DO: Amtsgericht verurteilt NPD-Stadtrat Thieme wegen Körperverletzung

Dortmund – Wegen Körperverletzung hat das Dortmunder Amtsgericht heute den NPD-Stadtverordneten Axel Thieme zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt.

Gleich fünf oder sechs Mal wollten Thiemes Verteidiger und der Angeklagte selbst vom Zeugen wissen, ob er denn wirklich gesehen habe, dass der Stadtrat an jenem 29. August 2009 zugeschlagen habe – nicht einfach so mit der flachen Hand, sondern mit der Faust, und auch nicht in einer unkoordinierten Abwehrbewegung oder durch ein ungezieltes Um-sich-Schlagen, sondern sehr bewusst und gezielt. Doch der 29-Jährige, der damals rein zufällig Zeuge der Auseinandersetzung im Dortmunder Hauptbahnhof geworden war, blieb auch bei wiederholten Nachfragen bei seiner Darstellung, die schließlich entscheidend war für Thiemes Verurteilung.

An jenem 29. August, einen Tag vor der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen, hatte NPD-Spitzenkandidat Thieme zusammen mit einem weiteren NPD-Ratskandidaten und einer dritten Person Flugblätter verteilt, parallel zum Christopher Street Day, der an jenem Samstag in der Dortmunder Innenstadt gefeiert wurde. CSD-Besucher beschlossen das Trio im Auge zu behalten – in Sorge, dass Neonazis das Fest überfallen könnten, so wie dies vier Monate zuvor bei der DGB-Veranstaltung zum 1. Mai in der Ruhrgebietsstadt geschehen war. Aus zwei, drei Nazis könnten in Dortmund schnell mehr werden, so ihre Begründung.

Sie behielten den NPD-Trupp bis in den Hauptbahnhof hinein im Blick, wo Thieme dann offenbar ausrastete. Einem damals 31-Jährigen aus der Gruppe der CSD-Besucher habe er einen Kopfstoß und anschließend einen Faustschlag gegen den Kopf verpasst, so befand die Staatsanwaltschaft am Ende ihrer Ermittlungen. Sie schickte Thieme wegen Körperverletzung einen Strafbefehl über 40 Tagessätze zu je 30 Euro. Thieme erhob dagegen Einspruch, sodass es gestern zur Hauptverhandlung kam.

Der damals 31-Jährige und ein Begleiter blieben in der Verhandlung bei ihrer Darstellung, dass Thieme mit dem Kopf gestoßen und gezielt zugeschlagen habe. Ergebnis nach Aussage des Opfers: Verdacht auf Gehirnerschütterung und eine zertrümmerte Brille. Thieme hingegen beteuerte seine Unschuld. Ein paar Schubsereien habe es gegeben, wobei er nicht einmal sagen könne, wer damit angefangen habe, sagte er vor Gericht aus. Mit dem Kopf gestoßen habe er nicht. Und dass er ungezielt um sich geschlagen habe, sei eine „Abwehrreaktion“ gewesen.

Das Gericht mochte ihm am Ende nicht glauben. Es sah den Vorwurf der Körperverletzung „in vollem Umfang bestätigt“ und stützte sich dabei vor allem auf die Aussage jenes völlig unbeteiligten Zeugen, der Thiemes Attacke in der Bahnhofsunterführung aus der Nähe beobachtet hatte. (ts)

Meta