RE: „Pro NRW“ auf Tour – Den „Narrensaum“ im Gepäck?

Recklinghausen – Ob die jungen Neonazis sich quasi eingeschlichen hatten, als am Sonntagmorgen der Bus startete, der „pro NRW“ler unter anderem aus Recklinghausen und Gelsenkirchen zu einem Kongress des „Vlaams Belang“ nach Antwerpen brachte, oder ob sie dabei möglicherweise Kontakte zu einem örtlichen Funktionär der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ nutzten, ist nicht bekannt. Folgt man aber einem Reisebericht jener Neonazis, dann hatte „pro NRW“ am Sonntag den verbal abgelehnten „NS-Narrensaum“ sozusagen mit im Gepäck.

Vom rechtspopulistischen Politikkonzept und der Strategie des „Vlaams Belang“ (VB) und von „pro NRW“ hat sie der Ausflug offenbar nicht überzeugt. Dem VB halten sie unter anderem vor, dass dieser sich – beginnend in den 90er Jahren – eines „Großteils der Anfangsbasis“ der Partei entledigt habe. Besonders denken sie dabei an die Kollaborateure, die sich den Truppen Hitler-Deutschlands und speziell der „Germanischen SS“ angeschlossen hatten. „Die Zeitzeugen starben weg, und stellten somit keine interessante Wählergruppe mehr dar“, erklärt man sich das Verhalten der VB-Führung. „In wie fern man diese Kompromisse, diesen Verrat an früheren Wählergruppen und Kriegsteilnehmern, akzeptiert, um die politische Macht zu wahren, muss jeder für sich selbst beantworten“, heißt es in dem Reisebericht, der mutmaßlich von einen Neonazi aus dem nördlichen Ruhrgebiet geschrieben worden ist.

„Weitaus weltanschaulicher“

Im Veranstaltungssaal in Antwerpen hielten es die Neonazis – die in ihrem Bericht durchgehend verwendete Wir-Form spricht dafür, dass es mehrere waren – nicht lange aus. Stattdessen zog es sie vor die Halle. Dort verteilte die belgische Neonazitruppe „Nieuw-Solidaristisch Alternatief“ (N-SA) Flugblätter – eine Gruppe, die „weitaus weltanschaulicher agiert als der bürgerliche Vlaams Belang“, wie sie meinen. Man könne deren Aktion „durchaus als Versuch ansehen, neue Ansätze in die Partei zu bringen. Was durchaus als sinnvoll angesehen werden kann, bedenkt man dass die Basis einer Partei häufig nicht der Führung entspricht“.

Auch bei „pro NRW“ sehen die Neonazis, für die die Fahrt den „netten Nebeneffekt“ hatte, „dass man auch die Basis jener Partei näher kennen lernen konnte“, Anknüpfungspunkte. „Vlaams Belang“ und „pro NRW“ böten „aufgrund der Heterogenität der Basis immer wieder Möglichkeiten zu interessanten Gesprächen und der Platzierung von eigenen Inhalten in diesen Parteien“. Es sei also „durchaus nicht falsch, sich in verschiedenen Gruppen und Parteien einzubringen, um die eigenen Chancen auszuloten und alle sich öffnenden Türen zu nutzen“. In der Neonaziszene dürfte das freilich eher die Meinung einer kleinen Minderheit sein. (ts)

  • Nicht zum ersten Mal gingen Neonazis aus dem nördlichen Ruhrgebiet – genauer: aus dem Raum Recklinghausen – auf „Bildungsreise“. Zwei ältere Texte:

/nrwrex/2010/05/nrw-brauner-bildungsurlaub-der-ostseek-ste

/nrwrex/2010/08/nrw-parteifreie-neonazis-schw-rzen-cremers-landes-npd-sachsen