MI: Bier oder Kampf (Neonazi-Diskurse I)

Minden – Ob es einen aktuellen Anlass dafür gibt, dass ostwestfälische Neonazis gerade jetzt auf ihrer Homepage einen Beitrag unter der Überschrift „Bier oder Kampf? Was endlich einmal gesagt werden muß!“ (wieder)veröffentlichen? Wir wissen es nicht. Erwähnenswert ist es dennoch, wenn jene Neo-Nationalsozialisten die „Kameraden“ zur Disziplin ermahnen.

Eine „pseudopolitische Spaßkultur“ habe sich entwickelt, klagen sie. Zum Beispiel bei Konzerten seien „massig Leute“ anzutreffen, die sich über ein „szenedefiniertes Outfit“ selbst darstellen wollten. „Der ein oder andere macht auf furchtbar böse, die grell gefärbten Haare oder die blanken 14-Loch Stiefel sollen Aufsehen erregen.“ Dabei scheine „asoziales und / oder aggressives Verhalten Trumpf zu sein“. Bei solchen Veranstaltungen gebe es „Subjekte in Horst Wessel T-Hemden gekleidet, welche zu Aktivisten sagen sie sollen mit der ,Scheiß Politik’ aufhören“, empören sich jene Neonazis, denen als Kommentar nur noch das einfällt: „ohne Worte“.

Härte in den eigenen Reihen ist das Gebot der Stunde: „Es ist längst an der Zeit unsere Reihen wieder zu straffen, und von falscher Freundlichkeit abzusehen.“ Die braunen Saubermänner aus Ostwestfalen verlangen ein „konsequentes Durchgreifen. Bekämpft und verdrängt alle asozialen Elemente und bewegungsfeindlichen Strömungen, welche sich lediglich des Rufes oder der Darstellung wegen mit unseren Zeichen, Worten und Taten schmücken“. Die einen seien „bloß Trinker und Taugenichtse“, die anderen „Großmäuler und Wichtigtuer“. 

Zwei Aspekte missfallen jenen Neonazis dabei besonders. Zum einen die Musikaffinität der Szene: „Schon mal von einer Revolution gehört die mit einer CD begann oder auf einer Feier begonnen wurde?“ Musik sei zwar angenehm und sicherlich wichtig für die Unterhaltung, „doch der politische Nutzen ist doch arg in Frage zu stellen“.

Nicht einmal an die „einfachsten Regeln und Gesetze unserer Weltanschauung“ könnten sich manche „Subjekte“ halten: „Nehmen wir einmal das Absingen besonderer feierlicher Lieder die oft im Übermut dahin gegrölt werden kurz bevor die bemitleidenswerten Ursachen dieses Katzenjammers in einen barmherzigen Alkoholschlaf fallen.“

Vor 67 Jahren, so schwelgen die Autoren des Textes in Erinnerung an für sie bessere Zeiten, habe „der preußische Minister des Inneren auf Anregung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda für das Land Preußen durch Polizeiverordnung bestimmt, daß das Singen und Spielen des Horst-Wessel-Liedes in Vergnügungs- und Gaststätten aller Art verboten ist“. Die Begründung für diese Verfügung liefern sie gleich mit: Das Horst-Wessel-Lied erleide „in seinem Charakter als vaterländisches Weihelied durch häufiges Absingen auch bei unpassenden Gelegenheiten Einbuße“.

Doch es gibt ein zweites Problem in der Szene: das „von manchen anscheinend (ebenso wie in der Rest - Konsum und Spaßgesellschaft) als Sport angesehene männliche wie weibliche Rumgehure“. So mancher habe das „Lippenbekenntnis“ einer „ehemaligen uns wohl bekannten Eliteeinheit“ – gemeint ist das SS-Motto „Meine Ehre ist Treue“ – stets parat, aber es sei für einige „augenscheinlich schon schwierig in der eigensten und kleinsten Gemeinschaft diesen Treueschwur einzuhalten“.

Es müsse „endlich ein deutlicher Ruck durch unsere Reihen gehen“, resümieren die Neonazis aus Ostwestfalen. „Wir brauchen fanatische Eiferer für die es nichts als den Weg dieser Bewegung und ihren Idealen gibt. Die sich mit Leib und Leben der Sache verschrieben haben.“ (ts)

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