NRW: Fulminante Webcam-Bilder

Bergisch Gladbach – Wahlauftritte von „pro NRW“ verlaufen in der Eigenwahrnehmung der Rechtspopulisten entweder „fulminant“ oder sie leiden unter einem „aufgehetzten linken Mob“ und enden womöglich in „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“. Zwischen diesen Extremen gibt’s nicht viel. Doch manchmal wird man überrascht.

Mit sparsamen zwei Sätzen berichtet „pro NRW“ über den gestrigen Zwischenstopp der „Kreuzzugs“-Tour durch Nordrhein-Westfalen in Bergisch Gladbach: kein Wort von einem fulminanten Auftritt, aber auch keine Heldengeschichten von Wahlkämpfern im Flaschen- oder Steinhagel. „Der Pro-NRW-Infobus ist in der an der Stadtgrenze zu Köln gelegenen Kreisstadt Bergisch-Gladbach eingetroffen“, heißt es ganz neutral im ersten Satz. Und im zweiten: „Die Wahlveranstaltung wurde inzwischen planmäßig auf dem Konrad-Adenauer-Platz eröffnet und wird freundlicher Weise live von der Webcam der Internetseite der Stadt Bergisch-Gladbach übertragen.“

Mit dem Hinweis auf jene Webcam ist auch verraten, warum es gestern aus Bergisch Gladbach keine Berichte über eine „fulminante“ Veranstaltung geben konnte und auch keine Klagen über „linken Terror“. Denn alle 60 Sekunden lieferte die Kamera Bilder vom Veranstaltungsort, und sie zeigen weder Bürger, die sich nach der „neuen rechtsdemokratischen Kraft“ sehnen und sich um den Tourbus drängen, noch zeigen sie Bürgerkriegsähnliches.

Statt dessen dokumentieren sie: im Hintergrund vor der Kirche auf einem großen, sehr großen Platz den „pro NRW“-Bus, für den sich kaum jemand zu interessieren scheint außer einigen Gegendemonstranten vorne links und den Polizeibeamten, die dort dienstlich unterwegs sind. Irgendjemand aus dem „pro“-Team hatte die Idee, ein Bild aus jener Webcam auf die eigene Homepage zu setzen. Ihm sei zu danken: Er machte ein Foto bekannt, das mehr über das derzeitige politische Potenzial von „pro NRW“ aussagt als tausend Worte. (ts)

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