K: „Pro“ will sich thematisch verbreitern

Köln – Um „neue Wege der Öffentlichkeitsarbeit“ sollte es am Sonntag bei einem „Strategieseminar“ der „pro Köln“-Ratsfraktion gehen. Welche Wege dies sein sollen, wurde im heute veröffentlichten Veranstaltungsbericht nicht verraten. Statt dessen entsteht bei der Lektüre der Eindruck, dass es bei der „großen Fraktionssitzung mit Gästen“ in Köln-Kalk weniger um die Öffentlichkeitsarbeit der Kölner Ratsfraktion ging und mehr um eine Weiterentwicklung der Strategie von „pro NRW“.

„Pro“-Chef Markus Beisicht sprach sich dem Bericht zufolge bei der Veranstaltung dafür aus, dass „pro Köln“ und „pro NRW“ weiterhin das „Kernthema der drohenden Islamisierung“ behandeln sollten, dass man aber „gleichzeitig die politische Kompetenz in anderen Politikfeldern zeigen müsse“.

Der ex-grüne Kurzzeit-Bundestagsabgeordnete Thorsten Lange votierte ebenfalls für eine „wesentliche thematische Verbreiterung der Arbeit der Pro-Bewegung“. Man stehe, genau wie die Grünen vor einigen Jahrzehnten, vor der „entscheidenden Frage, ob man Partei werden oder Bürgerinitiative bleiben wolle“, wird Lange zitiert. Ob Lange tatsächlich allen Ernstes glaubt, bei dem extrem rechten Parteiprojekt „pro NRW“ handele es sich um eine Bürgerinitiative in des Wortes eigentlicher Bedeutung, oder ob er dies nur suggerieren will, wird aus dem Text nicht klar.

Auf Köln beschränken mochte sich auch der Ex-NPDler und Ex-DVUler Andreas Molau nicht, dessen Beitritt zu „pro“ kurz nach der Landtagswahl bekannt gegeben worden war. Molau, von „pro“ als „Publizist“ vorgestellt, attestierte der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ eine gute Öffentlichkeitsarbeit. Man habe es fast aus dem Stand geschafft, die „Schweigespirale der von den Parteien gesteuerten Medien zu durchbrechen“, wird er von „pro NRW“ zitiert. Ergebnisse in wahlkampffähigen Regionen um die fünf Prozent hätten dies deutlich dokumentiert. Molau empfahl, die nächsten vier Jahre in den Kommunen dazu zu nutzen, „nach außen und innen eine korporative Identität auszubilden“. Es müsse deutlich gemacht werden, „dass eine Haltung gegen Islamisierung bedeuten würde, sich für Freiheit und Demokratie einzusetzen“.

So ändern sich die Töne: Knapp zwei Jahre zuvor hatte Molau in NRW ebenfalls Grundlegendes zu sagen: Beim Sommerfest der nordrhein-westfälischen NPD dozierte er seinerzeit nicht über Freiheit und Demokratie, sondern über das Wesen des Befreiungsnationalismus („Wir wollen Deutschland zu einer national befreiten Zone machen!“), über „No-Go-Areas“ für Schwarze („Wir würden ja uns ja freuen, wenn es so wäre. Wir wären ja froh, wenn es Räume in Nordrhein-Westfalen oder Deutschland geben würden, wo mal keine Schwarzen da wären, das wäre doch tatsächlich mal etwas“) und über döner-freie Städte ohne schwule Bürgermeister (/nrwrex/2010/05/nrw-andreas-molaus-no-go-areas). Immerhin: Dass es ein Fehler ist, sich nur auf ein Thema zu beschränken, das hatte er schon damals gesagt. Es genüge nicht, Demonstrationen oder Eingaben gegen Moscheen zu starten, betonte Molau damals: „Unser Ziel muss eben sein, die Einwanderungsfrage und die Überfremdungsfrage zu lösen.“ (ts)

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