K: Der „pro NRW“-Fan-Blog, die Seriosität und das Eigentum (ergänzt)

Köln – Knapp zwei Wochen ist es her, dass sich der „pro NRW“-Chef Markus Beisicht über einen erregte, der „geistiges Eigentum anderer klaut und sich an keinerlei Ehrenkodex hält“. Gemeint hat der Vorsitzende der angeblich „seriösen“ und „rechtsdemokratischen“ Rechtspopulisten mit seiner Kritik den vormaligen Bundesverteidigungsminister. Würde sich Beisicht in seinem eigenen politischen Umfeld etwas genauer umschauen, könnte er feststellen, dass dort nicht nur mit geistigem Eigentum sehr freizügig umgegangen wird.

[caption id="attachment_4399" align="alignright" width="107" caption="Das Original: die Illustration zum „blick nach rechts“-Beitrag."][/caption]

Die Geschichte beginnt Anfang Mai 2010. Seinerzeit erschien beim „blick nach rechts“ (www.bnr.de) ein Beitrag, der sich mit Patrik Brinkmanns teilweise skurrile Züge tragender, von ihm als „Kreuzzug“ verstandener NRW-Bustournee im Vorfeld der NRW-Landtagswahl beschäftigte (http://www.bnr.de/content/ae-kreuzzug-ae-mit-dem-bus). Illustriert war jener Beitrag mit einem Foto, das Brinkmann, eine schwedische Bibel-Ausgabe schwenkend, bei einem seiner Auftritte in Hagen zeigte. Über Brinkmann heißt es dort in einem Text von Tomas Sager, der auch regelmäßiger Autor bei „NRW rechtsaußen“ ist: „Manchmal lässt er sich an diesem kühlen Morgen auch außerhalb des Busses blicken. Ans Mikrofon tritt er nicht. Nur zwei-, dreimal geht er ein paar Meter auf die Gegendemonstranten zu, erhebt seine schwedische Bibel mit den vergoldeten Seitenrändern, schwenkt sie hin und her. Von seiner Seite bleibt’s an diesem Vormittag ein stummer Kreuzzug. [...] Immerhin: Er war an diesem Tag in Hagen zumindest physisch dabei.“

[caption id="attachment_4406" align="alignright" width="75" caption="Ganz „freiheitlich“ ohne Erlaubnis übernommen: das bei bnr erschienene Bild in Molaus Beitrag."][/caption]

Wenn schon nicht der Text, so hat doch wenigstens das Bild dem Verantwortlichen des sehr „pro NRW“-nahen Internet-Blogs „freiheitlich.org“ so gut gefallen, dass er es ungefragt für einen Beitrag übernahm, der am 9. Februar mit der Autorenangabe des „pro NRW“-Öffentlichkeitsarbeiters Andreas Molau erschien. Eine Beschwerde gegen diese unerlaubte Verwendung der Aufnahme, abgesandt über das Kontaktformular der Seite, zeigte keinerlei Wirkung. Auch eine weitere Aufforderung, das Foto umgehend von der Internetseite zu löschen, blieb ohne jede Reaktion oder Antwort. Statt dessen setzte der Verantwortliche des Blogs das Bild ein zweites Mal ohne Erlaubnis ein, diesmal in einem Beitrag des Autors „Hauck“ zum Thema „Neue freiheitliche Außenpolitik“ vom 18. Februar.

„Rechte, freiheitliche Positionen, die sollen hier eingenommen werden“, heißt es in der Selbstbeschreibung des sehr „pro“-affinen Blogs, dem nachgesagt wird, dass die Tätigkeit des Ex-NPDlers Molau dort über eine bloße Autorenschaft hinausgeht*: „Gleichschaltung, Neusprech, Political-Correctness sind hier nicht erwünscht.“ Nicht „freiheitlich“, sondern eher recht freizügig wird dort allerdings mit dem Eigentum anderer umgegangen, und abgelehnt wird offenbar, wie der Bilder-Klau nahe legt, nicht nur eine „politische“, sondern zumindest auch eine urheberrechtliche Korrektheit, wenn’s der eigenen Sache dient.

[caption id="attachment_4402" align="alignright" width="107" caption="Ein zweites Mal ganz „freiheitlich“ geklaut: das Bild in „Haucks“ Text."][/caption]

„Wer in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ohne Einwilligung des Berechtigten ein Werk oder eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“, heißt es in Paragraf 106 des Urheberrechtsgesetzes. Den Verantwortlichen von „freiheitlich.org“ scheint das nicht weiter zu stören. Über ein Impressum verfügt die Seite, die von einer Firma in Sarajevo registriert wurde, nicht. Auch eine E-Mail-Adresse wird nicht angegeben. Wie man so etwas in Kreisen der Rechtspopulisten nennen könnte? „Seriös“ und „rechtsdemokratisch“ wahrscheinlich. (rr)

* Mehr dazu am Freitag an dieser Stelle.

  • 10. März: „freiheitlich.org“ hat inzwischen die Bilder durch zwei Aufnahmen aus dem Fundus von Patrik Brinkmann ausgetauscht.