DO: Konzert parallel zum „Nationalen Antikriegstag“ – Neonazis sauer auf „Germania Versand“

Dortmund/Erfurt – In den vergangenen Jahren waren es Neonazis aus dem Umfeld der Rechtsrockband „Oidoxie“, denen nachgesagt wurde, regelmäßig parallel zu Aufmärschen der Dortmunder „Autonome Nationalisten“ eigene Veranstaltungen aufzuziehen. „Oidoxie“ & Co. halten diesmal im Vorfeld des „Nationalen Antikriegstags“ am 4. September die Füße still. Statt dessen lädt diesmal ein Neonaziversand aus Thüringen just an jenem Tag zu einem Konzert ein – und zieht damit den Zorn mancher „Rechts-„Autonomen“ auf sich.

Der „Germania Versand“ aus Sondershausen im Kyffhäuserkreis organisiert am nächsten Samstag in Kirchheim bei Erfurt ein Konzert mit den Bands „MG 42“, „Hermunduren“, „Deutschtum“ und „Insanity Defense“. Das gefällt manchen in der Szene überhaupt nicht. Die Kritik trifft den Versand, aber auch die „Kameraden“, die dem „Antikriegstag“ ein Konzert vorziehen. Letztere seien „Abschaum“, meint ein Kommentator in einem Neonaziforum. Sie sollten sich, ergänzt ein anderer, „auch nicht Nationalisten nennen, bzw. sich auf die historische Nationalsozialistische Bewegung beziehen, denn für diese Stand der Kampf auf der Straße im Vordergrund!“ Ausflüchte wegen hoher Kosten oder der weiten Anreise ins Ruhrgebiet lässt er nicht gelten: „Es fahren genug Busse aus Mitteldeutschland am 4.9. nach Dortmund, jeder hat also die Möglichkeit relativ kostengünstig aus dieser Gegend zum Antikriegstag zu fahren!“

Der Veranstalter des Konzerts, meint ein weiterer Autor, habe sich „selbst disqualifiziert und keiner aus meinem Kameradenkreis wird mehr bei dem entsprechenden Versand bestellen, bzw. Konzerte des Veranstalters besuchen“. Ausgerechnet den 4. September als Termin zu wählen, sei „mehr als daneben und unkameradschaftlich gegenüber den Kräften die den AKT veranstalten, die freien und parteilichen Kräften die mitwirken und z.B. Hinfahrten organisieren usw. usf.“, müssen sich die Konzertorganisatoren sagen lassen.

Die reagierten und veröffentlichten eine Stellungnahme. Ihnen sei im Januar, als das Konzert terminiert worden sei, nicht bekannt gewesen, „das an diesem Tag der Antikriegstag sein wird!“, beteuern sie, „sonst hätten wir es schon an einem anderen Tag gemacht“. Ansonsten glaube man, „das wegen dem Konzi nicht einer weniger bei der wichtigen Demo sein wird“, spielen sie die Attraktivität des Konzerts herunter. Und quasi als Wiedergutmachung und als Zeichen des guten Willens bieten sie ihre Unterstützung an, sollten die Dortmunder Neonazis noch auf der Suche nach weiteren Bands sein, die am Vorabend des Aufmarschs zum „Antikriegstag“ bei einer Kundgebung spielen könnten.

Jene „Kundgebung mit Live-Bands“* soll übrigens, wie von den Neonazis gewünscht und angemeldet, am Freitagabend oberhalb der Katharinentreppen in der Dortmunder Innenstadt stattfinden. (ts)

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