SI: Jahrestag der Bombardierung diesmal ohne Neonazi-Demonstration

Siegen – Weg von den Demonstrationen, hin zu Volksbildung: Das Siegener Bündnis für Demokratie hat den Jahrestag der Bombardierung Siegens auf eine innovative Art begangen.

Statt Demonstration bot das Bündnis einen Stadtrundgang zu den Stätten des Nationalsozialismus in Siegen an. 13 Gruppen von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien bis zum Sozialistischen Deutschen Studentenbund hatten 13 Orte  thematisch aufgearbeitet  und boten dort Informationen zum Thema. Gewissermaßen als Abschluss verlegten Aktive des Stadtjugendringes vier „Stolpersteine“ am Siegener Kornmarkt, mit denen an Siegener jüdische Familien erinnert wurden. Die heftigen Schneefälle verhinderten zwar größeren Besucherzuspruch, aber das Konzept wurde übereinstimmend als tragfähig und wiederholenswert  bewertet. Besonders positiv bewertete das Bündnis das Interesse und das Engagement von Schulen.

Der Auslöser für die erste Demonstration im Jahr 2008 war eine Demo von Neonazis. Dabei war sich das Bündnis aber immer einig, dass es keine Gegenveranstaltung organisieren wollte. Es sei darum gegangen, dass die Neonazis den Gedenktag nicht für sich instrumentalisieren sollten. Nachdem die zweite Demonstration des Bündnisses 2009 schwächer besucht war, hatte man sich die neue Strategie ausgedacht.

Die Neonazis von den „Freien Nationalisten Siegerland“ (FNSI) verzichteten im Jahr 2010 auf eine eigene Demonstration, ohne Gründe zu nennen. Stephan Flug, der dem neonationalsozialistischen Flügel der NPD zugerechnete Kreisvorsitzende der Partei, begründete den Verzicht  auf originelle Weise. Die NPD sehe „von einer öffentlichen Kundgebung ab, da wir die Erinnerung an die alliierten Bombenmörder und deren unschuldige Opfer nicht zu einem politischen ,Schaukampf’ mit teils linken Chaoten und politisch motivierten ,Trittbrettfahrern’ umgestalten lassen“. Und weiter heißt es auf der NPD-Internetseite: „Politische Auseinandersetzungen mit den Meinungsvertretern des ,Siegener Bündnisses’ werden wir Nationaldemokraten und die Deutschen, die auch in Zukunft noch Deutsche sein wollen, an Terminen wahrnehmen, die nicht die Würde und das stille Gedenken an die Opfer des 16. Dezember 1944 ad absurdum führen.“

Tatsächlich soll die Bereitschaft der „Freien Nationalisten“, in diesem Jahr den Organisationsaufwand für eine weitere Demonstration zu betreiben, deutlich gesunken sein. Zudem gab es auch personelle Verluste: Mindestens zwei Aktivisten stiegen in den vergangenen Monaten aus dem FNSI-Betrieb aus. Von einem wird das Zitat kolportiert, er sei es leid gewesen, dass man sich in der Siegener Neonazi-Truppe immer nur besaufe und gegenseitig auf die Schnauze haue. (jcs)

  • Ein Bericht über die Neonazi-Demonstration am 16. Dezember 2009 findet sich hier:

/nrwrex/2009/12/si-130-neonazis-demonstrieren-am-rand-der-innenstadt