DO: Auch NPD mischte beim „Nationalen Antikriegstag“ mit

Dortmund – Beim missglückten Großaufmarsch zum „Nationalen Antikriegstag“ am Samstag in Dortmund mischten auch einige Kreisverbände der NPD nach Kräften mit.

Eigentlich sind „Autonomen Nationalisten“, die zu diesem zentralen Event ihrer Szene am ersten Wochenende im September aufgerufen hatten, nicht unbedingt für ihre große Sympathie mit der NPD bekannt. Sie sehen sich selbst als „Speerspitze“ der Bewegung und in der Partei eher eine Ansammlung verkappter Möchtegern-Parlamentarier. Hilfestellung der Partei war diesmal aber willkommen.

„Die NPD im Rat der Stadt Dortmund freut sich, dass so viele junge Menschen aus Deutschland und ganz Europa nach Dortmund gekommen sind, um gegen Krieg und Imperialismus zu demonstrieren“, teilte die lokale NPD im Internet mit. Ihr Vorsitzender Matthias Wächter lauschte am Freitag und am Samstag den Reden und Liedern auf den Kundgebungen.

Wie die NPD Dortmund hatte auch der benachbarte Kreisverband Unna/Hamm zur Teilnahme an den Aktionen aufgerufen. Hans Jochen Voß, NPD-Kreisvorsitzender aus Unna, gilt als treuer Fürsprecher und großzügiger Spender der parteifreien Neonazis in der Region. Im letzten Jahr spendete er 3000 Euro an die „Dortmunder Autonomen“*. Auch am Wochenende brachte sich Voß ein, wo er konnte: Er versuchte – erfolglos –, Siegfried Borchardt bei der Anmeldung einer Spontandemonstration vom Hauptbahnhof zum Hafen zu unterstützen und betreute einen der „Hauptredner“ der Neonazi-Kundgebung, Dr. Pierre Krebs, den Leiter des „Thule-Seminars“, für dessen An- und Abreise Voß verantwortlich war.

Krebs langatmige, im französisch gefärbten Deutsch vorgetragene Rede konnte die versammelten Neonazis am Dortmunder Hafen aber nicht in ihren Bann ziehen. Eine andere NPD-Truppe zog es während seiner Rede sogar vor, die Kundgebung zu verlassen und den Heimweg anzutreten. Die Mitglieder der NPD Düren und der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) hatten zuvor noch versucht, als „Badeseeblock“ (Transparent-Spruch: „Bräune gegen ein Scheißsystem“) einen witzig gemeinten Beitrag zum „Antikriegstag“ beizusteuern. Allerdings ohne großen Erfolg.**

Der Wittener Ratsherr Dieter Schulz trug praktischer zum „Gelingen“ der Aktionen bei. Beim Rechtsrock-Konzert am Freitag gehörte er zum Ordnerdienst. Seine Wittener NPD war eine Woche zuvor Veranstalter einer Neonazi-Kundgebung auf dem Rathausplatz, bei der auch der Landesvorsitzende Claus Cremer als Redner auftrat und für die Neonazi-Veranstaltung in Dortmund warb. *** (hp)

* /nrwrex/2009/07/do-3000-euro-f-rs-autonome-nichtstun-teil-2

** /nrwrex/2010/09/doac-black-block-oder-badeseeblock-neonazi-diskurse-iii

*** /nrwrex/2010/08/endo-mit-hj-lied-auf-den-rathausplatz