K/B: Rouhs soll zum Rückzug aus Köln gedrängt werden

Köln/Berlin – Wie lange Manfred Rouhs noch dem Kölner Stadtrat angehört? Nicht mehr lange, wenn es nach denen geht, die im Schutze der Anonymität an seinem Abgang arbeiten.

Als „pro Köln“-Mitbegründer Manfred Rouhs vor einem Monat bei der Mitgliederversammlung der rechtspopulistischen „Bürgerbewegung“ abgestraft wurde und nur noch im zweiten Wahlgang mit einem äußerst schwachen Ergebnis den Sprung in den Vorstand schaffte, hatte sich diese Entwicklung zuvor in einschlägigen Foren bereits angedeutet.* Nun spricht einiges dafür, dass der nächste Schritt vollzogen werden soll: Rouhs soll dazu gedrängt werden, sein Ratsmandat in Köln abzugeben.

Auch diese nächste Etappe bei dem Versuch, Rouhs in der Domstadt loszuwerden, wird unter anderem im Schutze der Anonymität im Internet vorbereitet. Die Plattform „freiheitlich.org“ preschte heute voran. „Wir sind parteiisch aber keine Partei. Freiheitlich wird rechtsdemokratische Bemühungen unterstützen, die in die Zukunft weisen“, heißt es in der Beschreibung ihres Selbstverständnisses. Tatsächlich wirken nicht wenige Beiträge auf dieser Seite so, als stammten sie aus der Feder von „pro NRW“-Funktionären oder -Öffentlichkeitsarbeitern, die „freiheitlich.org“ als zweite Abspielstation für ihre Verlautbarungen nutzen – unter anderem für solche, die auf der offiziellen Internetseite einer Partei deplaziert wären, weil sie zu viele Interna enthalten.

Dort also erschien heute unter der Überschrift „Lässt Manfred Rouhs Berlin fallen?“ ein Beitrag über den „pro Köln“- und „pro Deutschland“-Funktionär. Autor „Redaktion“ verpackt seine Kritik an Rouhs zunächst in süßes Lob: „Beachtliche Aktionen“ habe Rouhs mit seiner „Bürgerbewegung pro Deutschland“ zur Vorbereitung auf die Abgeordnetenhauswahl in Berlin durchgeführt. Aber: „freiheitlich.org“ hätten nun Informationen erreicht, „die aufhorchen lassen. Es heißt, Manfred Rouhs wolle selbst in Berlin überhaupt nicht kandidieren, sondern er schicke einen unbekannten Kandidaten ins Rennen. Das lässt die Befürchtung laut werden, Rouhs habe diese Wahl selbst abgeschrieben“. Es sei „mehr als ein verheerendes Signal“, wenn Rouhs selbst nun Abstand vom Unternehmen Abgeordnetenhauswahl nehmen würde: „Die Pro-Bewegung ist um ihrer Glaubwürdigkeit willen gut beraten, darauf zu dringen, dass Berlin entweder ganz oder gar nicht durchgezogen wird.“

Innerhalb weniger Stunden wurden gleich 53 Kommentare zum Text veröffentlicht. Eine für „freiheitlich.org“ ungewöhnlich hohe Zahl. Kein Beitrag, der in diesem Monat publiziert wurde, stieß auf ein ähnlich großes Echo. Die überwiegende Zahl der Kommentatoren teilt die Meinung der „freiheitlich“-Redaktion. Rouhs, dessen rhetorischen Fähigkeiten limitiert sind und dessen Charisma deutlich ausbaufähig wäre, soll sich für eine Kandidatur in Berlin entscheiden und in Köln den Hut nehmen.

„Ich bin regelrecht geschockt! Was ist mit Rouhs los. Er muss natürlich für sein Projekt in Berlin, dass glücklicherweise gut angelaufen ist als Spitzenkandidat in den Ring. Alles andere wäre völlig unglaubwürdig! Er hat doch bereits in Köln alle Brücken abgebrochen“, meint beispielsweise Kommentator „Nele“. Hinter dem Pseudonym vermuten nicht wenige einen führenden „pro Köln“- und „pro NRW“-Politiker. Köln müsse jetzt, säuselt „Nele“ eine Stunde nach seinem ersten Kommentar, für Berlin ein Opfer bringen und Rouhs ziehen lassen. So groß wäre das Opfer allerdings gar nicht, wenn Rouhs den Stadtrat verließe, wie „Nele“ dann selbst feststellt: „In Köln gibt es übrigens mit dem Schatzmeister Schiele einen absolut integeren Nachrücker.“ Und im Übrigen ist seiner Meinung nach Rouhs’ Bedeutung auch in anderer Hinsicht zu relativieren: „Die Wahlerfolge wurden primär dank Wiener,Wolter und dem PRO-Motor Beisicht errungen.“

Wenig freundlich mit Rouhs geht auch Autor „Mises“ um. Er unterstellt Rouhs, er würde seine Kölner Mandatspflichten nicht erfüllen, und meint, augenscheinlich glaube er selbst nicht an seinen Erfolg in Berlin „und möchte nach einer Niederlage weich auf seine Mandate im Rat und in der Bezirksvertretung fallen“. Bis dahin schade er „der ganzen pro-Familie und insbesondere pro Köln. Das ist ein unhaltbarer Zustand“.

Ein Rouhs-Kollege aus dem „pro Deutschland“-Vorstand spricht derweil von einer „ganz miesen Masche“, mit der Rouhs demontiert werden solle. Bisher aber hatte diese Masche im Umgang mit Rouhs Erfolg: Ob bei der „pro Köln“-Versammlung, als er bei der Vorstandwahl in den Senkel gestellt wurde, oder kurz darauf, als er das Ende der bundespolitischen Ambitionen von „pro Deutschland“ kundtun musste.** (ts)

* /nrwrex/2010/11/k-pro-k-ln-doch-nicht-so-beraus-harmonisch

** /nrwrex/2010/11/brd-manfred-rouhs-rudert-zur-ck