NRW: Molau, „Hauck“, der „pro NRW“-Fan-Blog und die „rechtsdemokratische“ Resozialisierung eines gescheiterten Ex-NPD-Funktionärs

Köln/Leverkusen – Andreas Molau werde die Öffentlichkeitsarbeit der „Pro-Bewegung“ unterstützen und sich insbesondere auch im Bereich der neuen Medien einbringen, kündigten die Rechtspopulisten an, als der Ex-NPDler im vorigen Frühjahr als Neumitglied begrüßt wurde. Seine Bedeutung für die selbst ernannte „Bürgerbewegung“ geht inzwischen über eine bloße „Unterstützung“ deutlich hinaus.

Am 23. Januar war es, als sich in der Villa Wuppermann in Leverkusen die führenden Funktionäre von „pro NRW“ trafen, um die Vorhaben für die nächsten Monate zu besprechen. Vor den angeblich „rund 60 Pro-NRW-Vorstandsmitgliedern sowie Bezirks- und Kreisvorsitzenden“ – tatsächlich dürfte die Zahl der Teilnehmer eher bei 20 bis 25 gelegen haben – referierten drei „echte Experten auf ihrem Gebiet“, wie es im offiziellen Kommunique der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ anschließend hieß.

In Sachen PR ergriff Andreas Molau das Wort, diesbezüglich in der Vergangenheit als „echter Experte“ geschult unter anderem durch seine Mitarbeit bei dem Rechtsaußen-Wochenblatt „Junge Freiheit“, durch seine Tätigkeit als Autor und stellvertretender Chefredakteur der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“, durch seine Arbeit als Pressesprecher der NPD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern und schließlich als Öffentlichkeitsarbeiter der ihrem Ende entgegentaumelnden DVU.

„Strategische Planung“

Was genau er an jenem Tag im Januar zu seinem Thema, der „strategischen Planung der Öffentlichkeitsarbeit der Pro-Bewegung im ersten Halbjahr 2011“, zu sagen hatte, ist leider nicht überliefert. Was er aber ganz praktisch für „pro NRW“ leistet, das lässt sich nachvollziehen. Immerhin ist dies so viel, dass Molau – obwohl nicht in das Gremium gewählt – nach Informationen von „NRW rechtsaußen“ inzwischen regelmäßig an Vorstandssitzungen der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ teilnimmt. Und dem Vernehmen nach fällt ihm am kommenden Sonntag beim Neujahrsempfang von „pro NRW“ Gelsenkirchen im Rittersaal von Schloss Horst gar die Aufgabe zu, Zukunftsperspektiven der angeblichen „Bürgerbewegung“ zu skizzieren.

Vor seinem Aufstieg in den Führungszirkel von „pro NRW“ agierte Molau zumeist im Hintergrund. Da waren zum einen gelegentliche Textbeiträge auf den Internetseiten der Rechtspopulisten, vor allem aber die dort präsentierten Interview-Videos, bei denen auch eine geschickte Schnitttechnik nicht verdecken konnte, wie dürftig doch Teile des „pro“-Personals aufgestellt sind. Doch auch der Interviewer verriet Schwächen – zum Beispiel, wenn er, statt einfach eine Frage zu stellen, zu Ko-Referaten ansetzte, die er nur mit Mühe dann doch noch in eine Frage umformen konnte.

Newsletter von Molaus E-Mail-Adresse

Erklärlich ist eine solche Schwäche allerdings. Schließlich war Molau nicht immer nur journalistischer Begleiter und Beobachter – sei es auch bei einem noch so zweifelhaften Blatt wie der „Deutschen Stimme“, bei dem er Seite um Seite mit extrem rechten Inhalten füllte* – oder bezahlter Öffentlichkeitsarbeiter seines Schweriner NPD-Fraktionsvorsitzenden bzw. der DVU. Er war zuvorderst auch NPD-Funktionär, zeitweise sogar mit der Ambition, den Vorsitz der Partei zu übernehmen.** So einem fällt es schwer, sich auf die Rolle des Fragenden zu beschränken. Wohler scheint er sich zu fühlen, wenn er als Redner bei „pro NRW“-Demonstrationen das Wort hat. Fast so sehr wie Beisicht, dem das Fußvolk der „Bürgerbewegung“ auf fast schon religiös-gläubige Art an den Lippen hängt, vermag er sein rechtspopulistisches Publikum zu begeistern. Auch auf der Straße zahlt sich, so gesehen, die NPD-Schulung aus.

