DO: Neonazi-Kampagne in Lütgendortmund

Dortmund – Neonazis mit und ohne Parteibuch haben den geplanten Umzug der „Kommunalen Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge“ vom Westfalendamm in den Stadtteil Lütgendortmund als neues Kampagnenthema entdeckt.

Hand in Hand arbeiten dabei Dortmunds „Autonome Nationalisten“ und die örtliche NPD, unterstützt vom Vorsitzenden des Nachbarkreisverbands Unna/Hamm, Hans-Jochen Voß, zusammen. Mitte Januar verteilten sie Flugblätter, auf denen sie ein Schreckensgemälde zeichneten, das Lütgendortmund erwarte, wenn tatsächlich zum 1. April rund 130 Flüchtlinge vom Westfalendamm in den Dortmunder Westen umziehen würden. Die NPD wetterte „gegen die Verwahrlosungspläne deutschfeindlicher Multi-Kulti-Kommunalpolitiker“. „Autonome“ Neonazis tauchten auch am Rande eines Neujahrsempfangs der Lütgendortmunder SPD auf, um Stimmung zu machen.

Gestern Abend nahmen parteifreie Neonazis und NPDler an einer Informationsveranstaltung teil, die der Bezirksbürgermeister anberaumt hatte. Dabei ergriffen unter anderem auch Voß, der Dortmunder NPD-Stadtrat Axel Thieme und der örtliche NPD-Kreisvorsitzende Matthias Wächter das Wort, unterstützt von angeblich zwei Dutzend „nationalen Aktivisten“ im Saal. Draußen bauten sich anschließend die parteifreien „Kameraden“ mit einem Transparent auf.

In einem Bericht über die Versammlung empören sich Dortmunder Neonazis, dass Vertreter der Stadt versucht hätten, „Mitleid für die Situation der Asylanten einzufordern“. Nach dem Abend in Lütgendortmund wittern sie für sich Morgenluft. Es sei gelungen, auch das „Überfremdungsproblem“ zur Sprache zu bringen, freuen sie sich. Und: Man werde „dem Widerstand der Bürger eine Stimme verleihen“. Auf weitere Neonazi-Aktivitäten in dem Stadtteil wird man sich also in den nächsten Wochen einrichten müssen. (ts)