Nebenbei: „Wilde Gewaltorgien sind hier fehl am Platz“

Marl – Ein Neonazi-„Aktivist“ aus Marl hat sich Gedanken um die „Außenwirkung“ seinesgleichen gemacht. Von „wilden Gewaltorgien“ und Alkoholgenuss rät er ab.

Jeder solle „gerade bei öffentlichen Veranstaltungen darauf achten sich selbstkritisch zu hinterfragen, sein Verhalten zu reflektieren und versuchen ein bestmögliches Bild nach außen abzugeben“, meint er. Die „Außenwirkung“ stelle „eine unheimlich starke Waffe gegen das System dar“ – was aber dem einen oder anderen aus seinen Reihen noch nicht ganz bewusst zu sein scheine, wie er diagnostiziert hat. Folglich erteilt der Marler „Aktivist“ auf der Internetseite des örtlichen „Nationalen Widerstands“ ein wenig Nachhilfeunterricht.

Die „Welle der Erneuerung (die im Sinne des Stielwechsel im Widerstand gemeint ist)“ habe nicht nur gute Dinge mit sich gebracht und sogar „viele volksschädlichen Elemente in den Widerstand getragen“, notiert er und meint offenbar vor allem einige rechts-„autonome“ Auswüchse und Personen. „Zum Beispiel war ein großes Thema, das beschriften von Transparenten mit Anglizismen.“ Dieses Problem sei aber „gesichtet und auf ein erträgliches maß heruntergestuft oder ganz beseitigt“ worden, kann er seine „Kameraden“ beruhigen.

Offenkundig sei, „dass der Nationale Widerstand sich strikt von dem Weltbild, das U.S.rael verkörpert, distanziert“. Und da sieht der Marler Neonazi, der nicht nur mit Anglizismen zu kämpfen hat, sondern erkennbar auch mit seiner eigenen Muttersprache, letztlich doch noch gehörige Defizite bei seinen Kameraden: „Also sollten es vermieden werden, Produkte aus Israel und den USA die, eine kapitalistische Fremdherrschaft in irgendeiner Art und Weise unterstützen oder verkörpern, von Aktivisten des Nationalen Widerstand gekauft zu werden“, stammelt er vor ich hin.

Cola, Fanta oder Sprite haben also bei Veranstaltungen der Szene nichts zu suchen, selbst Kaugummis sind nicht gern gesehen. Und auch für die Zeit nach dem Neonazi-Aufmarsch hat er Schreckliches entdeckt: „Des Öfteren konnte man auch schon beobachten, dass Aktivisten nach einer Teilnahme an einer nationalen Demonstration, in das nächstgelegene Besatzer-Restaurant (Sprich McDreck u.Ä.) rennen um dort ihren Hunger zu stillen.“

Sepp Herbergers Fußballweisheit, dass nach dem Spiel zugleich auch stets vor dem Spiel ist, wandelt er ungelenk zur neuen Neonazi-Devise ab: „Vor der Demo ist nach der Demo.“ Dieses Motto bedeute, „dass man sich vor der Demo, während der Demo und nach der Demo vorbildlich und anständig zu präsentieren hat. Wilde Gewaltorgien sind hier ebenso fehl am Platz, wie massenweises skandieren fremdländischer Parolen“. Und auch auf das Bier nach der Demo soll der gemeine Neonazi verzichten: „Dieser Alkoholkonsum führt zu einer aggressiven Grundstimmung und fördert so das ,Asitum’.“

Und wozu das alles? „Das Ziel des Widerstands ist es unsere Volksgenossen wach zu rütteln und über die katastrophalen Umstände in dem besetzen Teil von Deutschland (BRD) aufmerksam zu machen.“ Was wiederum die Frage aufwirft, wo Marler Neonazis den aus ihrer Sicht „unbesetzten Teil von Deutschland“ verorten und wie er heißen könnte. (rr)

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