BO: Anklage erweitert: Kinderpornobilder bei NPD-Nachwuchskraft auf dem Handy

Bochum – Dass sein „Jugendbeauftragter“ Andre Z. im Internet ganz unbefangen den Nationalsozialisten gab* und antisemitische Tiraden verbreitete**, dass die Staatsanwaltschaft den 19-Jährigen in diesem Frühjahr zudem wegen Brandstiftung angeklagt hatte***, das alles konnte den Bochumer NPD-Kreisverband mit Landeschef Claus Cremer an der Spitze nicht zu einer Distanzierung von seinem Wattenscheider Mitglied bewegen. Doch jetzt sind neue Vorwürfe bekannt geworden, die Cremer & Co. offenbar (etwas) zum Handeln zwingen: Die NPD-Nachwuchskraft soll auch kinderpornografische Bilder in seinem Besitz gehabt haben.

„Aufgrund aktueller Zeitungsberichte und öffentlicher Vorverurteilungen“ und „nach einem Gespräch mit dem Kreisvorsitzenden“ habe sich der „junge NPD-Aktivist“ dazu entschlossen, seine Mitgliedschaft in der NPD bzw. sein Amt als „Jugendbeauftragter“ bis zur endgültigen Klärung der Vorfälle ruhen zu lassen, teilte der Bochumer Kreisverband heute mit. Vom neuen Kinderporno-Vorwurf ist in der Mitteilung aber mit keinem Wort die Rede. Statt dessen werden nur die schon früher bekannten Vorwürfe erwähnt: Dem „jungen Nationalisten“ würden „verschiedene Schmierereien und kleinere Brandaktionen in Bochum und Wattenscheid“ zur Last gelegt.

„Rückzug zeugt von Größe“

Tapfer wird in der NPD-Stellungnahme die Argumentation wiedergegeben, mit der sich Z. offenbar vor Gericht behaupten will: „Gespräche mit seinem Rechtsanwalt haben ergeben, daß große Teile der Anklage als konstruiert bezeichnet werden können und darauf schließen lassen, daß hier einfach nur ein nationaler Aktivist verurteilt werden soll, damit die Behörden verschiedene Akten schließen können, weil die wahren Täter einfach nicht ermittelt werden konnten.“

Kreis- und Landeschef Cremer, der betont, für ihn gelte zuerst die Unschuldsvermutung, lässt sich mit dem Satz zitieren: „Der Entschluß, die Mitgliedschaft und das Amt zum Schutz der Partei bis zur endgültigen Klärung ruhen zu lassen zeugt von Größe und wird von mir respektiert.

Anklage erweitert

Tatsächlich dürfte ein am Freitag erschienener Bericht der Bochumer WAZ Bewegung in die kreisverbandsinterne Diskussion gebracht haben. Demnach geht es bei dem am 24. Mai vor dem Landgericht beginnenden Verfahren nicht mehr nur um den Vorwurf gegen Z., zwischen Juni und September 2010 mehrere Brände gelegt und die Briefkastenanlage seiner eigenen Wohnung mit einem selbst gebastelten Sprengsatz in die Luft gejagt zu haben, um anschließend mit Flugblättern den Verdacht auf die Antifa zu lenken.

Wie ein Gerichtssprecher auf WAZ-Anfrage mitgeteilt habe, sei diese Anklage jetzt erweitert worden: Laut erweiteter Anklage habe er nach einer Flugblatt-Aktion drei Menschen mit Pfefferspray attackiert. Und: Der NPD-Aktivist habe auch mehrere kinderpornografische Bilder auf seinem Handy gehabt.

Redner bei NPD-Kundgebung

Z. gehörte in den letzten Monaten wiederholt zu den Teilnehmern von Demonstrationen der NPD oder von „parteifreien“ Neonazis aus dem Spektrum rund um Axel Reitz. Selbst nachdem die Staatsanwaltschaft im Februar Anklage erhoben hatte, konnte er noch Anfang März bei einer Kundgebung der NPD in Bochum als Redner auftreten.****

Und auch bei Facebook hatte das Mitglied des Bochumer NPD-Kreisvorstands zunächst weitergemacht wie zuvor: Auf seiner Seite grüßte er mit „88“, dem Neonazi-Code für „Heil Hitler“, und feierte jenen Neonazi, der 2005 in Dortmund den Punker „Schmuddel“ erstach: „Sven Kahlin …do it again XD !!!!!!!!!!!“***** Inzwischen ist Andre Z. bei Facebook verstummt. (ts)

* /nrwrex/2010/12/bo-npd-nachwuchs-m-chte-z-h-wie-leder-flink-wie-windhunde-und-hart-wie-kruppstahl-sei

** /nrwrex/2011/01/bo-npd-jungfunktion-r-mit-einer-vorliebe-f-r-antisemitische-texte

*** http://www.derwesten.de/staedte/bochum/NPD-Aktivist-soll-Braende-in-Bochum-gelegt-haben-um-Antifa-zu-belasten-id4313841.html

**** /nrwrex/2011/03/bodo-npd-will-still-und-heimlich-auf-die-marktpl-tze

***** /nrwrex/2011/02/bo-rot-euer-blut-auf-dem-asphalt