GE: Rechtsrock-Band „Sturmwehr“ 2011 nicht mehr live auf der Bühne

Gelsenkirchen – „Sturmwehr“, die Rechtsrockband des Gelsenkircheners Jens Brucherseifer, wird in diesem Jahr nicht live auf der Bühne stehen. Brucherseifer ist gefrustet vom Neonazi-Musikbetrieb und der Kritik aus Teilen des Publikums.

Auflösen mag er seine seit rund 17 Jahren bestehende Band aber nicht, wie das innerhalb der Neonaziszene vermutet worden war. Stattdessen ist er zunächst erst einmal solo als Liedermacher unterwegs. Zuletzt war ein Auftritt Brucherseifers beim „politischen Jahresauftakt“ der sächsischen NPD angekündigt, der am vorigen Samstag in Limbach-Oberfrohna stattfand.

Brucherseifers Stellungnahme zu den Meldungen über eine mögliche Auflösung der Band wirft kein gutes Licht auf die Szene. Er beklagt „Anfeindungen und übelste Verleumdungen“ aus den eigenen Reihen: „Es wurde sehr persönlich und selbst vor meiner Familie wurde kein halt mehr gemacht.“ Aus „Unwissenheit, Neid und was weiß ich nicht noch“ würden „Lügengeschichten“ verbreitet.

„Genauer eingehen darauf oder einzelne Details nennen“ zu den Vorwürfen gegen seine Band mag er zwar nicht, wie er schreibt – tut das dann aber doch. Zum Beispiel das Thema Kommerzialisierung: „Geldscheffelei die uns gerne immer vorgeworfen wird...begehen ganz andere....!“, schreibt er. Zwar verdiene die Band etwas an einer CD, aber: „Das man davon leben könnte ist mehr als nur Utopisch. Da müsste man mindestens jeden Monat ein oder zwei Produktionen auf den Markt werfen.“ Das – in der Tat – schaffte nicht einmal „Sturmwehr“, trotz rasant aufeinanderfolgender Veröffentlichungen.

Dabei wolle er nicht falsch verstanden werden, betont der „Sturmwehr“-Chef: „Wer Geld, Arbeit etc. in eine Sache/Produktion steckt wie z.b. jemand der einen Vertrieb führt und leitet, soll selbstverständlich auch sein Auskommen haben.“ Die meisten Betreiber von Rechtsrock-Vertrieben würden davon auch leben können: „Was ja auch völlig legitim ist! Nur bei uns Musiker ist das anscheinend immer was anderes. Wir sollen am besten noch was oben drauf legen...“

Im vorigen Jahr habe er sich mit dem Gedanken getragen, „Sturmwehr“ aufzulösen – was ihm im Rückblick nun „ein wenig übers Ziel hinaus geschossen“ und „vielleicht auch ein bissel überreagiert“ erscheine, so Brucherseifer. Der Kompromiss: Live-Auftritte von „Sturmwehr“ soll es 2011 nicht geben. Andere Bandmitglieder, die zugleich bei der Rechtsrockformation „Words of Anger“ aktiv sind, könnten sich, so Brucherseifer, „mal wieder auf Ihre eigene Gruppe konzentrieren und mit dieser Band durch die Lande ziehen“. Er selbst will bei „Balladenabenden“ auftreten.

Dass der rasante Ausstoß von „Sturmwehr“-CDs damit ebenso pausiert, ist freilich offenbar nicht zu erwarten: „Da noch laufende Verträge bestehen werdet ihr leider nicht verschont bleiben mit neuen Texten und Melodien...“ (ts)