LEV/K: „Kernig waren nur Timkes Boxhandschuhe“

Leverkusen/Köln – Bei „pro NRW“ gehen in der Frage, wie das Ergebnis der Bürgerschaftswahl in Bremen einzuschätzen ist, die Meinungen auseinander. Kritik an der dort kandidierenden rechtspopulistischen Partei „Bürger in Wut“ (BIW) wurde am Wahlabend auf der mutmaßlich von „pro NRW“-Öffentlichkeitsarbeiter Andreas Molau verantworteten Internetseite „freiheitlich.org“ geübt. „Pro NRW“-Chef Markus Beisicht fand hingegen heute freundliche Worte für BIW-Spitzenkandidat Jan Timke.

Timke wird voraussichtlich – die Auszählung der Stimmen in Bremen ist noch nicht beendet – auch in der kommenden Wahlperiode der Bürgerschaft angehören. Für den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde hat es zwar nicht gereicht, sein Ergebnis im Wahlbereich Bremerhaven mit rund sieben Prozent macht aber seine Rückkehr ins Landesparlament möglich.

Bei „freiheitlich.org“ setzte es am Sonntagabend für Timke vor allem in den Kommentarspalten Hiebe. Doch auch in einem redaktionellen Beitrag zur Wahl ging Autor „Hauck“ – hinter dem Pseudonym darf man Molau selbst vermuten – auf Distanz zu Timke. „Von einem Durchbruch wird man nicht sprechen dürfen. Die Pro-Bewegung ist in der Millionenstadt Köln und in vergleichbar großen Städten in NRW stärker.“ Timke habe mit Diskussionsrunden im Fernsehen, Magazin- und Zeitungsberichten „im Gegensatz etwa zur Pro-Bewegung in Köln geradezu ideale Medienbedingungen“ vorgefunden. „Er hat es jedoch versäumt zu polarisieren, Position zu beziehen“, schreibt „Hauck“ über Timke, der im Wahlkampf versuchte, den Ruch des Rechtspopulismus loszuwerden. „Haucks“ Fazit: „Kernig bei BiW waren nur die Boxhandschuhe des Spitzenkandidaten.“

Beisicht wünscht Zusammenarbeit

Molaus Parteivorsitzender Beisicht bemüht sich heute um eine andere Tonlage. Das BIW-Ergebnis sehe er als „Lichtblick“, ließ er wissen. „In dieser schwierigen politischen Situation sind knapp 4 % ein echter Achtungserfolg. Bürger in Wut haben sich in Bremen als rechtsdemokratischer Marktführer erwiesen und können mit diesem Ergebnis weitere politische Aufbauarbeit leisten.“ Zugleich wirbt er um Timkes Unterstützung bei der Bildung einer neuen rechtspopulistischen Gruppierung, deren Fundament „pro NRW“ und die „Republikaner“ stellen sollen. Bislang hat der Bremerhavener keine Neigung erkennen lassen, die Zusammenarbeit mit „pro NRW“ zu suchen. Beisicht: „In Verantwortung vor unserem Land sollten wir jetzt Trennendes überwinden, um zur nächsten Bundestagswahl und Europawahl endlich eine Formation zu schmieden, die als wirklicher Anwalt des Bürgers Politik gestalten kann.“

In einem Interview mit „freiheitlich.org“ legte Beisicht noch nach. Gefragt, ob er „tatsächlich“, wie der Interviewer betont, 3,8 Prozent als Erfolg ansieht, antwortet Beisicht, er würde sich „bei der Kritik gegen Jan Timke etwas mehr Zurückhaltung wünschen“. Jeder, der selbst Wahlkampf gemacht habe, wisse, „dass das kein schlechtes Ergebnis ist“. Und auch die Einschätzung des Fragestellers, dass Timke „im Vorfeld wirklich viel dazu getan hat, um nicht sonderlich aufzufallen“, und dass seine Distanzierung vom Rechtspopulismus ein Fehler gewesen sei, scheint Beisicht nicht zu teilen. Kritik an Timke kommt ihm jedenfalls nicht über die Lippen. (ts)

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