DO: Neonazis melden Demonstrationen für Heiligabend, Silvester und Neujahr an

Dortmund – Man könnte auf die Idee kommen, dass Dortmunds Neonazis ihre lokale Polizei und Gegendemonstranten mürbe machen wollen: Für Heiligabend, Silvester und den Neujahrstag kündigten sie weitere Demonstrationen an.

Heute Nachmittag zogen rund 130 Neonazis aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland drei Stunden lang durch den Süden der Dortmunder Innenstadt. Ihr Ziel: das Polizeipräsidium. Anlass für den Neonazi-Auflauf war eine Durchsuchungsaktion in der vorigen Woche, die sich gegen den „Resistore-Versand“ richtete. Der Versandhandel von Dennis Giemsch, einem der „Köpfe“ der „Autonomen Nationalisten“ aus der Ruhrgebietsstadt, soll indizierte CDs mit volksverhetzendem Inhalt vertrieben haben.*

Mehrere Redner forderten denn auch bei der Auftaktkundgebung an der U- und S-Bahn-Station Stadthaus und bei den Zwischenkundgebungen unterwegs die Abschaffung jenes Paragrafen, der Volksverhetzung unter Strafe stellt. Umgekehrt feierten sie Neonazis, die gegen diesen Paragrafen verstießen und deswegen derzeit einsitzen, wie Horst Mahler, oder eingesessen haben, wie beispielsweise Ernst Zündel.

Neben den Dortmunder Rednern Christoph Drewer und Michael Brück traten bei der Demonstration Neonazis aus dem Kreis Recklinghausen sowie aus Ahlen ans Mikrofon. Einer der beiden Ahlener Redner schwelgte bei der Zwischenkundgebung vor dem Präsidium in Zukunftsvisionen: Er träumte von Zeiten, da – ähnlich wie vor mehr als 60 Jahren – nurmehr eine Partei im „Parlament“ vertreten sei. Mit von der Partie waren bei der Demonstration auch das Dortmunder NPD-Stadtratsmitglied Axel Thieme sowie – als Ordner – der NPD-Kreisvorsitzende für Unna und Hamm, Hans-Jochen Voß.

Unterwegs mussten die Neonazis leicht von der geplanten Demo-Route abweichen. Aus Sicherheitsgründen ließ die Polizei sie nicht durch die Saarlandstraße laufen. Statt dessen ging es über Landgrafenstraße und Wittelsbacher Straße Richtung Präsidium. Die Neonazis werteten dies als „Schikane“ und meldeten zunächst eine „Demonstration mit Live-Musik“ für den Silvesternachmittag und -abend an. Später schoben sie weitere Demo-Ankündigungen für Heiligabend und Neujahr nach. (ts)

* http://www.bnr.de/content/erfolgreiche-razzia