Wichtiger als seine Textbeiträge für die Internetseiten, seine Videoproduktionen und seine Demoauftritte scheint den „pro NRW“-Oberen aber derzeit sein Engagement bei dem Internetblog „freiheitlich.org“ zu sein. Einen Verantwortlichen nennt die in Sarajevo registrierte Internetseite zwar nicht, ein Impressum fehlt auch komplett. Doch wer Molau kennt, ahnt, wer dort Regie führt. Auch der Newsletter des Blogs wurde zumindest in der Anfangszeit über eine E-Mail-Adresse Molaus verbreitet.

Virtueller Liebesentzug

Entstanden ist „freiheitlich.org“ im vorigen Spätsommer, als „pro NRW“ ein virtueller Liebesentzug drohte.*** Der antiislamische Internetblog „Political Incorrect“ (PI) erwies seine Gunst fortan Rene Stadtkewitz Partei „Die Freiheit“ und nicht mehr der Rechtspopulistentruppe aus Leverkusen und Köln. Etwas Eigenes musste her. „freiheitlich.org“ entstand. Inzwischen meinen die, die dort die Kommentarspalten zu füllen versuchen, man sei dabei, PI den Rang abzulaufen.

Verlässlich nachprüfen lässt sich das nicht. „Political Incorrect“ nennt zwar Zugriffszahlen. Inwieweit diese aber realistisch sind, bleibt offen. „freiheitlich.org“ verzichtet gleich ganz darauf, solche Zahlen zu nennen. Indizien – zum Beispiel der Vergleich, wie häufig Verlinkungen in Texten bei PI einerseits und „freiheitlich.org“ andererseits genutzt werden – lassen vermuten, dass der „pro“-Fan-Blog sehr, sehr weit PI hinterherhinkt. Nichts deutet darauf hin, dass sich in absehbarer Zeit daran etwas ändern wird.

Virtuelle Selbstgespräche

Auch gemessen an der Zahl der Kommentare bleibt man ein gehöriges Stück hinter PI zurück. Dabei vermitteln manche Kommentare sogar den Eindruck, dass zwar unterschiedliche Pseudonyme gewählt werden, sie tatsächlich aber von ein und derselben Person geschrieben wurden, die virtuell quasi Selbstgespräche führt. Dumm nur, dass immer wieder identische Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler auffallen. Zugleich zeichnen sich just jene Kommentatoren des Öfteren dadurch aus, dass sie zwar kaum einmal einen Satz grammatikalisch korrekt auf die Reihe bringen, dafür aber zum einen dem „pro NRW“-Vorsitzenden Beisicht bis zum Peinlichen lobhudeln und zum anderen über genauestes Detailwissen aus den Innereien der „Bürgerbewegung“ verfügen, das nur in deren Führungsetage vorhanden sein kann.

Zehlendorfer Weisheiten

Einer, der nicht als Kommentator, sondern als Autor für die „pro“-Propaganda auf der Seite verantwortlich ist, hat sich den Namen „Hauck“ gegeben. Er streichelt verbal zuverlässig die selbst ernannte „Bürgerbewegung“, umschmeichelt ihren Vorsitzenden Beisicht sowie deren „Internationalen Sekretär“ Patrik Brinkmann bis hart an die Schmerzgrenze, hat ein nettes Wort für tatsächliche oder auch nur potenzielle Bündnispartner, rüffelt die, die noch nicht mit der jeweiligen Weisheit gesegnet sind, die in Beisichts Leverkusener Anwaltskanzlei und Brinkmanns Zehlendorfer Villa verbreitet wird.

