Nebenbei: „Pro NRW“-Bezirkschef weggetreten

Gelsenkirchen – „Pro NRW“, mit angeblichen Fachleuten für alle möglichen Lebenslagen schon reichlich gesegnet, hat nun auch einen militärpolitischen Experten. Kevin Gareth Hauer, Leutnant der Reserve, führt zwar diesen Titel noch nicht auf seiner Visitenkarte, fühlt sich aber schon so.

Die Bundeswehr im Jahre 2011: Drill, bis die Kadettinnen aus der Takelage stürzen, ein Schulschiff als das größte schwimmende Bordell Deutschlands, Soldaten, die sich beim Rumhantieren mit ihren Waffen gegenseitig erschießen, ein Wehrbeauftragter, der über den Schlafmangel der Soldaten klagt, dazu ein Verteidigungsminister, der bevorzugt bei Kerner Arbeit tut, wenn er nicht gerade das Parlament falsch unterrichtet. Zu solchen Zeitungsmeldungen muss „pro NRW“ doch etwas zu sagen haben, dachte sich der „Offizier der Fallschirmjägertruppe“ Hauer und stürzte sich mutig an die Heimatfront.

Als „Erziehungswissenschaftler“ hatte „pro NRW“ Hauer zeitweilig präsentiert. Doch pädagogisch gibt der Gelsenkirchener Stadtrat eher ein schwaches Bild ab. Auf dem Feld des Militärs hingegen blüht er richtig auf. Schlafmangel hin, Klagen über Drill und Schikanen her – Hauer sagt, wo’s langgeht: „Anscheinend verwechseln die verbrauchten Altpolitiker die Bundeswehr mit einem Karnevalsverein.“ Selbstverständlich müsse es sein, „dass Drill und Ausbildung härter aufgebaut sein muss als die Ausbildung eines Bankkaufmannes“. Schließlich solle die Bundeswehr „in Afghanistan u.a. für Sicherheit sorgen“ und „im Ernst- bzw. Verteidigungsfall unsere Grenzen schützen“, erklärt Hauer, während er die ersten in Gelsenkirchen anrollenden sowjetischen, pardon: inzwischen russischen T-54 erwartet.

Die heutigen Ausbildungsstandards seien sogar zu lasch, kritisiert er: Schärfer und öfter wiederholt werden müsse der Drill. Geschadet hat das noch niemandem – jedenfalls keinem richtigen Soldaten, wie Hauer einer ist. Auch er hat eine harte Ausbildung genossen und kann sogar von Übungen berichten, bei denen Soldaten über die Bäuche der Kameraden gelaufen sind: „Dies hat aber niemand als Schinderei angesehen, sondern als körperliche Belastungsprobe.“ Dass bei solchen Übungen gelegentlich und aus Versehen der Springerstiefel eines Kameraden auch seinen Kopf getroffen und welche Folgen das bis heute hat ist nicht überliefert...

Auch was die Klagen über mangelnde Ruhezeiten der Soldaten anbelangt, fehlt Hauer das Verständnis für so viel Weicheiigkeit: In der Ausbildung dürfe es doch selbstverständlich keinen „Dienstschluss“ geben, sondern lediglich eine „Dienstunterbrechung“, schreibt er, und man ahnt beim Lesen, dass er genau dies viel lieber nicht nur einfach so niedergeschrieben, sondern als Tagesbefehl herausgegeben hätte...

Und die „Gorch Fock“ als „schwimmender Puff“? Dies sei ein „Sittenverfall“, räumt der Leutnant d.R. ein – aber einer, der seinen Ursprung weniger in den kämpfenden Einheiten hat, sondern eher in den verweichlichten Teilen der Armee weit hinter der Front. Hauer: „Diesen Sittenverfall konnte man schon zu meiner Zeit bei den verschiedenen Sanitätsstandorten und -schulen beobachten.“

Womit wir indirekt beim Thema Frauen in der Bundeswehr wären. Denn immerhin haben sich die Frauen vom offenbar bordellähnlichen Sanitätsdienst aus mehr und mehr in der Bundeswehr breitgemacht. „Kritisch“ sieht Hauer die Anwesenheit von Frauen in der Armee: „Viele Frauen sind körperlich gar nicht in der Lage, den Dienst vernünftig zu verrichten.“ Selber schuld, wenn sie dann aus 27 Metern Höhe aus der Takelage zu Boden stürzen? Nein, das schreibt Hauer nicht explizit.

Stattdessen weiß der Heimatfrontkämpfer Hauer, dass der Fisch vom Kopf stinkt. Also widmet er sich auch der Spitze des Verteidigungsministeriums: „In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass viele Minister kaum bzw. sogar gar keine Ahnung von der Truppe hatten.“ Gerade in diesem Bereich müssten aber Menschen mit „internen Kenntnissen“ eingesetzt werden, so der 32-jährige Leutnant der Reserve. „Leute mit Kenntnissen, wie z.B. General Günzel“ müssten die Geschicke des Ministeriums lenken, fordert er.

Leute wie jener Reinhard Günzel, der einst seinen Soldaten kundtat, er erwarte „Disziplin wie bei den Spartanern, den Römern oder bei der Waffen-SS“, und der schließlich 2003 seinen Rausschmiss aus der Bundeswehr provozierte, als er wissen ließ, wie gut er eine weithin als antisemitisch verstandene Rede des früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann fand, sollen es jetzt also richten. Immerhin: An sich selbst denkt Hauer (noch) nicht, wenn er über die Neubesetzung des Ministerpostens nachdenkt. Weggetreten! (rr)