NRW: „Verbalinjurien parteischädigenden Charakters“

Bochum – Der NPD-Landesvorsitzende Claus Cremer hat sich noch nicht offiziell zu den Angriffen des Dürener Kreisverbandes gegen den Landesvorstand und ihn persönlich geäußert. Andere Funktionäre haben sich in den Kommentarspalten einer extrem rechten Internetplattform aber schon zu Wort gemeldet.

„Verbalinjurien parteischädigenden Charakters“ sieht Thorsten Crämer aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis, der beim Parteitag am Sonntag neu in den Landesvorstand gewählt worden war, in den Twittereien* aus Düren. Die Autoren würden sich „selbst ins Abseits schießen“. Er erinnert daran, dass nicht der neue Vorstand die Aufnahme von Reitz in die NPD abgelehnt habe. Dies sei „vielmehr von dem alten, angeblich so ,radikalen’ Vorstand beschlossen“ worden. Crämer weiter: „Daß diese Entscheidung eine Auswirkung auf das generelle Verhältnis von NPD und parteiunabhängigen Nationalisten in NRW hätte, ist durch nichts belegt, zumal Axel Reitz nicht deren Häuptling oder was auch immer ist.“ Als Beispiel nennt er im östlichen Ruhrgebiet „die harmonische und erfolgreiche Kooperation mit den parteiunabhängigen Dortmunder Kameraden, die gewiß innerhalb NRWs ein besonderes Schwergewicht darstellen“ würden.

Auch andere Funktionäre aus der Region versuchen, das Verhältnis zu den „freien“ Neonazis als nicht beschädigt darzustellen. Hans-Jochen Voß, Kreisvorsitzender für Unna und Hamm, notiert: „Unser Kreisverband freut sich auf jeden Fall auf eine weitere harmonische Zusammenarbeit mit unseren freien und autonomen Kameraden in NRW, ob sie Mitglied sind oder nicht ist uns dabei vollkommen egal, wenn sie sich als anständige Deutsche nur für unsere gemeinsamen Ziele konstruktiv einsetzen.“ Und der Autor „NPD Dortmund“ versichert, auch sein Kreisverband werde sich „weiterhin – so wie der gesamte LV – für eine Zusammenarbeit mit konstruktiven Parteilosen einsetzen“.

Ein Autor, dessen Name mit der NPD Wuppertal verlinkt ist, ist erstaunt angesichts der Attacken gegen den Landesverband: „Die Einträge im Dürener Twitter-Kanal wundern mich insofern, als solche Anwürfe auf dem Landesparteitag nicht geäußert wurden, obwohl Düren selbstverständlich mit mehreren Delegierten vor Ort war.“ Es gehe den Dürenern wohl auch ums „Dampfablassen“, weil ihr Kandidat – für welches Amt lässt der Autor offen – in geheimer Abstimmung nicht gewählt worden sei. Die Anträge zum Thema Reitz, so schreibt er, hätten bei einer Annahme „auf jeden Fall Verstöße gegen die Bundessatzung und eventuell auch noch gegen das Parteiengesetz nach sich gezogen“. Diese Aussage hätten die Dürener „am Sonntag komischerweise auch noch akzeptiert“. Sie seien beim Parteitag selbst „sehr diszipliniert und ruhig“ gewesen, „weshalb mich das heutige Gezwitscher sehr wundert“.

Timo Pradel, Landesorganisationsleiter im alten und stellvertretender Vorsitzender im neuen Landesvorstand, verwahrt sich gegen die Behauptung, bei der Landtagswahl habe sich gezeigt, dass die radikaleren Kreisverbände erfolgreicher gewesen seien: „Das die ,politikfähigen’ KV’s landesweit angeblich schlechter als die ,radikalen’ KV’s abgeschnitten haben, kann ich so nicht erkennen. In denjenigen Kreisverbänden, in welchen ein vernünftiger Wahlkampf geführt wurde, lagen die Wahlergebnisse durchweg höher, als in strukturschwächeren Gebieten, und hatte weniger damit etwas zu tun, ob sich der jeweilige KV nun einem ,politikfähigen’, bzw ,radikalen’ Kurs verpflichtet fühlte.“ Pradel macht den Dürener Kreisvorsitzenden Ingo Haller direkt verantwortlich für die Attacken auf Landesverband und Landesvorsitzenden: „Ob die Twitter-Meldungen tatsächlich aus Hallers Feder stammen, ist hierbei unerheblich, da er als Vorsitzender des KV Düren für die KV-Netzseite verantwortlich war und diese administrierte.“ (ts)