LEV: Christian Worch übt sich als „pro NRW“-Berater

Leverkusen – Christian Worch, einst in Hamburg und inzwischen in Mecklenburg lebender Neonazi mit einer mehr als 30-jährigen „Karriere“ am braunen Rand der Republik, übt sich als Berater von „pro NRW“.

„Wir sind parteiisch aber keine Partei“, heißt es in der Selbstdarstellung des Internetblogs „freiheitlich.org“. Tatsächlich wird in den Beiträgen des Blogs stets die Position von „pro NRW“ vertreten. Lobend erwähnt werden ansonsten nur solche Parteien, die den Rechtspopulisten vom Rhein bereits jetzt nützlich sein können, wie die „Republikaner“, umschmeichelt solche Parteien, die zwecks Bündnisbildung potenziell noch nützlich werden könnten.

Kein gutes Wort hingegen gibt’s hingegen für jene rechten Kräfte, die dem Liebeswerben von Markus Beisicht & Co. partout nicht erliegen mögen. Rene Stadtkewitz’ Partei „Die Freiheit“ ist beinahe Tag für Tag Zielscheibe der Kritik. In den Diskussionsspalten wird verbal geradezu hasserfüllt und bis hin zu Anspielungen zu seinem Gesundheitszustand auf den Berliner Ex-CDU-Politiker eingeprügelt, der – vom Moderator ungeahndet – nicht selten als „Stasiwitz“ tituliert wird.

Nicht zuletzt spiegeln sich in den Diskussionen bei „freiheitlich.org“ auch Konflikte innerhalb der „Pro-Bewegung“ wider. Konkret: die Auseinandersetzungen zwischen „pro NRW“/„pro Köln“ mit Markus Beisicht und Markus Wiener auf der einen Seite und „pro Deutschland“ mit Manfred Rouhs auf der anderen Seite. Manche Diskussionsbeiträge über Rouhs lasen sich in den letzten Wochen wie eine bis ans Mobbing reichende Demontage des Kölner Stadtrats, der zu einem Mandatsverzicht gedrängt werden sollte.

Aktuell schießen sich einige Diskussionsteilnehmer auf Alfred Dagenbach ein. Er ist Stellvertreter von Rouhs im Vorsitz von „pro Deutschland“ und war einst Mitglied der „Republikaner“. Immer wieder lässt Dagenbach erkennen, wie wenig er von seiner alten Partei und ihrem Vorsitzenden Rolf Schlierer hält, mit dem „pro NRW“ in den nächsten Jahren eine gemeinsame Wahlplattform gründen will.

Mitten hinein ins Getümmel rund um Dagenbach und Schlierer begab sich am Samstag nun Christian Worch. Ungefragt bot er dem Diskussionsteilnehmer „Rieke“, hinter dessen Pseudonym nicht wenige einen hochrangigen „pro NRW“- und „pro Köln“-Funktionär vermuten, an: „Möchtest du eine Analyse von einem völlig Außenstehenden über das Verhältnis zwischen der Pro-Bewegung in ihren diversen Verästelungen einerseits und zwar nicht die Republikaner in toto, wohl aber Dr. Dr. Rolf Schlierer als Person?“ Sein, wie Worch einräumt, „mangelndes Detailwissen“ könne ausgeglichen werden dadurch, „daß ich eben die privilegierte Situation genieße, völlig außenstehend zu sein“.

Tatsächlich ging nicht „Rieke“, sondern der Moderator des sehr „pro“-nahen Blogs eilig auf das großzügige Angebot ein: „Uns würde Ihre Analyse schon interessieren. Wir stimmen zwar Ihren Auffassungen nicht zu, andererseits scheinen Sie ein unabhängiger Kopf, guter Beobachter und guter Analytiker zu sein.“ Zugleich kündigte er an, man werde die Analyse „nicht freischalten, aber in unsere redaktionellen Überlegungen mit einbauen“.

Sechs Stunden später war das Opus offenbar fertig, für das sich „Freiheitlich.org“ gleich zwei Mal brav bedankte: Man werde die „Analyse“ erst einmal intern und konstruktiv nutzen. Dass der zweifache Dr. an der Spitze der „Republikaner“ in Worchs Ausarbeitung nicht allzu gut davonkommt, darf vermutet werden – was wiederum den Verzicht von „freiheitlich.org“ auf eine Veröffentlichung des Textes erklären würde. Dr. Dr. Rolf Schlierer wird – egal was man von ihm halten mag – (noch) gebraucht. So jemand darf durch zu harsche öffentliche Kritik erst einmal nicht gereizt werden. (rr)