K: Panzer-Bastler Tegethoff gegen Bolschewist Schwab (Neonazi-Diskurse II)

Köln – Die Redaktion der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ (DS) hat Ungeheuerliches getan. Sie hat es abgelehnt, an „exponierter Stelle“ des Blattes einen Beitrag ihres langjährigen Mitarbeiters Ralph Tegethoff zu publizieren. Der Ärger darüber bei dem „bekannten nationalen Publizisten und Militärexperten“, wie ihn seine Kameraden vom „Freien Netz Köln“ nennen, ist groß und der Text des Neonazis aus dem Rhein-Sieg-Kreis mittlerweile auf diversen Seiten im Internet zu lesen.

Tegethoff, der mit einem besonderen Faible für alles Militärisch-Technische und Militärisch-Zackige geschlagen ist, hatte sich darüber entrüstet, dass die DS in ihrer August-Ausgabe den ehemaligen NPD-„Vordenker“ Jürgen Schwab in einem Interview Negatives über die nach dem 1. Weltkrieg entstandenen Freikorps sagen ließ. Die hätten, so Schwab, „die bürgerliche, das heißt kapitalistische ,Demokratie’ gegen eine soziale Revolution“ verteidigt.

So etwas lässt sich Tegethoff nicht zweimal sagen: Schwabs Thesen seien „bestenfalls abenteuerlich wenn nicht antideutsch, ja sogar bolschewistisch“. Solche unverschämte Angriffe gegen die Freikorps könne man so auch in der „taz“ oder der „Roten Fahne“ lesen.

„Allein den Freikorps und ihrem tapferen Widerstand gegen die roten Banden ist es zu verdanken, daß Deutschland in der Nachkriegszeit ab 1919 das Schicksal Rußlands erspart blieb.“ So sehr echauffiert sich Tegethoff, dass er völlig atemlos seine Sätze gar nicht mehr zu einem Ende bringt: „Kaum dem Kriege entkommen bewiesen sie in vorbildlicher Verantwortung gegenüber dem eigenen Volk und sogar gegenüber einem Staat in dem Schieber, Inflationsgewinnler, parlamentarische Schaumschläger und kommunistisch-bolschewistische Revoluzzer häßliche Töne angaben.“

Aber wer die Tegethoffschen Freikorps nicht glorifiziert, ist wahrscheinlich selbst Bolschewist. Schwabs wirtschaftspolitische Vorschläge – der Ex-NPDler empfiehlt der Partei, ihr „soziales Profil“ weiter zu schärfen und am besten „sozialrevolutionäre Positionen bis hin zur Verstaatlichung aller Privatbanken und Sozialisierung von Großunternehmen“ zu entwickeln – seien „in 70 Jahren Kommunismus eindeutig widerlegt worden“, lässt Tegethoff seinen Kontrahenten strammstehen. Schwab führe einen „Kampf gegen das Privateigentum“ und träume vom VEB Metzgerei oder vom VEB Bäckerei.

Das „Freie Netz Köln“ veröffentlichte Tegethoffs Text als „Beitrag in der notwendigen Auseinandersetzung mit bolschewistischen Tendenzen im nationalen Lager“ und fragte sich, wer in der Redaktion der NPD-Zeitung „so blauäugig war, Schwab unkommentiert zu Wort kommen zu lassen“.

Umgekehrt fragen manche, wieso Tegethoff glauben könnte, es mit Schwab intellektuell aufnehmen zu können. Einer der Kommentatoren in einem Neonaziforum rät dem Rheinländer gar, er soll sich „besser von der polittheoretischen Bühne verabschieden und weiter Tigerpanzer-Modelle kleben“. (ts)

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