfahren“, heißt es in einem Beitrag, der vom „Koordinierungsnetz Ruhr-Mitte“, der früheren „AG Ruhr-Mitte“, veröffentlicht wurde.

Einen Wahlkampf der NPD habe es in weiten Teilen des Landes nicht gegeben, meinen auch die Neonazis aus dem Ruhrgebiet, die den Landesvorsitzenden Cremer massiv attackieren. Öffentlichkeitswirksame Aktionen der NPD hätten sich „auf das ,Dagegensein’ bei PRO-Veranstaltungen“ beschränkt: „Nun darf man mal selbst überlegen wen die Bürger wählen, eine Partei die durchgehend nur gegen Islamisierung auf die Straße geht, oder eine Partei die immer nur gegen eine andere Partei agiert, und beiläufig versucht auf dessen Zug aufzuspringen.“

Unter „Personen wie Claus Cremer und dem von ihm seit Jahren installierten Marionettenvorstand“ könne man keine „nationale Arbeit verrichten, erst recht keine radikale Oppositionsarbeit“, monieren die Neonazis aus dem Raum Recklinghausen. Von Cremer erwarten sie auch keine realistische Analyse der Landtagswahl: „Die kommenden Ausflüchte, um einige weitere Jahre auf Kosten der Partei zu leben, werden grandios sein.“ (ts)