Viel spricht dafür, dass es sich bei „Hauck“ um ein Pseudonym Molaus handelt. Auch in diesem Fall weist nicht nur der Stil von „Haucks“ Beiträgen darauf hin, sondern auch jener Newsletter, der in der Anfangszeit von „freiheitlich.org“ verschickt wurde. Er endete mit dem Hinweis: „Sie erhalten diese Mail, weil Sie sich im Newslettersystem von www.freiheitlich.org angemeldet haben. freiheitliche Grüße, Hauck andreas_molau@xx.xxx“.****

Platte Gefälligkeitstexte

Andreas Molau, der von „pro NRW“ als „Publizist“ (an)gepriesen wird, also als Verantwortlicher von „freiheitlich.org“ und als Verfasser platter Gefälligkeitstexte für den Rechts-Anwalt aus Leverkusen und den Geldgeber für Rechtspopulistisches aus Berlin? Molau als Verfasser von Texten, die hart an der Grenze zum unfreiwillig Komischen sind, als Verfasser von offenkundigem Unsinn gar? Etwa, wenn „Hauck“ schreibt, „pro NRW“ habe im Dortmunder Stadtteil Hörde „vor kurzem auch bereits mit Bürgervereinen vor Ort gegen die Islamisierung demonstriert“, während von „Bürgervereinen“ weit und breit nichts zu sehen war, als die „pro“-Truppe per Reisebus in Hörde anrollte. Molau als schlichter „Pro“pagandist? Der „Publizist“ Molau als Verfasser solch inhaltsschwerer Sätze? „Das Büro Brinkmann erklärte auf eine Anfrage von freiheitlich.org, dass Brinkmann in den nächsten Tagen erste Informationen herausgeben würde.“

„Seine Bürgerbewegung“

Man wollte es eigentlich nicht glauben. Liest man einen Beitrag „Haucks“ über den Wechsel des vormaligen DVU-Landesvorsitzenden Max Branghofer zu „pro NRW“, ergeben sich aber Parallelitäten zum Fall Molau. „Hauck“ lobt Beisicht, dass der sich „von den Regeln der politischen Korrektheit“ nicht vorschreiben lasse, „wer in seiner [!, die Red.] Bürgerbewegung mitarbeiten kann und wer nicht“. Die „Pro Bewegung“ ermögliche es „Branghofer und seinem Sohn Gerald, politisch weiter zu wirken“. Just so erging es dem Ex-NPDler und Ex-DVUler Molau, der bei „pro NRW“ nach dem Scheitern seiner vorherigen parteipolitischen Ambitionen Obdach fand: Molaus „rechtsdemokratische“ Resozialisierung.

Noch etwas lobt Molau an Beisicht. Er beuge sich nicht der „politischen Korrektheit der Altparteien“. Vor gerade einmal zwei Jahren hat Molau statt der Bezeichnung „Altparteien“ das in seinen damaligen NPD-Kreisen gebräuchlichere Wort „Systemparteien“ verwendet. Der Austausch eines Wortes: Im Fall Molau kennzeichnet dies die Differenz zwischen der Zugehörigkeit zum bei „pro NRW“ verpönten „NS-Narrensaum“ und seinem jetzigen Arbeitsfeld, das sich „rechtsdemokratisch“ nennt. (rr/ts)

* Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

** /nrwrex/2010/09/k-pro-nrw-und-andreas-molaus-humanistisches-menschenbild

und

http://npd-blog.info/2010/09/23/andreas-molau-ausgeschlossen-gescheitert-uberschatzt/

und

/nrwrex/2010/05/nrw-andreas-molaus-no-go-areas

*** /nrwrex/2010/09/nrw-pro-nrw-klagt-ber-liebesentzug

**** „NRW rechtsaußen“ bat, abgesandt über das Kontaktformular der Seite „freiheitlich.org“, deren Redaktion sowie „Hauck“ und Molau drei Mal um eine Stellungnahme zu jener Formulierung in dem Newsletter. Eine Antwort gab es nicht.