SU: „Pro NRW“ will endlich auch im Rhein-Sieg-Kreis ankommen

Siegburg/Köln – „Pro NRW“ will einen neuerlichen Versuch starten, im Rhein-Sieg-Kreis Fuß zu fassen. Bisher hatte die selbst ernannte „Bürgerbewegung“ mit ihrem Personal in dem Landkreis rund um Bonn wenig Glück.

Bei einer Sitzung des neuen Bezirksvorstands Mittelrhein am Donnerstag habe Markus Wiener, der neben vielen weiteren Funktionen bei „pro“ auf Kölner und auf Landesebene seit Anfang Dezember auch den Vorsitz jenes Bezirksverbandes inne hat, die „Reaktivierung des Kreisverbandes Rhein-Sieg als oberste Priorität“ genannt, berichten die Rechtspopulisten. „Zur Wiederherstellung fester Parteistrukturen im Rhein-Sieg-Kreis“ werde es dort in den nächsten Wochen eine „PR-Kampagne“ und mehrere Flugblatt-„Großverteilungen“ geben. Beteiligen würden sich „Aktivisten“ aus dem gesamten Bezirksverband.

Eine „baldige Neuwahl“ des Kreisvorstandes stehe ebenfalls auf dem Programm. Derzeit nennt „pro NRW“ Detlev Schwarz als Ansprechpartner für den Rhein-Sieg-Kreis. Schwarz ist Kreisvorsitzender in Bonn.

Mit ihrem Funktionärspersonal aus dem Kreis selbst hatten die Rechtspopulisten bisher wenig Glück. Der Troisdorfer Dieter Danielzick, der die eigentlich fest eingeplante, dann aber schließlich doch gescheiterte Kandidatur zur Kommunalwahl 2009 vorbereiten sollte, war aus der Partei geschasst worden und hatte sich im vorigen Jahr mit einer Generalabrechnung bei „pro NRW“ revanchiert.*

An „pro“-Chef Markus Beisicht und der Führungsclique der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ ließ er dabei kein gutes Haar. Danielzick, der sogar bis zum stellvertretenden Landesvorsitzenden aufgestiegen war, monierte am System „pro NRW“, „dass hier nur eine Meinung zählt, und dass ist die des Parteivorsitzenden“. Als Vorstandsmitglied habe man lediglich „eine Statistenrolle, die nur auf dem Papier besteht“. Aus der Partei sei er geschmissen worden, so Danielzick, da er sich erlaubt habe, Beisicht „in seiner Art der Parteiführung massiv zu kritisieren“, und weil er dessen „,Anti-Islam’-Kampagnen als Flop“ bezeichnet habe. Alles in allem könne man „von viel Schaumschlägerei in dieser Partei ausgehen, ohne jegliches Konzept“.

Nach Danielzicks Ausscheiden war der Bonner Schwarz erstmals damit beauftragt worden, die „Reaktivierung“ des Kreisverbandes in die Wege zu leiten. Im November 2009 schien dies zumindest im Ansatz gelungen, als man einen damals 18-jährigen Gymnasiasten als neuen „Kreisbeauftragten“ sowie vier Kandidaten für die Landtagswahl präsentierte.** Doch vom versprochenen „dynamischen und pragmatischen Politikstil“ der neuen Truppe war wenig bis nichts zu sehen. Schwarz musste wieder ran – bis heute.

Dabei dürfte man sich bei „pro NRW“ nicht nur deswegen ärgern, weil mitten im „pro“-Stammland am Mittelrhein ein ganzer Landkreis mit einer halben Million Einwohnern brachliegt. Mindestens ebenso schwer wiegen dürfte es für die Rechtspopulisten, dass es sich zudem um eine Region handelt, in der ein Teil der Wählerschaft bewiesen hat, dass er empfänglich ist für extrem rechte Parolen. Immerhin sind dort die NPD im Kreistag und sogar die rechte Kleinstpartei „Ab jetzt… Bündnis für Deutschland“ im Kreistag sowie in Stadt- bzw. Gemeinderäten vertreten. Höchste Zeit also für eine neuerliche „PR-Offensive“. (rr)

* /nrwrex/2010/02/su-ehemaliger-pro-nrw-vize-viel-schaumschl-gerei-dieser-partei

** /nrwrex/2009/11/su-vier-pro-kandidaten-nominiert