Nebenbei: „Republikaner“ träumen von „Eicken 21“

Mönchengladbach – Die Neigung bei „pro NRW“, Allerweltsberichte zur „exklusiven“ Nachricht aufzublasen, eigene Aktivitäten – und seien sie noch so mickrig – zum „fulminanten“ Erfolg umzudichten, sich selbst als „seriös“ und „rechtsdemokratisch“ darzustellen: All dies ist bekannt und daher in den Meldungen auf dieser Seite maximal einen Nebensatz wert. Neu ist hingegen, dass offenbar ein paar Stunden physischer Nähe zu „pro NRW“-Funktionären ausreichen, damit die anschließend jenseits jeder Bodenhaftung verfassten Pressemitteilungen aussehen, als stammten sie aus der Schreibstube der selbst ernannten „Bürgerbewegung“.

Der „Republikaner“-Bundesvorsitzende Rolf Schlierer war am Samstag bei der „pro NRW“-Demonstration in Mönchengladbach zu Gast. Seit’ an Seit’ schritt er mit „pro NRW“-Chef Markus Beisicht durch den Stadtteil Eicken. Dass er Beisicht noch vor ein paar Monaten zu den Intriganten gerechnet hatte, die ihm schon vor eineinhalb Jahrzehnten ans Leder wollten, dass er davor gewarnt hatte, „genau diesen Figuren jetzt eine Chance zu bieten“, dass er „Anbiederungs- und Umarmungsversuche“ von „pro“ abgewiesen hatte, weil er nicht „in braunen Ecken“ kuschele: All dies tut hier nichts zur Sache. Einen, dem das Wasser dank chronischer Erfolglosigkeit bis zum Halse steht, darf das Geschwätz von gestern nicht stören.

Interessant ist aber die Pressemitteilung zum Thema, die die Bundesgeschäftsstelle der „Republikaner“ zwei Tage später veröffentlichte. Die Überschrift „Erfolgreicher Protest gegen Islamisten“ (ganz ohne Ausrufezeichen) verrät zwar in ihrem ganzen Understatement noch einige Defizite, schließlich hatte „pro NRW“ in der Demonstration ein „Machtvolles Protestzeichen gegen Islamisierung!“ (selbstredend mit Ausrufezeichen) erkannt. Doch ansonsten ist der namentlich nicht genannte Autor der Pressemitteilung schon sehr gelehrig. So fantasiert er – der Neigung von „pro“ zur Übertreibung folgend – von „350 Teilnehmern“ der Abschlusskundgebung.

Und es gelingt ihm locker, Unangenehmes wegzulassen. Dass unterwegs auch Andreas Molau sprach? Aus der REP-Mitteilung erfährt man das nicht. Dabei wäre es sicher interessant zu erfahren, in welchen politischen Winkeln aus „Republikaner“-Sicht das Ex-NPD-Vorstandsmitglied zu verorten wäre, wenn der REP-Vorsitzende schon die „pro NRW“-Spitzenfunktionäre, die anders als Molau nie NPD-Vorsitzende hatten werden wollen, vor nicht einmal einem Jahr in „braunen Ecken“ lokalisierte.

Doch der Autor der Pressemitteilung kann’s noch viel besser. Die Aktion von Mönchengladbach werde fortgesetzt, verrät er. Und wie? „Nach dem Vorbild des Protests gegen ,Stuttgart 21’.“ Auf diesen Vergleich nicht selbst gekommen zu sein, das dürfte Beisicht, Wiener & Co. noch lange Zeit wurmen. Vor unserem geistigen Auge sehen wir Zehntausende einmal in der Woche durch die Straßen Eickens ziehen, vorneweg Rolf Schlierer und Markus Beisicht, das Dreamteam des Anti-Islamismus. Und wir warten gespannt auf die nächsten Pressemitteilungen zum Thema. Man könnte, um den „Stuttgart 21“-Gedanken weiterzuspinnen, Thilo Sarrazin als Schlichter vorschlagen. Der hat ja jetzt mehr Zeit. (rr)