EN: NPDler und Ex-NPDler und ihr flexibles Verständnis von Seriosität

Ennepetal – Ein flexibles Verständnis von dem, was Seriosität bedeutet, beweist der NPD-Funktionär Thorsten Crämer aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis.

Crämer äußerte am Samstag die Erwartung, der aus der NPD ausgetretene Ennepetaler Stadtverordnete Andre Hüsgen werde sein Mandat an die Partei zurückgeben, da er dies nicht als direkt gewählter Abgeordneter, sondern über die NPD-Liste erlangt habe. Crämer: „Alles andere wäre deshalb Betrug am Wähler und würde Andrés seriöser Arbeitsweise überhaupt nicht entsprechen.“

Eineinhalb Jahre vorher hatte Crämer offenbar noch ein anderes Verständnis von „seriöser Arbeitsweise“. Nach dem damaligen Wechsel Hüsgens, der zu diesem Zeitpunkt der Bezirksvertretung in Wuppertal-Oberbarmen angehörte, von den „Republikanern“ zur NPD verbreitete Crämers Partei am 27. Februar 2009 eine Pressemitteilung. „Gegenüber dem NPD-Wahlkampfleiter für Wuppertal und den Ennepe-Ruhr-Kreis, Thorsten Crämer, erklärte Hüsgen, sein Mandat nunmehr im Sinne der Nationaldemokraten wahrnehmen zu wollen“, hieß es darin. Dass Crämer damals die Mitnahme des Mandats für unseriös gehalten hätte, ist nicht überliefert.

Hüsgen selbst schreibt derweil in einem extrem rechten Internetforum, sein Wuppertaler Mandat habe er „nach meinem damaligen Wechsel zur NPD dann auch zur Verfügung gestellt“. So allgemein und zeitlich unpräzise formuliert ist das nicht falsch. Falsch wirkt es freilich, wenn mit dieser Formulierung suggeriert werden soll, er habe auf das Mandat unmittelbar nach seinem Austritt bei den „Republikanern“ verzichtet. Das tat er nämlich nicht. Wie dem Wuppertaler Amtsblatt vom 17. Juni 2009 zu entnehmen ist, wurde sein Verzicht erst zum 27. Mai 2009 wirksam.

Das war für Hüsgen beinahe der letztmögliche Termin für einen Rückzug in Oberbarmen. In Ennepetal wollte er bei der Kommunalwahl am 30. August für die NPD als Bürgermeister- und Spitzenkandidat antreten. Das NRW-Kommunalwahlgesetz schreibt aber vor, dass nur wählbar ist, wer seit mindestens drei Monaten seinen (Haupt-)Wohnsitz in der Gemeinde hat, in der er kandidiert. Sprich: Hüsgen musste, ob er wollte oder nicht, bis Ende Mai umgezogen sein und sein altes Mandat abgegeben haben. Oder andersherum: Er blieb Bezirksvertreter so lange, bis es gar nicht mehr anders ging. (rr)