Nebenbei: „Verbrechen gegen die Menschheit“

Köln – Es sollte womöglich ein Signal sein, als „pro NRW“ Anfang des Jahres den Namen Michael Gabel zur Unterstützerliste des für den 7. Mai geplanten „Marsches für die Freiheit“ hinzufügte. Gabel sei, so erfuhr der interessierte und vielleicht auch erstaunte Leser, Mitglied der Kölner Stadtarbeitsgemeinschaft der Lesben, Schwulen und Transgender. „Pro NRW“, das sollte wohl damit ausgedrückt werden, als eine Partei, die der ansonsten in der extremen Rechten grassierenden Homophobie entsage, zum anderen als Partei, die umgekehrt auch in der schwul-lesbischen Community auf Akzeptanz stoße. Doch Patrik Brinkmann droht das homosexuellenfreundliche Konstrukt nun in Gefahr zu bringen.

Brinkmann, dessen Homophobie spätestens offenkundig wurde, als er den Landesvorsitz von „pro Deutschland“ in Berlin niederlegte, weil die Berliner Dependance der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ die Nominierung eines schwulen Kandidaten für eine der Bezirksvertreterversammlungen nicht wieder rückgängig machen wollte*, veröffentlichte dieser Tage einen Text, in dem er gegen Homosexualität vom Leder zieht. Der Beitrag erschien nicht irgendwo, sondern im Internetblog „freiheitlich.org“, bei dem mutmaßlich „pro NRW“-Vorstandsmitglied Andreas Molau Regie führt.

Brinkmann: „Gesellschaftliche Dominanz homosexueller Randgruppen“

„Wenn man von politisch-korrekten Tabuzonen redet, dann gehört die Kritik an einer gesellschaftlichen Dominanz homosexueller Randgruppen heute unbedingt dazu“, meint der schwedische Unternehmer, der die deutsche Rechte auf (seinen) Kurs bringen will. Eine Erklärung des Vatikan aus dem Jahr 2003, wonach „die homosexuellen Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen“, will er zur – auch politischen – Leitlinie machen. Sein Beitrag endet mit zwei Sätzen, die ihm in den Kommentarspalten des „pro“-nahen Blogs neben Lob auch Kritik eintragen. Brinkmann schrieb: „Das Natürliche zum Unnatürlichen zu machen und das Unnatürliche zum Natürlichen ist nicht nur eine Sünde gegen Gott und unsere Schöpfung: Es ist ein Verbrechen gegen Volk und Vaterland. Es ist ein Verbrechen gegen die Menschheit.“

Diskussionskultur

Für die einen Kommentatoren ist er nun „im wahrsten Sinn des Wortes ein Fels in der Brandung“. Andere attestieren ihm eine „enge, fundamentalchristliche Sichtweise auf Homosexualität“, die „mehr als peinlich“, gar „Schwachsinn“ sei. „Mit diesen Worten haben sie als Ex-DVU und Ex-NPD Gesinnter den Bogen bei liberal und freiheitlich gesinnten Pro-Mitgliedern, die nicht in die rechtsbraune und homophoben Ecke von Ihnen gezogen werden wollen, bei weitem überspannt: Es gab zig tausende Homosexuelle in Deutschland, die wegen diesen ,Verbrechen gegen Volk und Vaterland’ (also des Schwul-seins) in das KZ deportiert wurden und auch vergast wurden…“, schreibt ein dritter.

Offenbar schien es dem „freiheitlich.org“-Verantwortlichen angeraten, selbst Stellung zu beziehen. Er könne sich nach Brinkmanns „Gastbeitrag“ „genauso gut auf freiheitlich.org auch einen Gastbeitrag eines bekennend homosexuellen rechten Politikers vorstellen. Lebendige Diskussionskultur unter Patrioten eben“. Montags sind wir homophob, dienstags wieder nicht, mittwochs umso mehr, donnerstags dann eher kaum: lebendige Diskussionskultur unter Patrioten...

Pragmatischer Funktionär

Ganz pragmatisch geht einer an die Diskussion, hinter dessen Pseudonym „Berger“ nicht wenige einen hochrangigen „pro NRW“-Funktionär vermuten. Vor allem im Augenblick hat er kein Verständnis für Diskussionen über Schwule und Lesben:PRO sollte sich insbesonders vor dem Marsch der Freiheit auf wirklich wichtige Themen konzentrieren und keine alten Klischees und Feindbilder bedienen“, mahnt er. Ebenso „selbstverständlich“, wie „man die Ehe nicht mit gleichgeschlechtlichen Partnerschaften gleichsetzen“ könne, werde „pro“ andererseits „keine homosexuellen Menschen in irgendeiner Weise diskriminieren oder gar ausgrenzen“. Ganz pragmatisch denkend, liefert er die Begründung gleich nach: „In der Kölner Innenstadt hat PRO Köln gerade in Wahlgebieten mit einem überdurchschnittlichen Homosexuellenanteil sehr gute Wahlergebnisse erzielt.“

Das wiederum könnte einen Hinweis darauf liefern, warum Gabel der Öffentlichkeit im Januar als Mitglied der Stadtarbeitsgemeinschaft der Lesben, Schwulen und Transgender präsentiert wurde und nicht in seiner für „pro Köln“ eigentlich viel wichtigeren Funktion als Vertreter der „Bürgerbewegung“ im städtischen Ausschuss für Kunst und Kultur. Gabel gehört der Arbeitsgemeinschaft im Übrigen nicht als Vertreter der acht schwul-lesbischen Gruppen an, die Mitglieder in das Gremium schicken. Entsandt wurde er von „pro Köln“. Die angebliche „Bürgerbewegung“ hat wie jede Fraktion das Recht, mit einem nicht stimmberechtigten Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft vertreten zu sein. Durch inhaltliche Initiativen ist er dort noch nicht aufgefallen. Das zumindest könnte womöglich sogar Brinkmann freuen. (rr)

* /nrwrex/2011/03/brd-patrik-brinkmann-mag-schon-wieder-nicht-mehr-erg-nzt

** /nrwrex/2011/03/nrw-molau-hauck-der-pro-nrw-fan-blog-und-die-rechtsdemokratische-resozialisierung-ein