MK: NPD-Pradel im Iserlohner Stadtrat „Zünglein an der Waage“

Iserlohn – Allein gegen alle „Fundamentalopposition“ zu betreiben oder aber alternativ bei Abstimmungen entscheidenden Einfluss nehmen zu können: Das sind die beiden Lieblingspositionen von Kommunalpolitikern der extremen Rechten in den Räten und Kreistagen. In Iserlohn konnte NPD-Ratsmitglied Timo Pradel jetzt jubeln: Ein weiteres Mal habe er sich mit seiner ausschlaggebenden Stimme im Stadtrat als „Zünglein an der Waage“ betätigen können.

Die neugefassten Förderrichtlinien des Integrationsrates fielen in der Iserlohner Ratssitzung gestern Abend durch. Dafür stimmten die 23 anwesenden Mitglieder von SPD, Grünen und Linken. Doch auch 23 Gegenstimmen wurden gezählt. Die 22 Ratsmitglieder von CDU, FDP und UWG, die an der Sitzung teilnahmen, votierten mit einem Nein – außerdem der NPD-Kreis- und stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Pradel.

Streitpunkt zwischen CDU, FDP und UWG auf der einen Seite und SPD, Grünen und Linken auf der anderen Seite war ein Detail der Förderrichtlinien. Der konservativ-liberale Teil des Stadtparlaments wollte festgeschrieben sehen, dass der Integrationsrat aus seinem bescheidenen Fördertopf nur solche Theateraufführungen bezuschussen solle, die in deutscher Sprache durchgeführt werden. SPD, Grüne und Linke hielten diese Vorschrift für verzichtbar.

Dank der – erwartbaren – Gegenstimme des NPD-Vertreters und der Bereitschaft eines Teils des Rates, diese Stimme für eigene Interessen zu nutzen, fielen die Richtlinien am Ende gleich ganz durch. Und der NPD-Ratsherr, der vom Integrationsrat ohnehin und prinzipiell nicht viel hält, konnte sich freuen: Die Abstimmung habe gezeigt, so Pradel, „dass die NPD, als einzige Ratspartei ohne Fraktionsstatus, trotzdem ein wichtiger Faktor im Stadtrat ist“. (ts)

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