RE: Chaostage bei „pro NRW“ im Ruhrgebiet

Herten/Gelsenkirchen – Wer eine Partei sucht, bei der die eine Hand nicht weiß, was die andere tut, der eine Funktionär nicht sagt, was der andere sagt, der könnte bei „pro NRW“ fündig werden. Immer noch geht es um die Frage, ob denn „pro NRW“ler mit von der Partie waren, als am vorigen Mittwoch in Herten eine „Bürgerinitiative“ gegen den Bau einer Moschee gegründet wurde.

Einen Teil der Geschichte haben wir an dieser Stelle bereits am Freitag erzählt.* Kurz zusammengefasst:

  • Der Landesverband der „Bürgerbewegung“ erklärte, „wie angekündigt“* hätten „auch einige Vertreter der Bürgerbewegung pro NRW“ an der Gründungsversammlung teilgenommen. Damit sei es „pro NRW“ „wieder einmal gelungen, sich an die Spitze des bürgerlichen Protestes gegen ein fragwürdiges Multi-Kulti-Projekt zu setzen“.
  • Der Kreisverband von „pro NRW“ hingegen ließ durchblicken, dass man selbst gar nicht vor Ort war und im Übrigen auch überhaupt kein Interesse daran habe, bei der von der rechten Konkurrenzpartei „Unabhängige-Bürger-Partei“ (UBP) initiierten „Bürgerinitiative“ mitzutun: „Bei einem solchen politischen Konstrukt möchte sich die PRO NRW nicht einmischen.“
  • Der Landesverband nahm später seinen Bericht, der vom Kreisverband dementiert worden war, wieder von seiner Internetseite herunter.

Die Geschichte ging in der Zwischenzeit weiter:

  • Der Bericht des Landesverbandes, in dem der Bezirksvorsitzende Ruhr, Kevin Gareth Hauer, breit zitiert wird, ist inzwischen wieder online. Lediglich die Verlinkung zur Seite des Kreisverbandes fehlt inzwischen. Das heißt: Der Landesverband behauptet weiter, dass man an der BI-Gründung mitgewirkt und sich damit „an die Spitze des bürgerlichen Protestes“ gestellt habe.
  • Der Kreisverband bleibt bei seiner Darstellung vom Freitag: So wie die BI-Gründung erfolgt sei, würden die Interessen der Hertener Bürger „der Lächerlichkeit preisgegeben und diskreditiert“.
  • Damit nicht genug, legte der „pro“-Kreisvorsitzende Werner Peters am Sonntag noch einmal nach. Er brachte die „Bürgerinitiative“ – zu Recht oder zu Unrecht – in Neonaziverdacht. Die Bürgerinitiative, so Peters, „wurde von Tobias Köller (UBP) in Verbindung mit seinen neo-nationalsozialistischen Gehilfen (,Nationaler Widerstand’) [...] braun lackiert und somit für jeden demokratiebewussten Bürger unbrauchbar gemacht“.

Das wiederum würde bedeuten, dass „pro NRW“ – sollte die Darstellung des Landesverbandes stimmen – an der Bildung einer neonazistisch beeinflussten „Bürgerinitiative“ mitgewirkt hätte. Auf eine Bitte um Aufklärung reagierten seit Freitagnachmittag weder der Kreisvorsitzende Peters noch der Bezirksvorsitzende Hauer. Auf eine Fortsetzung des bürgerbewegten Komödienstadels darf man gespannt sein. (rr)

* /nrwrex/2011/06/re-rechtspopulistische-lachnummern