SI: Ein NPD-Funktionär, der deutsche Fußball, „Bimbo“ und „Kümmel“

Siegen – Es war abzusehen, dass einem wie ihm früher oder später das kleine Funktionärsleben als NPD-Kreisvorsitzender in der siegerländischen Provinz und seine Tätigkeit als Kreistagsmitglied in Siegen-Wittgenstein zu eng werden würde.

Zu groß ist Stephan Flugs Geltungsdrang, zu groß auch sein Fanatismus, als dass er sich mit dem Kleinklein der Parteiarbeit zwischen Niederschelden und Bad Berleburg oder mit zuweilen öden Sitzungen des Siegener Kreisparlaments bescheiden würde. Stephan Flug ist also unter die Autoren gegangen und füllt die Spalten der Parteizeitung „Deutsche Stimme“ (DS). Vor vier Monaten erging er sich beim Rückblick auf die olympischen Winterspiele in Vancouver in großdeutschen Fantasien (/nrwrex/2010/03/nebenbei-wenn-ein-npd-funktion-r-zu-viel-olympia-glotzt). Jetzt – beim Rückblick auf die Fußball-WM – lässt er den Rassisten aus sich raus.

Eine Kurzfassung seines Textes veröffentlichte die DS unter dem Titel „11 Migranten müßt ihr sein“. Die Langfassung stellte Flug – obwohl sie offenbar bereits vor oder während der WM geschrieben wurde – erst jetzt, vier Wochen nach dem Finale auf die Homepage seines Kreisverbandes. Alle hier folgenden Zitate sind (inklusive der Fehler) dieser längeren Fassung entnommen.

Beim „völkischen Beobachter“ – damit meint der Siegener NPD-Kreisvorsitzende nicht die NSDAP-Parteizeitung, sondern einen wie sich – hinterlasse ein Blick auf die Zusammensetzung der „sogenannten Nationalmannschaften“ einen „bitteren und befremdlichen Beigeschmack“, schreibt Flug. Insbesondere am deutschen Team kann er keinen Gefallen finden. „Serdar Tasci, Jerome Boateng, Dennis Aogo, Sami Khedira, Mesut Özil, Cacau … und so weiter und so fort. Das klingt nicht nur anders wie Gerd Müller, Rudi Völler, Jens Lehmann oder Sebastian Schweinsteiger sondern ist es auch.“

Elf der 23 Spieler im deutschen WM-Kader 2010 hätten ausländische Wurzeln, klagt Flug. In Südafrika spiele eine deutsche „Internationalmannschaft oder BRD-Staatsbürgerschaftself, die offensichtlich dazu dienen soll, dem Zuschauer aufzuzeigen, daß multi-kulti auch erfolgreich sein kann“. Einer dieser Multi-Kulti-Kicker ist Cacau, der noch dazu, so Flug, der erste Fußballspieler sei, „der seinen Spitznamen anstelle des bürgerlichen Nachnamens auf dem Trikot der deutschen Nationalmannschaft trägt“. Das bringt Flug auf eine Idee, die er in eine Formulierung presst, die ihn vor rechtlichen Konsequenzen schützen soll: „In diesem Zusammenhang sollte man nicht einmal im entferntesten darüber Nachdenken, wie lustig es für so manchen Zuschauer sein könnte, wenn Dennis Aogo den Spitznamen ,Bimbo’ hätte oder Mesut Özil von seinen Freunden als ,Kümmel’ gerufen würde und dabei weitere Spitznamen, gleichsam Cacau, auf dem Rücken der DFB-Nationaltrikots zu lesen wären.“

Doch „Spaß beiseite!“, meint Flug und will sich wieder wichtigen Fragen widmen: „Fehlt es der Deutschen Nation im 21. Jahrhundert bereits an einer gebührenden Auswahl volksdeutscher Fußballer, die unser Land bei einer Weltmeisterschaft würdig vertreten können?“ „Wohl kaum!“, antwortet er sich selbst auf diese Frage. Schuld an der undeutschen Entwicklung sind seiner Ansicht nach die „Strippenzieher in Politik und Medien“ und deren „willige ,multi-kulti-DFB-Vasallen’“. Sie würden ein „entvölkerndes Ziel“ verfolgen.

Während sich die „Deutsche Stimme“ darauf beschränkt, Flugs völkisch-fußballerische Gedanken zu veröffentlichen, holt Siegens NPD-Kreischef in seiner Langfassung noch einmal kräftig aus. Diesmal geht es gegen das Gastgeberland der WM, Südafrika. Das Bild, das er zeichnet, ist zunächst einmal kein NPD-Spezifisches. In nicht wenigen Medien wurde vor der Weltmeisterschaft Südafrika als Land mit vielen Problemen beschrieben: Armut, Aids, Gewalt, Kriminalität, Korruption, Fremdenhass. Doch bei Flug sind Armut, Aids, Kriminalität, Korruption und Fremdenhass nicht Teil des Ganzen – sie sind das Ganze.

Seine Sympathien gehören eher der rassistischen und vielfach als neonazistisch bezeichneten „Afrikaner Weerstandsbeweging“ (AWB), deren Anführer Eugène Terre’Blanche in diesem Frühjahr von zwei Schwarzen erschlagen worden war. Zwei mögliche Motive waren nach der Tat genannt worden. Version 1: Terre’Blanche soll wegen eines Streits über ausstehende Löhne von den beiden Farmarbeitern umgebracht worden sein. Version 2: Terre’Blanche soll sie vor der Tat sexuell bedrängt haben. Flug geht darauf nicht ein. Er bringt indirekt „Rassenhass“ als Motiv der Tat ins Spiel. Das ist immerhin ein Terrain, auf dem er sich auskennt. (ts)

Meta