UN: Neonazi-Nachwuchs bereit zum „Heldentod“

Unna – Wenn es um ein ungebrochenes Verhältnis zum Nationalsozialismus und zu Adolf Hitler geht, ist das kleine Trüppchen der Neonazis aus Unna stets in der ersten Reihe ihrer Gesinnungs-„Kameraden“ zu finden. Jetzt ist die „Ortsgruppe Unna“ – auch die Bezeichnung „Ortsgruppe“ verweist auf eine Organisationseinheit der NSDAP – sogar bereit zum „Heldenmut“ und „Heldentod“ wie ihre politischen Ahnen beim „Hitlerputsch“ am 9. November 1923.

„Wir befinden uns im Krieg.“ Mit diesem lapidaren Satz beginnt ein Text, der am Freitag auf der Homepage der Unnaer Neonazis veröffentlicht wurde und sich mit einem Aufmarsch der Szene am 16. Oktober in Leipzig beschäftigt. „Nach Ende des offensichtlichen Krieges mit allabendlichen Bombenhagel auf deutschen Städten“ befinde man sich nun „in einer Phase des Krieges, der viel subtiler geführt wird“, heißt es dort. Maschinengewehre, Raketen, Bomben, atomare Sprengkörper benötige der „Völkerfeind“ heute nicht mehr. „Heute kann der systematische Ausrottungsfeldzug gegen freie Völker und Nationen auf subtiler Ebene fortgeführt werden, weil diese Völker und Nationen selbst von Denen gelenkt werden, die im Auftrag der globalistischen Hochfinanz handeln, die Demokraten.“

Früher habe man „die Völker Europas in einen Krieg stürzen“ müssen, um zu verhindern, dass das „Deutsche Reich mit seinem völkischen und antikapitalistischen Kurs im Sinne der Brechung der Zinsknechtschaft als Vorbild für andere Nationen fungiert“, fantasieren Unnas Neonazis. Heute zögen „jene Weltvergifter die Fäden über den demokratischen Parlamenten in ganz Europa, wie ein übermächtiger Puppenspieler mit Dollarnoten in den Augen, der über Nation zu Nation hinwegfegt und Volk für Volk entwurzelt, um aus der natürlich gewachsenen Volksgemeinschaft eine Ansammlung von Konsumtieren zu formen“.

Im NS-Jargon geht es in dem braunen Elaborat ungebremst Zeile um Zeile weiter, wird gewettert gegen „einen Menschenbrei, in dem sich entartete Menschen wiederfinden, Rassenmischungen, deren Geist und Seele nicht mehr mit dem Rest ihrer lebendigen Hülle übereinstimmen“, oder gegen die Regierung des „alliierten Konstrukts“ Bundesrepublik Deutschland, die „unseren eigenen Volkstod im Sinn hat“.

So weit sind dies keine neuen Töne der Unnaer Neo-Nationalsozialisten. Alles of gehört. Neu ist aber ihr Blick auf jene Demonstration Mitte Oktober in der Sachsen-Metropole und darauf, was sie für die Neonaziszene bedeuten könnte: „Wenn wir am 16. Oktober auf den Straßen Leipzigs stehen, dann sind wir es, die entweder als Vorreiter einer seit 60 Jahren verteufelten Idee – die Idee der Volksgemeinschaft – eines Tages in den Geschichtsbüchern stehen oder als Aufständische, die eines nicht allzu fernen Tages niedergeschossen wurden, wie die Helden des 9. Novembers in München.“ Und weiter geht’s in verbalem Märtyrermut: „Wenn wir als Deutsche in einem freien Deutschland und in einem Europa der Vaterländer, fern ab der kapitalistischen Globalisierung, der Zinsknechtschaft der Hochfinanz, der Kulturvernichtenden Multikultur und Masseneinwanderung leben wollen, dann werden wir Opfer bringen müssen.“

Der 16. Oktober 2010 in Leipzig wird für Unnas Neonazis so zur Neuauflage des 9. November 1923: „Wer vermag zu sagen, ob nicht an diesem Tag in Leipzig Pistolenschüsse fallen, es war schon letztes Jahr fast soweit. Wer vermag schon zu sagen, was passiert, wenn wir vor einer Polizeikette stehen, daran gehindert werden, unser Recht auf Leben, unser Recht auf Zukunft einzufordern.“ Und ganz pathetisch schließt die „Ortsgruppe Unna“ mit dem unvollendeten Satz: „Wenn wir wissen, dass es nur den totalen Sieg oder den totalen Untergang geben kann…“ (ts)

  • Einige ältere Beiträge über die Aktivitäten Unnaer Neonazis aus diesem Jahr:

/nrwrex/2010/08/lesetipp-bekenntnis-zum-f-hrer

/nrwrex/2010/07/un-neonazis-wollen-demokraten-vertreiben

/nrwrex/2010/06/nebenbei-hans-jochen-vo-und-wie-schwierig-es-ist-heutzutage-halbwegs-brauchbares-neon

/nrwrex/2010/03/un-gewalt-gegen-die-demokratie-absolut-legitim

/nrwrex/2010/03/un-auch-neonazis-aus-unna-ben-sich-kriegsrhetorik

/nrwrex/2010/02/waf-mit-der-hakenkreuzfahne-durch-die-nacht

/nrwrex/2010/02/nrw-feindkontakte-und-bolschewistisches-gesindel

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