Nebenbei: Markus Wiener und sein „kleines bisschen Realität“

Köln – Es gibt Formulierungen, die hätte man aus dem Mund eines „pro NRW“-Funktionärs nicht erwartet. Markus Wiener hat heute eine solche gewählt.

„Wenn man schon aus Unkenntnis oder zu Propagandazwecken falsche Zahlen in Umlauf bringt, so sollten sich diese wenigstens ein klein bisschen an der Realität orientieren, um zumindest noch halbwegs glaubwürdig zu sein“, hat „pro“-Multifunktionär Wiener erklärt.

Ein Spur von Nachdenklichkeit oder gar Selbstkritik bei Wiener, der für „pro Köln“ im Rat der Domstadt die Fraktionsgeschäfte führt, der stellvertretender Vorsitzender von „pro Köln“ ist und Generalsekretär von „pro NRW“? Der also nicht ganz unwichtig ist, zumal er bei „pro NRW“ auch noch für die „Außenkommunikation“ verantwortlich zeichnet.

Ist nun etwa Schluss mit der „pro“-Tradition, die Angaben über die Teilnehmerzahl an eigenen Veranstaltungen zu vervielfachen und teilweise bis ins Maßlose aufzublähen und mit einer Mitgliederzahl zu operieren, die kein politisch und/oder mathematisch auch nur halbwegs begabter Mensch ernst nehmen kann? Realismus statt Potemkinscher Dörfer?

Falsch gedacht. Wiener will nicht etwa seine Truppe auf den Boden der Tatsachen zurückholen und auch nicht den eigenen Arbeitsstil ändern. Sein Rat, sich wenigstens ein bisschen an der Realität zu orientieren, gilt anderen. In diesem Fall dem NRW-Innenministerium. Dessen Sprecher hat sich gegenüber der „Welt“ nicht „entblödet“, wie Wiener formuliert, erneut die Zahl der „pro“-Mitglieder auf 300 zu beziffern – 80 bei „pro NRW“ und 220 bei „pro Köln“. Daraus spreche ein „eklatantes Unwissen“ des Verfassungsschutzes, meint der „pro NRW“-General.

Wiener wird also weitermachen wie bisher. „Ein klein bisschen an der Realität orientieren“ sollen sich ja nur andere. (rr)

Meta